Analyse von Patientenbeschwerden Krankenkassen drängen Kranke mitunter zum Arbeiten

Krankenkassen und Ärzte verweigern Patienten zum Teil Geld und Therapien - zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung von 80.000 Patientenbeschwerden in Deutschland. Viele Betroffene wurden falsch und unvollständig beraten.

Warten auf eine Behandlung: Der UPD-Jahresbericht stellt Probleme zulasten der Patienten fest
DPA

Warten auf eine Behandlung: Der UPD-Jahresbericht stellt Probleme zulasten der Patienten fest


Die Vorwürfe wiegen hart: Ärzte und Krankenkassen sollen Zehntausenden Patienten im vergangenen Jahr Krankengeld, Therapien oder Informationen vorenthalten haben - ungerechtfertigt. Zu diesem Ergebnis kommt die Auswertung von 80.000 Beratungsgesprächen, die die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) geführt hat. In gut 15.600 der Gespräche stellten die Berater Probleme fest, die zulasten der Patienten gingen. Das geht aus dem am Dienstag in Berlin veröffentlichten UPD-Jahresbericht hervor.

Laut den Daten wurden Versicherte mehr als 5400-mal falsch oder unvollständig beraten oder informiert. 4100-mal kamen sie nicht, nicht mehr oder nicht leicht an Versorgung und Geld. 1380 der Patienten verweigerten Krankenkassen laut den im gesetzlichen Auftrag agierenden UPD-Beratern unberechtigt Leistungen. Qualitätsprobleme beim Arzt, in der Klinik oder in anderen Gesundheitsbereichen dokumentierten die Berater in mehr als 3400 Fällen.

Wie schon im letzten Jahr mussten sich die Berater häufig damit auseinandersetzen, dass Kassen ihren Versicherten trotz Krankschreibung Krankengeld verweigerten oder sie wieder zum Arbeiten drängten. In knapp 1400 Fällen kamen die Berater zum Schluss, dass den Versicherten Unrecht geschehe. UPD-Beraterin Judith Storf sagte, typisch sei, dass Sachbearbeiter der Kassen bei Patienten anriefen. "Reißen Sie sich doch mal zusammen, dann wird das schon wieder", bekämen krankgeschriebene Patienten etwa zu hören. Oft seien psychisch Kranke betroffen.

Nur mit Geld ins Wartezimmer

Solches Verhalten von Kassenmitarbeitern sei inakzeptabel, kritisierte der Patientenbeauftragte Karl-Josef Laumann (CDU). Der Spitzenverband der Krankenkassen müsse dafür sorgen, dass sich die Krankenkassen an Gesetze halten. Insgesamt wolle er die deutlich gewordenen Probleme mit den Verantwortlichen besprechen, Zeitpläne zum Eindämmen der Schwierigkeiten einfordern und in einem halben Jahr die Öffentlichkeit über Fortschritte informieren.

Sehr schockiert habe ihn, dass es Arztpraxen geben soll, die Patienten nur in ihr Wartezimmer ließen, wenn diese vorher in eine Selbstzahlerleistung eingewilligt haben, sagte Laumann. Bei solchen Leistungen, die mangels klarem Nutzen-Beweis nicht von der Kasse bezahlt werden, komme es häufig vor, dass Ärzte Patienten ohne ausreichende Aufklärung zur Zustimmung drängen, sagte UPD-Geschäftsführer Sebastian Schmidt-Kaehler. Besonders häufig beschwerten sich Patienten über Augenärzte und Orthopäden.

Insgesamt äußerten Patienten in 13.200 Fällen eine Beschwerde. Selbstständige mit geringem Einkommen täten sich oft schwer, Kassenbeiträge zu zahlen. In gut 3200 Beratungen ging es um Reha - in jedem sechsten Fall sahen die Berater hier Probleme.

"Patientenrechtegesetz hat seinen Namen kaum verdient"

Die Angebote von Versicherungen, Ärzten, Kliniken und anderen Einrichtungen würden immer komplizierter, so Schmidt-Kaehler. "Patienten fühlen sich oft alleingelassen, betrogen und viele haben Angst." Die Zahl der Ansprüche gegen Kassen stieg auf fast 28.000.

Der Kassen-Spitzenverband betonte, in den allermeisten Fällen verhielten sich die Kassen beim Krankengeld korrekt. Pro Jahr gebe es 1,77 Millionen Krankengeldfälle - Kostenpunkt: 9,8 Milliarden Euro 2013. Schwächen sollten behoben werden. Grünen-Gesundheitsexpertin Maria Klein-Schmeink sagte: "Es ist nicht hinnehmbar, wenn Krankenkassen zur Vermeidung von Zusatzbeiträgen versuchen, zulasten ihrer Versicherten zu sparen." Die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Ulrike Mascher, forderte, dass Patienten in Zweifelsfällen künftig neutral begutachtet werden müssten. Linken-Expertin Kathrin Vogler sagte: "Das Patientenrechtegesetz reicht hinten und vorne nicht und hat seinen Namen kaum verdient."

irb/dpa



insgesamt 8 Beiträge
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chirin 01.07.2014
1. alyse von Pateintenbeschwerde:Krankenkassen drängen Kranke mitunter zum Arbeiten
Zitat von sysopDPAKrankenkassen und Ärzte verweigern Patienten zum Teil Geld und Therapien - zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung von 80.000 Patientenbeschwerden in Deutschland. Viele Betroffene wurden falsch und unvollständig beraten. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/patientenbeschwerden-kassen-draengen-kranke-mitunter-zum-arbeiten-a-978619.html
Nun,dieses Volk ist schon sehr faul geworden. Und - schon in den 70ziger Jahren unter dem Gutmenschen Brandt und mit gepumpten Geld ,durch die wir heute keine Rücklagen in Rente und KK-Kassen haben, fing dieses Jammerlappen-Gestöhne an. Meine Kollegen und ich hatten Streßjobs und standen immer pünktlich auf der Matte und 20jhr. - noch in der Ausbildung befindliche junge Menschen fuhren "zur Erhaltung der Arbeitskaft" 6 Wochen zur Kur und noch mindestens 14 Tage Nachkur. Die Leute wurden von den Politikern zur Faulheit erzogen. Ein ganzer Teil der Finanzanwärter meinte seinerzeit , er könne so gegen Mittag erscheinen und wir haben die Leute dann wegen mangelnden Arbeitseifers dem Vorsteher übersandt - zur Entlassung,da dieser Teil nur nachts fit in den Discos war. Man sollte arbeitslose gesunde Menschen schon ein bißchen fordern und die GElder die diese erhalten sind von unser aller Steuern.Insofern dürfen die als gesunde Menschen nach dem Motto :"helfen und wieder helfen" z.B. in Altenheimen den einsamen Menschen etwas vorlesen oder im Winter als Sozialhilfe gestärkter Mann mal der Schneebeseitungung helfen etc. Jedoch , um nicht ungerecht zu sein, von den heutigen Politikern wird den jungen Leuten doch die Faulheit und die Ausbeutung vorgemacht. Sowohl im Berliner Parlament, als auch im Bundestag und der EU sieht man doch kaum einen Politiker. Und die unanständigen Beträge als Diäten verhindert vielleicht Herr Gauck, dann hat er wieder etwas gut gemacht.
noalk 01.07.2014
2. unverschämt
Eine Bekannte von mir, vor 2 Wochen mit einem neuen Knie beglückt, noch mit Krücken laufend, wurde von der KraKa angerufen und zur Wiederaufnahme der Arbeit aufgefordert. Sie ist Friseurin und noch mitten in der 6-wöchigen Reha.
mcvitus 01.07.2014
3. Ich habe mit der TK nur beste Erfahrungen gemacht!
Ich wurde immer freundlich und mit jedem Anliegen extrem fair behandelt. Das Gejammere wird schon seine Gründe haben, im Zweifelsfall wegen eines übereifrigen Sachbearbeiters. Krankenkassen sind Solidargemeinschaften und keine Institute für die Finanzierung seltsamer Lebensentwürfe! Und genau das leisten sie auch, von wenigen Ausnahmen mal abgesehen.
Demokrator2007 01.07.2014
4. Krieg den Kranken und Armen
Zitat von chirinNun,dieses Volk ist schon sehr faul geworden. Und - schon in den 70ziger Jahren unter dem Gutmenschen Brandt und mit gepumpten Geld ,durch die wir heute keine Rücklagen in Rente und KK-Kassen haben, fing dieses Jammerlappen-Gestöhne an. Meine Kollegen und ich hatten Streßjobs und standen immer pünktlich auf der Matte und 20jhr. - noch in der Ausbildung befindliche junge Menschen fuhren "zur Erhaltung der Arbeitskaft" 6 Wochen zur Kur und noch mindestens 14 Tage Nachkur. Die Leute wurden von den Politikern zur Faulheit erzogen. Ein ganzer Teil der Finanzanwärter meinte seinerzeit , er könne so gegen Mittag erscheinen und wir haben die Leute dann wegen mangelnden Arbeitseifers dem Vorsteher übersandt - zur Entlassung,da dieser Teil nur nachts fit in den Discos war. Man sollte arbeitslose gesunde Menschen schon ein bißchen fordern und die GElder die diese erhalten sind von unser aller Steuern.Insofern dürfen die als gesunde Menschen nach dem Motto :"helfen und wieder helfen" z.B. in Altenheimen den einsamen Menschen etwas vorlesen oder im Winter als Sozialhilfe gestärkter Mann mal der Schneebeseitungung helfen etc. Jedoch , um nicht ungerecht zu sein, von den heutigen Politikern wird den jungen Leuten doch die Faulheit und die Ausbeutung vorgemacht. Sowohl im Berliner Parlament, als auch im Bundestag und der EU sieht man doch kaum einen Politiker. Und die unanständigen Beträge als Diäten verhindert vielleicht Herr Gauck, dann hat er wieder etwas gut gemacht.
Gerade heute wo ich erfuhr das mein zuzahlungsbefreites Medikament Karvezide seit dem 1.7.2014 50 Euro kostet was einer Preiserhöhung von 500% entspricht kommt mir ein Kommentar wie ihrer gerade recht. Wenn wir uns in dieser sehr aufgehetzten Atmosphäre mit dieser ihrer Meinung persönlich treffen sollten wären wahrscheinlich sie derjenige den ich mit dem Rollstuhl durch die Gegend fahren müßte und nicht irgendwelche Senioren. Lieber aber wäre mir die Begegnung mit einem dieser widerwärtigen Kassenfunktionäre. Wie ist noch gleich die aktuelle Situation? Die Kassen haben ca. 38.000.000.000 Euro auf der hohen Kante und könnten damit das Defizit von 250 Mio. in diesem Jahr mind. weitere 12 Jahre abdecken. Die Gesundheitspolitiker haben sie jedoch zu Kopfgeldjägerorganisationen gemacht und so sterben immer mehr Menschen durch Einsparmaßnahmen im Gesundheitswesen. Ich würde gerne einen der hierfür verantwortlichen Politiker im Greisenalter im Winter durch die Gegend schieben. Leider verkriecht sich dieses Gesocks jedoch in seinen Wirtschaftspalästen und traut sich nicht unter das Volk. Die ahnen wohl was ihnen blühen könnte. Ciao DerDemokrator P.S. Natürlich verweigern Krankenkassen aus lebensnotwendige Therapien und lassen Patienten dann lieber verrecken wenn´s die zu teuer werden, ganz wie "im alten Rom". Deshalb muß man sich mit allen Mitteln dagegen wehren solange man dazu noch die Kraft hat.
cartje 01.07.2014
5. Da sagen wir jetzt.....
mal alle DANKE! An ULLA SCHMIDT, SPD, die vor vielen Jahren damit begann, durch "Reformen" im Gesundheitswesen die vorhandenen guten Strukturen aus der Aera Kohl auf einen bis dahin nicht gekannten Level zu senken. Danach soviel ich erinnere, kamen noch zwei Nieten von der FDP und gaben dem Ganzen den Rest. Nicht ein einziger, profilierter Gesundheitsminister weit und breit! Alles nur"Zerschlager". Und immer nur: sparen-sparen-sparen! Aber selbst fein privat versichert sein und vor allem, auch für jedes und alles in der Lage, selber zu zahlen! Begegnet mir nicht in einer dunklen Gasse in Wien! Ich würde Euch ja so was von verkloppen!!!
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