Osteoporose Wenn im Alter die Knochen schwinden

Rund sechs Millionen Deutsche leiden laut Schätzungen an Osteoporose. Wenn die Knochen porös werden, drohen Brüche, von denen sich gerade Ältere oft schlecht erholen. Experten fordern eine bessere Unterstützung der Betroffenen.

Selbsthilfegruppe für Osteoporose-Patienten in Essen: Mit Gymnastik die Knochen und die Balance stärken
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Selbsthilfegruppe für Osteoporose-Patienten in Essen: Mit Gymnastik die Knochen und die Balance stärken


Auf einem Bein stehend oder mit den Beinen wippend kämpfen sie gegen ihr hohes Knochenbruchrisiko. Die älteren Damen und der einzelne Herr, die an diesem Nachmittag zur Selbsthilfegruppe mit spezieller Gymnastik gekommen sind, haben Osteoporose. Ihre Knochen sind im Alter so porös geworden, dass sie schon bei kleineren Stürzen brechen können. Viele hier haben bereits Frakturen erlitten.

So wie Renate Wenzel. Ihre Wirbelbrüche blieben lange unentdeckt, bis vor sieben Jahren die Schmerzen so schlimm wurden, dass sie zum Arzt ging. "Ich fiel aus allen Wolken, als er mir sagte, dass ich Osteoporose habe", erinnert sie sich. "Ich hatte immer Sport gemacht, jetzt konnte ich nicht mehr laufen, dachte mein Leben wäre vorbei".

Nach Hochrechnungen von Krankenkassendaten haben rund sechs Millionen Deutsche die Skelettkrankheit. Mit fortschreitendem Alter wird sie immer häufiger. "Im Alter von 70 ist Osteoporose eine Volkskrankheit", sagt Johannes Pfeilschifter. Der Mediziner koordiniert seit zehn Jahren die Weiterentwicklung der Leitlinie zur Osteoporose, eine wissenschaftlich fundierte Orientierungshilfe zu Diagnose und Therapie.

Warum die Krankheit zum überwiegenden Teil alte Menschen, meist Frauen, befällt, sei nicht restlos geklärt. "Im Alter kulminieren aber eine ganze Reihe von Faktoren, die Osteoporose befördern können", sagt Pfeilschifter.

Nachlassende Muskelkraft lässt die Knochendichte sinken

Dass der Körper Knochen stärker ab- als nachbaut, führen Mediziner unter anderem auf einen Mangel an Sexualhormonen zurück. Östrogen und Testosteron sorgen in einem komplexen Zusammenspiel mit Mineralien und weiteren Hormonen für die Knochenerneuerung. Werden sie nicht mehr so stark ausgeschüttet, gerät der Knochenneubau ins Stocken.

"Auch nachlassende Muskelkraft lässt im Alter die Knochendichte sinken", sagt Pfeilschifter. Das Risiko für Knochenbrüche steigt. Zum diesjährigen Welt-Osteoporose-Tag am 20. Oktober wollen Experten insbesondere darauf aufmerksam machen, dass Osteoporose auch Männer treffen kann.

Für eine Gesellschaft, in der Menschen immer älter werden, sei die Krankheit eine große Herausforderung, warnen Verbände. So prognostiziert die Internationale Osteoporose-Stiftung, dass die Zahl der osteoporotischen Brüche zwischen 2010 und 2025 um ein knappes Drittel steigen könnte - mit dramatischen Folgen auch für das Gesundheitssystem und Familien.

"Ein Bruch im fortgeschrittenen Alter stellt alles infrage. Für viele ist es vorbei mit der Selbstständigkeit", sagt Heide Siggelkow, Vorsitzende des Dachverbands Osteologie (DVO). Für die meisten Betroffenen würden Alltagstätigkeiten wie Einkaufen zur Hürde. Ein Viertel könne nicht mehr für sich selbst sorgen und werde pflegebedürftig. Besonders dramatisch: In Deutschland stirbt im ersten Jahr nach einem schweren Hüftbruch laut DVO jeder Fünfte an den Folgen.

Mehr Unterstützung nach einem Knochenbruch

Das müsste nicht so sein, glaubt Siggelkow. "In Deutschland liegen wir, was die Diagnose betrifft, noch weit hinten". Viele Hausärzte seien zu wenig sensibilisiert für die Anzeichen von Osteoporose. Viele schlössen selbst nach mehreren Knochenbrüchen zu selten auf das Krankheitsbild. Ohne Diagnose gibt es keine Behandlung mit Medikamenten - sogenannte Bisphosphonate können bei Osteoporose helfen. Dabei ließe sich mit medikamentösen Standardtherapien die Hälfte aller Oberschenkelhalsbrüche vermeiden, sagen die Experten.

"Außerdem müssen wir die Patienten nach einem Bruch viel besser versorgen", klagt Siggelkow. "Der Chirurg kümmert sich in der Regel bestens darum, dass die Hüfte wieder funktioniert. Wir müssen aber viel stärker in den Blick nehmen, wie es gelingen kann, dass der ganze Mensch wieder funktioniert".

In anderen Ländern klappe die Wiedereingliederung von Patienten nach einem Bruch durch die Unterstützung von speziellem Pflegepersonal viel besser. "Ansätze, wie wir die Übergänge zwischen Krankenhaus, Heimen oder häuslichem Umfeld verbessern, stecken bei uns noch in den Kinderschuhen", sagt Siggelkow.

Den Patienten in der Osteoporose-Selbsthilfegruppe in Essen haben Bewegung und der Austausch mit anderen geholfen, ins Leben zurückzufinden. Renate Wenzel etwa hat seit ihrer Diagnose vor sieben Jahren die Krankheit im Griff. Durch die Gymnastik hofft sie, weiteren Frakturen vorzubeugen.

So wird durch Bewegung der Knochenumbau stimuliert. Übungen können die Koordination so verbessern, dass das Sturzrisiko sinkt. Bislang hat es funktioniert. "Ich fühle mich topfit", sagt Wenzel.

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Weitere Informationen zur Prävention von Osteoporose finden Sie auch auf gesundheitsinformation.de.

wbr/dpa




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