Pharmaunternehmen Pfizer stellt Forschung an Alzheimer-Medikamenten ein

Bislang fehlen wirksame Medikamente gegen Alzheimer und Parkinson. Nun will der Pharmakonzern Pfizer die Entwicklung neuer Arzneien in dem Bereich einstellen.

Pfizer-Firmenzentrale (Archiv)
REUTERS

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Der Pharmakonzern Pfizer will sich bei der Forschung neu aufstellen. Wie das US-Unternehmen am Wochenende mitteilte, stellt es sein Programm zur Entwicklung neuer Mittel gegen Alzheimer und Parkinson ein. Das eingesparte Geld will es künftig dort ausgeben, wo die Aussichten und die Erfahrung am größten sind.

Im Zusammenhang mit der Entscheidung sollen demnach 300 Stellen in den Bundesstaaten Massachusetts und Connecticut wegfallen.

Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Form der Demenz und betrifft meist über 65-Jährige. In Deutschland leiden 700.000 Menschen an Alzheimer. Mit der älter werdenden Bevölkerung rechnen Experten bis 2050 mit einem deutlichen Anstieg. Medikamente zur Heilung der neurodegenerativen Erkrankung gibt es nicht.

An Parkinson leiden in Deutschland etwa 350.000 Menschen. Auch diese Krankheit ist bislang nicht heilbar.

Hohe Investitionen, kein Medikament

Pfizer hat bereits viel Geld in die Alzheimer- und Parkinson-Forschung gesteckt. Der Konzern engagiert sich etwa neben GlaxoSmithKline und Eli Lilly in einem Fonds, mit dessen Hilfe bessere Behandlungsmöglichkeiten gegen Alzheimer gefunden werden sollen. Zusätzlich hat die Firma nun angekündigt, einen weiteren Fonds einrichten zu wollen, um in Forschung außerhalb des Unternehmens zu investieren.

Fachleute gehen davon aus, dass ein wirksames Medikament gegen den Erinnerungsverlust das Potenzial hat, ein Multimilliarden-Dollar-Geschäft zu werden. Bislang blieben die Bemühungen, ein solches zu entwickeln, jedoch ohne Erfolg. Vielversprechende Substanzen zeigten bei Tests mehrfach keine überzeugende Wirkung.

Konkurrenz forscht weiter

Auch Pfizer stellte 2012 die weitere Entwicklung des Wirkstoffs "Bapineuzumab" ein. Darin hatte es zunächst gemeinsam mit dem Konzern Johnson & Johnson investiert. In klinischen Studien, die am Ende der Erforschung stehen, konnte der Wirkstoff die kognitiven Fähigkeiten von leicht und mäßig betroffenen Patienten jedoch nicht verbessern.

Zuletzt fiel der vom Konkurrenten Axovant Sciences getestete Wirkstoff "Intepirdine" im September 2017 in der entscheidenden klinischen Studie durch.

Trotz der Rückschläge arbeiten laut "Wall Street Journal" einige große Pharmakonzerne weiter an Produkten gegen die Krankheiten, darunter AstraZeneca, Biogen und Eli Lilly & Co. Um die frühe Entwicklung von Wirkstoffen kümmern sich dagegen häufig vor allem Start-up-Unternehmen, die oft von ehemaligen Mitarbeitern der großen Pharmakonzerne gegründet wurden.

jme/Reuters

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