Patient aus Südkorea: Ebola-Verdacht in Berlin
Beim Blutabnehmen zuckte der Infizierte, darauf stach sich der Helfer: Ein Mitarbeiter einer Hilfsorganisation wird in Berlin mit Verdacht auf Ebola behandelt. Der Patient aus Südkorea hatte in Sierra Leone hochinfektiöse Menschen behandelt.
Berlin - Ein Patient aus Südkorea wird wegen Ebola-Verdachts in der Berliner Charité behandelt. Das Mitglied eines südkoreanischen Behandlungsteams habe sich im Kontakt mit einem Ebola-Patienten in Sierra Leone an einer Nadel verletzt, teilte die Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales mit. Über das Geschlecht und Alter des Patienten machten die Zuständigen keine Angaben.
Sorge bereitet den Experten allerdings der Ebola-Patient, bei dem sich der Südkoreaner angesteckt haben könnte. "Er ist einen Tag später gestorben und hatte eine sehr hohe Viruslast." Die Konzentration der Viren in seinem Blut war also besonders hoch. Der Mitarbeiter einer Hilfsorganisation habe sich bei einer Blutabnahme durch drei Handschuhe leicht in den Finger gestochen, nachdem der Ebola-Patient gezuckt habe, erläuterten die Experten.
Erste Verdachtsfall in Berlin
Ebola-Infizierte sind erst ansteckend, wenn die Krankheit ausbricht. Zwischen der Infektion und den ersten Symptomen können um die drei Wochen vergehen. Das Virus wird übertragen, wenn Körperflüssigkeiten eines Erkrankten - etwa Blut oder Erbrochenes - auf Schleimhäute gelangen, auch eine Infektion über kontaminierte Oberflächen ist möglich.
"Als die Anfrage bei uns einging, haben wir direkt zugestimmt", sagte der Ärztliche Direktor der Charité, Ulrich Frei. "Das Team ist bestens vorbereitet." Es ist der erste Ebola-Verdachtsfall aus einem der betroffenen westafrikanischen Länder, der in Berlin behandelt wird. Eine Gefahr für die Bevölkerung bestehe nicht. Der Patient wurde mit einem US-amerikanischen Spezialflugzeug zum Flughafen Tegel und von dort weiter in die Klinik gebracht.
Ein spezieller Airbus der Bundeswehr sei zwar ebenfalls einsatzbereit, diese Maschine sei aber speziell für Ebola-Patienten, die intensivmedizinisch betreut würden. Und das sei in diesem Fall nicht nötig gewesen. "Der Gesundheitszustand ist derzeit sehr gut", sagte Bergmann.
Krankenschwester in Lebensgefahr
Unterdessen hat sich der Zustand der britischen Krankenschwester verschlechtert. Fünf Tage nach Ausbruch der Krankheit schwebt die Frau in Lebensgefahr. Ihr Gesundheitszustand habe sich schrittweise verschlechtert und sei nun kritisch, teilte das Krankenhaus in London am Samstag mit. Die Frau hatte sich bei einem Ebola-Hilfseinsatz in Sierra Leone angesteckt. Nachdem sie vor rund einer Woche nach Schottland zurückgekehrt war, war die Krankheit ausgebrochen.
Die Patientin wird in einem Londoner Krankenhaus mit einem experimentellen Medikament und Blutplasma eines Ebola-Überlebenden behandelt. Das bereits mehrfach bei Ebola-Patienten angewandte ZMapp ist nach Angaben ihres Arztes zurzeit nicht verfügbar.
joe/Reuters/dpa
© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
- Ebola in Großbritannien: Krankenschwester erhält Blutplasma eines Überlebenden (02.01.2015)
- Ebola-Überlebende: Das Geschenk der Immunität (20.10.2014)
- Ebola-Epidemie in Westafrika: Die illusorische Rettung für alle (13.08.2014)
- Ebola-Fall in Großbritannien: Patientin in Londoner Klinik verlegt (30.12.2014)
- Lebensgefährliches Virus: Patientin in Schottland hat Ebola (29.12.2014)
- Viruserkrankung: Die wichtigsten Fakten zu Ebola (12.11.2014)
- Ein Jahr Ebola-Epidemie in Westafrika: Der Tod aus dem Dschungel (24.12.2014)
- Epidemie: Britischer Ebola-Infizierter erreicht Londoner Klinik (25.08.2014)
- Ebola-Beauftragter Lindner: "Viel zu früh für Entwarnung" (22.12.2014)
Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel:
Follow @SPIEGEL_Gesund
