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TK-Umfrage: Wie Deutsche mit der Pflege ihrer Angehörigen umgehen

Pflege heißt meist auch: Den Kranken unterstützen bei ganz alltäglichen Dingen Zur Großansicht
DPA

Pflege heißt meist auch: Den Kranken unterstützen bei ganz alltäglichen Dingen

Die Pflege des Partners, der Eltern ist kräftezehrend und gefährdet auch die eigene Gesundheit. Vielleicht überraschend zeigt eine Umfrage: Viele Menschen schöpfen auch Kraft aus dem Wissen, ihren Angehörigen zu helfen.

Ein Schlaganfall oder die Diagnose Alzheimer - viele Erkrankungen verändern nicht nur das Leben der Betroffenen grundlegend, sondern auch den Alltag der Angehörigen. Aktuell leben in Deutschland rund 2,5 Millionen Pflegebedürftige. 70 Prozent werden von ihren Angehörigen zu Hause betreut.

Eine aktuelle Umfrage im Auftrag des Wissenschaftlichen Instituts der Techniker Krankenkasse zeigt, wie sehr die Pflege beansprucht. Die Forsa befragte deutschlandweit 1007 Menschen. Die Hälfte der Befragten pflegte ein Elternteil, bei 18 Prozent handelte es sich um den Partner und bei 11 Prozent um ein Elternteil des Partners.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • In Deutschland kümmern sich am häufigsten die Töchter und Schwiegertöchter um die Pflege. Jeder zweite Pflegende ist zwischen 50 und 65 Jahre alt, knapp 19 Prozent sind älter als 65 Jahre.
  • Mehr als jeder Dritte (37 Prozent) hat keine Zeit, in seine neuen pflegerischen Aufgaben hineinzuwachsen - der Angehörige ist plötzlich auf Hilfe angewiesen. Fast jeder Siebte kümmert sich täglich um den Pflegebedürftigen.
  • Je älter die Befragten sind, desto häufiger nennen sie die soziale Bindung als ausschlaggebenden Grund für die Übernahme der Pflege. Bei den 66-Jährigen und Älteren geben 61 Prozent an, sich vor allem aus Pflichtgefühl und aufgrund des Familienzusammenhalts um ihren Angehörigen zu kümmern. Bei den 18- bis 49-Jährigen ist dies nur für 38 Prozent der wichtigste Faktor. Die Jüngeren entscheiden sich ebenfalls häufig (25 Prozent) aus pragmatischen Gründen für die Pflege, etwa weil kein anderer Zeit hat oder sie sich in der Nähe befinden.
  • Viele Angehörige empfinden die Pflege als kräftezehrend. Besonders gefordert werden die Angehörigen von Demenzkranken, die in der Umfrage knapp ein Drittel der Pflegebedürftigen ausmachen. Bei ihnen geben 71 Prozent an, dass die Pflege sie viel ihrer eigenen Kraft kostet, bei den anderen Pflegenden sind es immerhin 58 Prozent. Auch die eigene Gesundheit leidet bei etwa jedem Dritten unter der enormen Belastung (Demenzkranke 37 Prozent, andere 27 Prozent). Mittlerweile gibt es viele Hilfsangebote, die pflegende Angehörige unterstützen.
  • Die zusätzliche Belastung wirkt sich auch auf das Berufsleben der Betroffenen aus. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten arbeitet, 21 Prozent sind sogar Vollzeit berufstätig. Die Daten sprechen dafür, dass dies nur selten möglich ist: 30 Prozent der Berufstätigen müssen aufgrund der Pflege ihres Angehörigen die Arbeitszeit reduzieren.
  • Dennoch können die Betroffenen auch Kraft aus ihrer Situation schöpfen: Durchschnittlich 81 Prozent der Befragten geben an, dass ihnen das Wissen, dass sie etwas dazu beitragen können, dass ihr Angehöriger weiter zu Hause wohnen kann, viel Kraft gibt.

Ein gutes Konzept für die Pflege Hilfsbedürftiger zu entwickeln, zählt zu den großen Herausforderungen der Zukunft. Mit der alternden Gesellschaft nimmt die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland stetig zu. Während derzeit etwa rund 1,4 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung in Deutschland leben, rechnet die Deutsche Alzheimer-Gesellschaft damit, dass die Zahl bis 2050 auf drei Millionen steigen wird. Rund ein Drittel der Betroffenen wird dann mehr als 90 Jahre alt sein, so die Prognosen.

irb

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insgesamt 13 Beiträge
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1. Qualität kostet nichts
cola79 11.09.2014
Interessant, dass Pflegekonzerne pro Heimplatz zwischen 3500 und 5000€ pro Monat einkassieren, wohlgemerkt für Prekärpflege, echte Pflege kostet natürlich noch mehr. Dabei kann man offenkundig für einen Bruchteil dessen eine menschenwürdigere Pflege in den eigenen vier Wänden hinbekommen. Es muss sich was ändern!
2.
lindenbast 11.09.2014
Der Ehrlichkeit halber muss man aber auch sagen, dass es nicht nur die sozialen Bindungen sind, die Menschen zur heimischen Pflege bewegen, sondern auch die Tatsache, dass ein Pflegeheim den finanziellen Ruin bedeuten würde. Wohlgemerkt, ich bringe diesen Gesichtspunkt nicht, um den Pflegenden irgendwie unlautere Motive zu unterstellen, ganz gewiss nicht. Ich habe große Hochachtung vor denjenigen, die es tun, und bin überzeugt, dass die allermeisten ihr Bestes geben und Erstaunliches leisten. Ich will damit nur sagen, dass manch einer nicht so lange pflegen (und an die Grenzen der psychischen und physischen Belastbarkeit - oder auch darüber hinaus) gehen würde, wenn man nicht - beispielsweise, wenn der Mann erkrankt und die Frau Hausfrau war und über keine eigene Rente verfügt - vor der Wahl stünde, selbst zu pflegen oder sein Heim verkaufen und fortan dauerhaft auf Grundsicherungsniveau leben zu müssen. Ich bin übrigens auch nicht sicher, ob Pflege zu Hause immer und in jedem Fall die beste Lösung für den zu Pflegenden ist. Man glaubt z. B. gar nicht, wie viele Gefahren in einem ganz normalen Haushalt lauern, wenn jemand nur hinreichend dement ist.
3.
lindenbast 11.09.2014
Zitat von cola79Interessant, dass Pflegekonzerne pro Heimplatz zwischen 3500 und 5000€ pro Monat einkassieren, wohlgemerkt für Prekärpflege, echte Pflege kostet natürlich noch mehr. Dabei kann man offenkundig für einen Bruchteil dessen eine menschenwürdigere Pflege in den eigenen vier Wänden hinbekommen. Es muss sich was ändern!
Ja, mittels Raubbau an der Gesundheit der Pflegenden. Für einen Dementen muss rund um die Uhr jemand da sein, das sind 168 Stunden pro Woche. Natürlich nicht ein Pfleger für jeden Demenzkranken, und natürlich muss ein Pfleger nachts nicht dauernd arbeiten, es genügt Bereitschaftsdienst. Aber trotzdem - wenn man sich einmal überlegt, was da allein an Personalkosten anfällt (und Pfleger verdienen ja nun wahrlich keine Reichtümer), wird schnell klar, dass es mit 1500 Euro nicht getan sein kann. Zumal bei häuslicher Pflege ja auch vieles gar nicht berechnet wird. "Aufwand für Wäsche? Haben Sie doch gar nicht!" wird da der pflegenden Ehefrau schnell mal gesagt. "Sie waschen ja auch Ihre eigene Wäsche, da können Sie doch die Ihres Mannes einfach mit hineinschmeißen!" Dass natürlich der demenzkranke Ehemann dreimal so viel Schmutzwäsche produziert wie seine Frau, interessiert in dem Zusammenhang nicht.
4. Panikmache
cola79 11.09.2014
Zitat von lindenbastDer Ehrlichkeit halber muss man aber auch sagen, dass es nicht nur die sozialen Bindungen sind, die Menschen zur heimischen Pflege bewegen, sondern auch die Tatsache, dass ein Pflegeheim den finanziellen Ruin bedeuten würde. Wohlgemerkt, ich bringe diesen Gesichtspunkt nicht, um den Pflegenden irgendwie unlautere Motive zu unterstellen, ganz gewiss nicht. Ich habe große Hochachtung vor denjenigen, die es tun, und bin überzeugt, dass die allermeisten ihr Bestes geben und Erstaunliches leisten. Ich will damit nur sagen, dass manch einer nicht so lange pflegen (und an die Grenzen der psychischen und physischen Belastbarkeit - oder auch darüber hinaus) gehen würde, wenn man nicht - beispielsweise, wenn der Mann erkrankt und die Frau Hausfrau war und über keine eigene Rente verfügt - vor der Wahl stünde, selbst zu pflegen oder sein Heim verkaufen und fortan dauerhaft auf Grundsicherungsniveau leben zu müssen. Ich bin übrigens auch nicht sicher, ob Pflege zu Hause immer und in jedem Fall die beste Lösung für den zu Pflegenden ist. Man glaubt z. B. gar nicht, wie viele Gefahren in einem ganz normalen Haushalt lauern, wenn jemand nur hinreichend dement ist.
Auch keine anderen, als man bei Kleinkindern beachten müsste. Das ist eben letztlich die Frage, die man sich stellen muss-ob man im hohen Alter (die meisten pflegenden Personen sind keine 30 mehr) nochmal ein Kind "betreuen" will, eben ein oft chronisch krankes, behindertes Kind! Das bedeutet ja Altenpflege salopp gesagt. Nicht jedermanns Sache, aber das kostet eben auch bei weitem nicht das, was Pflegekonzerne dafür verlangen. Deutschland hat die Tendenz, einfachste Sachzwänge zu verkomplizieren. So traut sich irgendwann keiner mehr irgendwas zu, weil man hat ja die Ausbildung nicht... Altenpflege ist weder Hexenwerk, noch übermenschliche Tat.
5.
vitalik 11.09.2014
Zitat von cola79Auch keine anderen, als man bei Kleinkindern beachten müsste. Das ist eben letztlich die Frage, die man sich stellen muss-ob man im hohen Alter (die meisten pflegenden Personen sind keine 30 mehr) nochmal ein Kind "betreuen" will, eben ein oft chronisch krankes, behindertes Kind! Das bedeutet ja Altenpflege salopp gesagt. Nicht jedermanns Sache, aber das kostet eben auch bei weitem nicht das, was Pflegekonzerne dafür verlangen. Deutschland hat die Tendenz, einfachste Sachzwänge zu verkomplizieren. So traut sich irgendwann keiner mehr irgendwas zu, weil man hat ja die Ausbildung nicht... Altenpflege ist weder Hexenwerk, noch übermenschliche Tat.
Naja, ein Kind ist es eben nicht. Mag sein, dass die Menschen im alter abbauen und weniger wiegen, aber immer noch mehr als ein Kind. Außerdem, wenn zB die Frau den eigenen Mann pflegt, dann ist diese ja auch im gewissen Alter und da wird es noch schwieriger. Die anderen haben es bereits angemerkt: die Pflege ist auch eine Belastung für den Pfleger. Arbeiten ist nicht möglich und Ferien kann man sich auch eher schwer gönnen. Ich kann es nachvollziehen, wenn jemand den einfachen Weg gehen will und sich für ein Pflegeheim entscheidet.
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