Essener Uniklinik: Coronavirus-Patient ohne besondere Schutzmaßnahmen behandelt

Von , Köln

Der neue Coronavirus unter dem Mikroskop: Derzeit sechs Fälle bekannt Zur Großansicht
DPA / Health Protection Agency

Der neue Coronavirus unter dem Mikroskop: Derzeit sechs Fälle bekannt

Anspannung bei den Gesundheitsbehörden: Ein Mann aus Katar hatte sich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert, das Sars-ähnliche Symptome auslöst. Ärzte der Uniklinik Essen haben den Patienten vier Wochen lang behandelt - ohne zu ahnen, an was für einem gefährlichen Erreger er litt.

Als der Mann aus Katar am 24. Oktober in die Ruhrlandklinik, das Lungenzentrum des Universitätsklinikums Essen eingeliefert wurde, war er bereits seit 19 Tagen krank, und die Ärzte in seinem Heimatland wussten nicht mehr weiter: Sein Lungengewebe war durch eine Infektion schwer geschädigt, das lebenswichtige Organ versagte. Nur eine Behandlung in einer Spezialklinik wie der in Essen konnte ihm noch das Leben retten. Mit dem Flugzeug wurde er nach Deutschland gebracht.

Was die Ärzte aus Katar ihren deutschen Kollegen jedoch nicht sagten, war, dass sie den Verdacht hatten, der Patient könne sich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert haben.

Dieses Virus war erstmals im September bei einem anderen Patienten aus Katar festgestellt worden, der in London wegen akutem Lungen- und Nierenversagen behandelt wurde. Wie sich später herausstellte, war zuvor in den Niederlanden bereits ein saudi-arabischer Staatsbürger an diesem Erreger verstorben.

Zwischen den beiden Fällen gab es keinen Zusammenhang. Dennoch waren die Behörden sofort alarmiert. Denn 2003 hatte sich ein anderes Coronavirus in Windeseile um die Welt verbreitet: der Erreger der Lungenseuche Sars. Bevor er aus bislang ungeklärten Gründen vorerst wieder verschwand, hatte er mehr als 700 Todesopfer gefordert.

Die Ärzte in Katar hatten deshalb bereits eine Woche, bevor sie ihren Patienten nach Deutschland verlegten, eine Probe Körpersekret zur Analyse nach London geschickt, an die Health Protection Agency, die derzeit regelmäßig Proben aus Katar und Saudi-Arabien auf das neue Coronavirus testet. Tatsächlich war das Ergebnis positiv. Doch davon erfuhren die Ärzte der Ruhrlandklinik erst an diesem Donnerstag - über das Robert Koch-Institut (RKI). Da war der Patient aus Katar bereits wieder weitgehend genesen und einen Tag zuvor in eine Rehaklinik verlegt worden.

Die Gefahr, dass sich Mitarbeiter des Essener Krankenhauses oder Mitpatienten bei dem Mann mit dem neuartigen Erreger angesteckt haben könnten, schätzen das Klinikum und das RKI zwar als gering ein. Selbst wenn das Virus tatsächlich von Mensch zu Mensch übertragen werden könne, was derzeit noch unklar ist, sei der Mann, als er am 19. Krankheitstag nach Essen gekommen sei, wahrscheinlich kaum noch ansteckend gewesen, heißt es in einer Erklärung. Zudem habe er in einem Einzelzimmer gelegen. Bislang habe kein Klinikmitarbeiter Symptome einer Infektion gezeigt.

Dennoch beobachten die Behörden weltweit die Entwicklung mit wachsender Sorge. Am Freitag teilte die Weltgesundheitsorganisation mit, inzwischen seien bereits sechs Infektionen mit dem neuen Coronavirus durch Laborergebnisse bestätigt worden, zwei aus Katar und vier aus Saudi Arabien. Obwohl es immer noch keinen Hinweis auf eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung gibt, wurde dabei erstmals ein Zusammenhang zwischen zwei Fällen hergestellt: In Saudi Arabien konnte das Virus bei zwei Mitgliedern einer Familie nachgewiesen werden, eines davon starb. Zwei weitere Mitglieder der Familie waren an ähnlichen Symptomen erkrankt, eines davon starb ebenfalls. Ob auch es mit dem Virus infiziert war, ist noch unklar.

Die WHO rief ihre Mitgliedsstaaten auf, die neu auftretenden Fälle von akutem Lungenversagen gut zu beobachten. Denn man müsse davon ausgehen, "dass das Virus wahrscheinlich weiter verbreitet ist als nur in den zwei Ländern, in denen es bislang nachgewiesen wurde".

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1. Ablenkung
schiff951 23.11.2012
Brütet unsere Regierung wieder mal eine Schweinerei gegen die Bevölkerung aus, weil sie mit solchen Meldungen davon ablenken will und keiner merken soll, das wieder ein neues Gesetz, gegen die Bürger "verabschiedet" wird.
2. Natürlich nicht nur in 2 Ländern
widower+2 23.11.2012
Zitat: "Denn man müsse davon ausgehen, "dass das Virus wahrscheinlich weiter verbreitet ist als nur in den zwei Ländern, in denen es bislang nachgewiesen wurde". Jetzt ist es natürlich weiter verbreitet, nachdem arme Kranke aus Saudi-Arabien und Quatar in alle Welt geflogen wurden, um sie zu behandeln. Warum nimmt man Kranke mit Infektionskrankheiten aus derartig reichen Ländern hier auf? Bei Kranken aus Somalia oder Liberia könnte ich das ja verstehen. Aber Saudi-Arabien und Quatar? Sind die mit ihren Ölmilliarden icht in der Lage, ein funktionierendes Gesundheitssystem aufzubauen? Müssen die meine Kinder gefährden, indem sie alle möglichen Viren einschleppen? Das ist eben der Markt, der alles regelt. Schönen Dank FDP.
3. Und das ist Spitzenmedizin !
Surgeon_ 24.11.2012
Ich lach mich weg ! Da kann man nur sagen: Glück gehabt !
4. Was war es nun?
Niamey 24.11.2012
War es blinde Geldgeilheit weil die Jungs aus der Region immer ein heiden Geld mitbringen, oder einfachnnur Blödheit? In Länder des Commonwealth kann man nicht mal einen Kanarienvogel importieren ohne das der eine 3 monatige Quarantäne durchlaufennhat. Hier kommt ein Schwerstkranker an ohne das man Labortests selber macht. An was glauben wir eigentlich. Das gibt eine Anzeige wegen Gefärdung der Öffentlichkeit. Schön, dass man ihn retten konnte. Aber die Frage die sich stellt, ist nicht ob sich in der Uniklinik jemand angesteckt hat, sondern in dem geachlossenen System eines Fliegers. Solche Viren werden durch die Filteranlage nicht ausgefiltert. Und Passagiere oder fliegendes Personal können solche Sachen in kürzester Zeit in alle Herren Länder tragen! Danke ihr Götter in Weiß!
5. Frechheit
schwutke 24.11.2012
Das ist eine bodenlose Frechheit aus Katar. Die wussten schon vor Wochen, wie infektioes der Mann ist. Wir sollten keine Kranken mehr importieren, lieber einen Facharzt exportieren, fuer 1/4 Million Euro findet sich bestimmt einer, der kassiert dann gut Kohle und wenn er stirbt, hat er eine gute Lebensversicherung. Das ist auch viel sicherer fuer die Deutsche Bevoelkerung. Ich mag ja auch sehr bezweifeln, dass Essen dem Mann das Leben gerettet hat, die haben doch alles in Katatr und koennten sich sogar ueber Videokonferenz beraten lassen. Alles ueberhyped und den Essenern war's wohl mehr um die Pressepraesenz gelegen... ueberfluessig ohne Ende..
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