Pflege-TÜV: So finden Sie den richtigen Pflegeplatz

Von Dennis Ballwieser

Die Organisation Transparency kritisiert den Pflege-TÜV in Deutschland: Zu undurchsichtig, zu kompliziert sei das Bewertungssystem. Wie aber findet man einen guten Pflegeplatz? Wichtigste Regel: Kümmern Sie sich rechtzeitig.

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Pflegeheim: Am besten langfristig planen

Bis kurz vor dem Krankenhausaufenthalt konnte Margrit K. alles noch alleine: Kochen, sich selbst anziehen und waschen, einen großen Teil ihrer Einkäufe erledigen. Auch ihren über mehrere Stockwerke verteilten Haushalt hielt die 91-jährige alleinstehende Witwe ohne größere Hilfe in Schuss - doch dann warf eine Infektionskrankheit sie aus der Bahn, sie musste ins Krankenhaus.

Nach einigen Tagen war die akute Krankheit weitgehend überstanden, Margrit K. sollte nach Hause entlassen werden. Doch die Seniorin ist noch nicht wieder in der Lage, alleine für sich zu sorgen. Die Sozialarbeiterin des Klinikums, in dem Margrit K. behandelt wird, beginnt wie bei vielen Betroffenen, die plötzlich pflegebedürftig werden, unter Zeitdruck mit der Suche nach einem Pflegeplatz in einem Senioren- oder Pflegeheim.

Die wenigsten Menschen beschäftigen sich, bevor sie selbst pflegebedürftig werden, mit den konkreten Fragen: Wer soll mir helfen, wenn ich nicht mehr alleine für mich sorgen kann? Wie kann ich zu Hause wohnen, wenn ich zum Beispiel keine Treppen mehr steigen kann? Wo würde ich wohnen wollen, wenn ich nicht mehr zu Hause bleiben kann?

Wie will und kann ich leben?

Die Hürde, über diese unbequemen Fragen nachzudenken, ist hoch. Verständlich ist auch, dass sich kaum jemand, der noch fit ist, mit dem Leben als Pflegebedürftiger auseinandersetzen will. Allerdings würde gerade eine langfristige und rechtzeitige Planung helfen, sich im Ernstfall im neuen Zuhause - und sei das auch nur eines auf Zeit - wohlzufühlen.

Braucht man selbst oder ein Angehöriger akut Unterstützung, ist der Kontakt zur Kranken- beziehungsweise Pflegekasse entscheidend. Diesen können die Betroffenen selbst aufnehmen, aber auch ein Angehöriger, Nachbar, Bekannter oder der Sozialdienst des Krankenhauses. Bei der Kasse wird der Antrag auf Anerkennung der Pflegebedürftigkeit gestellt.

Die Pflegekasse muss anschließend Informationen zur Verfügung stellen, darunter auch eine Liste mit den Leistungen zugelassener Pflegeeinrichtungen in der Region. Außerdem gibt es Pflegeberater oder einen Gutschein für eine unabhängige Beratung, in beiden Fällen muss dem Betroffenen innerhalb von zwei Wochen ein Gespräch angeboten werden. Die Berater machen auch Hausbesuche. In einigen Regionen existieren zudem Pflegestützpunkte, an die man sich wenden kann. Ist man privat pflegeversichert, findet die Beratung durch das Unternehmen "Compass Private Pflegeberatung" statt.

Um feststellen zu können, ob der Betroffene tatsächlich pflegebedürftig ist, beauftragt die Pflegekasse den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) oder einen unabhängigen Gutachter. Das Bundesgesundheitsministerium empfiehlt, vorbereitend ein Pflegetagebuch zu führen, in das man die benötigte Zeit für alltägliche Tätigkeiten wie Waschen, Anziehen und Essen notiert. Bei der Begutachtung sollte die Pflegeperson, die sich bereits um den Betroffenen kümmert, anwesend sein.

Die Pflegestufe entscheidet über die Höhe der Zahlungen der Pflegekasse. Häufig reicht dieser Satz nicht aus, um alle notwendigen Maßnahmen zu bezahlen. Wer keine private Zusatzversicherung für die Pflege abgeschlossen hat, muss aus dem eigenen Vermögen zuzahlen.

Ambulant, Betreutes Wohnen, Tagespflege, Pflegeheim?

Gemeinsam sollte man überlegen, ob mittel- bis langfristig die Unterstützung durch Angehörige ausreicht oder ob die professionelle Hilfe eines ambulanten Pflegedienstes notwendig ist. Ist absehbar, dass der Betroffene nicht mehr zu Hause leben kann, können die Pflegeberater über stationäre Pflegeeinrichtungen informieren. Bundesweit bietet die "Weiße Liste" der Bertelsmann Stiftung eine Pflegeheimsuche.

Manche Einrichtungen veröffentlichen die Pflegenoten des Pflege-TÜV, der derzeit reformiert wird. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) informiert über die Zusammensetzung der Noten und wie diese interpretiert werden können. Kritiker werfen dem System allerdings vor, dass es zu wenig an der Qualität der Pflege orientiert sei, weil zum Beispiel pflegerische Defizite durch gute Verwaltungsleistungen ausgeglichen werden können. Die häufig durchgehend sehr guten Noten sind daher vorsichtig zu interpretieren.

Vor der Entscheidung, ob eine Pflege-WG, Betreutes Wohnen oder ein Pflegeheim in Frage kommt, müssen der Betroffene oder Angehörige die Einrichtung selbst besuchen. Plant man langfristig voraus, ist in vielen Häusern auch ein Probewohnen möglich. Im Akutfall erhalten die Pflegebedürftigen wenigstens einen kurzen Eindruck von der Einrichtung und der Atmosphäre.

Margrit K. hatte bei ihrer Suche nach einem vorübergehenden Platz in einem Pflegeheim Glück: Die Sozialarbeiterin des Krankenhauses fand innerhalb weniger Stunden einen Platz in der Nähe ihres Wohnhauses. Der Antrag auf eine Pflegestufe läuft und während der maximal vierwöchigen Kurzzeitpflege kann sie gemeinsam mit ihrer Familie planen, welche Unterstützung sie nach ihrer Rückkehr nach Hause benötigt.

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insgesamt 5 Beiträge
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1. Unsinn ohne Ende
kapamb 14.08.2013
Wir betreiben ein Pflegeheim und müssen feststellen dass das was vom Träger gefordert wird zum größten Teil absoluter Schwachsinn ist. Das Wichtigste bei einer Kontrolle ist derzeit, dass bei der Dokumentation überall Häkchen sind, was eine gute Note ergibt. Ob das was da steht auch gemacht wurde kann kaum kontrolliert werden. Schlimm ist auch dass jeder "Furz" dokumentiert werden muss. Kontrollen müssen sein, aber nicht so. Ein gutes Heim erkennt man eigentlich sofort. Man muss nur durch die Zimmer gehen, sich ein paar Pflegebedürftige ansehen und zusätzlich die Nase nutzen. Das aber was derzeit abläuft ist nur Arbeitsbeschaffung für Kontrolleure und kann schon als Kontrollwut bezeichnet werden. Jedem Heim wird quasi unterstellt dass es nicht in der Lage ist ordentlich zu pflegen. Dem ist eben nicht so. Es gibt schwarze Schafe; aber nicht allzu viele. Und diese schneiden teilweise tatsächlich mit einer glatten 1 ab.
2. Weniger Papierkrieg
wichtiger Kommentar 14.08.2013
finde ich sinnvoller . die sollen sich um pflegebedürftigen kümmern und nicht 1000 Seiten am Tag ausfüllen,
3. Dokumentieren, dokumentieren ...
dementiapraecox 14.08.2013
das ist das, was dieses kranke Kontrollsystem will! Von 5 Stunden Pflegezeit für eine Pflegestufe 3 bleiben in der Realität noch 1,9 Stunden übrig, und dieser Zeit kann man sich noch lange nicht um den Bewohner kümmern, hier muss für die Kontrolleure geschrieben werden, was das Zeug hält. Menschliche Wärme und glückliche Senioren, die würdevoll versorgt werden, interessieren in dieser Kapitalsozialwirtschaft niemanden!
4. Ich hoffe wirklich inständig
Tahlos 14.08.2013
das mir ein Aufenthalt in einem "Pflegeheim" erspart bleibt. Das was ich von Bekannten so mitbekommen habe, ist das Horror. Es mag ja Institutionen geben, die fähig sind (nichts gegen Teile der Mitarbeiter), aber alles in allem ist es keine Alternative für einen schönen Lebensabend. Im großen und ganzen ist es eine Geldmaschine für die Betreiber. Der Pflegende ist lediglich ein Mittel zum Zweck, eher lästig, als willkommen.
5. Informationen gefunden
moderlieschen 23.08.2013
Pflege (zu Hause!?) Für alle, die mehr zum Thema wissen müssen, habe ich einen guten Tip, den ich neulich von einer Freundin bekommen habe...Es gibt eine Internetseite "senporta", wo ich erfahren habe, was wirklich auf uns zu kommt, wo ich aber auch viele Informationen gefunden habe, die ich brauchte, bzw. die ich vorher noch nicht gefunden hatte. Wir standen ebenfalls vor der Entscheidung ins Heim oder zu Hause pflegen und haben uns, vorerst für die Pflege meiner Mutter zu Hause entschieden.
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  • Dennis Ballwieser ist Arzt. In München machte er Narkose, in Hamburg schreibt er über Medizin. Er ist Redakteur im Ressort Gesundheit bei SPIEGEL ONLINE.

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