Paliperidon 17 Tote nach Injektion von Schizophrenie-Arznei

In Japan starben Schizophrenie-Patienten, nachdem Ärzte ihnen das Medikament Paliperidon gespritzt haben. Ein ursächlicher Zusammenhang ist unklar, aber Hersteller Janssen Pharmaceuticals mahnt zur Vorsicht.

Janssen Pharmaceuticals: Todesfälle nach Paliperidon-Spritzen
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Janssen Pharmaceuticals: Todesfälle nach Paliperidon-Spritzen


In Japan sind 17 Menschen gestorben, die sich zuvor ein im November zugelassenes Medikament gegen Schizophrenie hatten spritzen lassen. Die japanische Vertretung des internationalen Pharmakonzerns Janssen Pharmaceuticals teilte nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch mit, dass die Patienten unter anderem an Herzinfarkten und Lungenembolien starben, andere erstickten an ihrem Erbrochenen. Janssen Deutschland hat die 17 Todesfälle auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE bestätigt und schreibt: "Eine kausale Beziehung zwischen der Medikamentenanwendung und den Todesfällen besteht nach aktuellem Wissen nicht. Ein Team aus Experten von Janssen aus Japan, Europa und den USA prüft derzeit weiter den Sachverhalt."

Paliperidon ist weltweit in 78 Ländern zugelassen, seit 2009 in den USA und seit 2011 in Europa. In Deutschland ist es in Pillenform unter dem Handelsnamen Invega erhältlich und als Injektion als Xeplion. Bei dem Spritzenpräparat handelt es sich um ein sogenanntes Depotpräparat. Das heißt, der Wirkstoff ist an eine Fettsäure gebunden und wird nach der Injektion erst langsam über einige Wochen hinweg abgegeben. Der Vorteil ist, dass die Patienten nach erfolgreich eingestellter Therapie nur einmal im Monat eine Spritze bekommen.

Einige Patienten starben 40 Tage nach der Injektion

Die Substanz zählt zu den sogenannten atypischen Neuroleptika, da sie sich von älteren Antipsychotika unterscheidet. Paliperidon ist ein Abbauprodukt des häufig verschriebenen Risperidons. Die Arznei wirkt an bestimmten Rezeptoren im Gehirn und blockiert dort die Übertragung von Neurotransmittern wie Serotonin und Dopamin, die bei der Entstehung einer Schizophrenie eine wichtige Rolle spielen.

In der Begründung zur Zulassung von Xeplion durch die Europäische Arzneimittelbehörde Ema (European Medicines Agency) am 4. März 2011 heißt es: "Der Ausschuss gelangte zu dem Schluss, dass der Nutzen von Xeplion gegenüber den Risiken überwiegt, und empfahl, die Genehmigung für das Inverkehrbringen zu erteilen." In der Packungsbeilage von Invega steht, dass die Arznei die elektrischen Abläufe im Herzen verändern und den Blutdruck senken oder erhöhen könne. Außerdem mache es mitunter müde und könne unwillkürliche Bewegungen auslösen.

Janssen Pharmaceuticals wies Ärzte in Japan an, das Medikament mit großer Sorgfalt anzuwenden und auf mögliche Nebenwirkungen vor allem in Kombination mit anderen antipsychotischen Mitteln zu achten. Die Substanz bleibt demnach nach der Injektion mindestens vier Monate im Körper. Einige der Patienten starben erst rund 40 Tage nach Verabreichung. In Japan wird es seit November als Injektion verabreicht. Seitdem wurden dort fast 11.000 Menschen damit behandelt.

hei/AFP

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 20 Beiträge
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urbaine 09.04.2014
1. Viele Mütter von Schizophrenen hatten während der
Grippe. Auch Spätfolgen von Toxoplasmose? Manche Viren verstecken sich nach einer Krankheit in anderen Körperteilen. Nahrungsmittelallergien und Drogenkonsum werden mit der Krankheit in Verbindung gebracht.
raber 09.04.2014
2. 17 Tote und nur Vorsicht geboten
17 Todesfälle in weniger als 6 Monaten in Japan und trotzdem mahnt Janssen "nur" zur Vorsicht. Vorsicht ist bei allen Medikamenten geboten. Falls ich mich nicht irre gehört Janssen zu Johnson & Johnson, dem grössten Pharma-Konzern der Welt. Da kann man sich schon vorstellen was für eine Lobby dahintersteht.
aueronline.eu 09.04.2014
3. depots werden in den Gesäß Muskel gespritzt
Ist es denkbar, dass schlampig gespritzt wurde? Wenn nicht, mal für den Laien, nach dem ziemlich tiefen Pieks in den Hintern versucht wird, Blut anzusaugen, sprich, wenn nicht ausgeschlossen wird, dass man in einem Gefäß gelandet ist, und dennoch wird diese zähe ölige Substanz gespritzt, kann es zu Embolien etc. Kommen.
spontiki 09.04.2014
4. Keine Psychopharmaka mehr!
Diese gottverdammten Gifte gehören endlich vom Markt genommen und durch Gespräche mit den Kranken ersetzt. Es ist ein Skandal allerersten Ranges, dass mit Psychopharmaka immer noch Milliarden umgesetzt werden.
bru.zag 09.04.2014
5.
Zitat von aueronline.euIst es denkbar, dass schlampig gespritzt wurde? Wenn nicht, mal für den Laien, nach dem ziemlich tiefen Pieks in den Hintern versucht wird, Blut anzusaugen, sprich, wenn nicht ausgeschlossen wird, dass man in einem Gefäß gelandet ist, und dennoch wird diese zähe ölige Substanz gespritzt, kann es zu Embolien etc. Kommen.
Grundsätzlich richtige Anmerkung. Die Injektion muss auf jeden Fall sorgfältig durchgeführt werden. Die hier diskutierte Substanz ist allerdings nicht zäh und ölig. Trotzdem wäre eine Injektion direkt in den Blutkreislauf problematisch, da so sehr hohe Plasmaspiegel zu erwarten wären.
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