Pflegeroboter: Hightech-Kameraden fürs Alter

Von , Lyon

Sie heißen "Robo-K", "Jaco" oder "Big Robot": Haushaltsroboter sollen es Senioren und Behinderten erleichtern, ihren Alltag zu bewältigen und länger selbständig zu bleiben. Auf einer Robotermesse haben Hersteller ihre Hilfen der Zukunft vorgestellt - die jedoch meist unerschwinglich sind.

Pflegeroboter: James für Senioren Fotos
Fraunhofer IPA/ Jens Kilian

Es summt, ein gelenkiger Greifarm beugt sich über einen üppig gefüllten Obstkorb, dreht seine drei mechanischen Finger und pickt sich einen Apfel heraus. Dann dreht sich "Jaco", der sein innovatives Äußeres unter glatter Plastikhaut verbirgt, zum Besitzer des Rollstuhls, der die zupackende Bewegung mit einem simplen Joystick bewerkstelligt - Zeit für einen Imbiss. Ein paar Schritte weiter summen Motoren, Kameraaugen blicken sensorgesteuert in die Runde, ein Science-Fiction-Ungetüm schnurrt durch die Menschenmenge und übt in abgehacktem Tonfall die höfliche Anmache: "Do you want to talk to me?"

Willkommen auf der Innorobo, der dritten internationalen Roboterschau der Region Grand Lyon. Mehr als 130 Aussteller aus Fernost, den USA und Europa zeigen Produkte und Entwürfe für den Alltag: Neben "Jaco", der den Aktionsradius von Behinderten erweitert, ist dort "Robo-K" ausgestellt - ein vom Patienten gesteuerter Reha-Rollator, der therapeutische Gehversuche unterstützt. "Big Robot", ganz und gar in Menschenform, kommt hingegen ganz als dienstbarer Butler daher.

Senioren und Pflege: "Hundertprozentig sicheres Wachstum"

Zwischen dem elektronischen Gewusel von Flugdrohnen, tragbaren Überwachungsautomaten und Spielrobotern steht Frankreichs Staatssekretärin für Senioren und Pflege und freut sich: "Dass ich auf einer Wirtschaftsmesse unser Ministerium für Gesundheit und Soziale Angelegenheiten vertrete, ist gewiss eine Premiere", glaubt Michèle Delaunay. Mit einem Seitenhieb auf den gleichfalls angereisten Industrieminister Arnault Montebourg sagt die gelernte Onkologin: "Immerhin ist mein Ministerium das einzige mit hundertprozentig sicherem Wachstum."

Sicher ist: Die demografischen Verschiebungen der Alterspyramide machen klar, dass immer mehr Menschen länger leben, aber jenseits der Pensionsgrenze zunehmend Unterstützung bedürfen. Viele maschinenunterstützte Konzepte befinden sich noch in der Entwicklungsphase, einige sind schon im Einsatz. Wie etwa ferngesteuerte Kameraplattformen, die Ärzten, Pflegepersonal oder Familienangehörigen Kontakt und Einblick in die Wohnung der betreuten Senioren ermöglichen. "Skypen auf Rädern", nennt Lennart Karlsson von der Firma Robotdalen diese Art der "Technologie für ein unabhängiges Leben", das die Schweden unter dem Namen "Giraff" vermarkten.

"Es geht um eine Lösung für ein soziales Problem und einen Zukunftsmarkt, der binnen der nächsten drei Jahre weltweit von 4,2 auf 22 Milliarden Dollar steigen dürfte", sagt Bürgermeister Gérard Collomb. Bruno Bonnell, Pionier für Haushaltsroboter und Chef der Firma Robopolis sieht die Welt bereits vor einem technischen Quantensprung: "Mit dem Einsatz der Dienstleistungsroboter stehen wir vor einer wahren Robolution", sagt der Vertreter der französischen Branche etwas wortverliebt.

"Diese Art der Technik wird künftig mehr und mehr Eingang in unser tägliches Leben finden", glaubt auch Birgit Graf vom Stuttgarter Fraunhofer-Institut und lässt sich vom Haushaltsassistenten "Care-O-bot" eine Schachtel Kartoffelchips auf sein Tablett stellen. "Dieser Serviceroboter", sagt die Ingenieurin, "bietet erstmals Potential für den Praxiseinsatz: Er ist nach allen Seiten beweglich, kann Umgebung und Gegenstände erkennen und ist daher kollisionsfrei unterwegs."

Die futuristischen Hightech-Kameraden, Wunderwerke aus Sensoren, Software und Servoantrieb, haben vorläufig allerdings einen satten Preis: Der Greifarm der kanadischen Firma KinovaRobotics kostet rund 48.000 US-Dollar und wird daher überwiegend geleast. Elektronische Butler wie der "Care-O-Bot" dürften zunächst nur in geriatrischen Kliniken eingesetzt werden.

Der Preis ist selbst für jene Hilfsmittel zu hoch, die gerade in individuellen Haushalten angewendet werden könnten: "Bestic" etwa, ein Tischroboter, hilft Schwerbehinderten, Gerichte aus einem Teller zu löffeln. Das fußgesteuerte Gerät, die Erfindung eines Patienten, der endlich wieder selbständig in Restaurants speisen wollte, wurde von der schwedischen Start-up-Initiative Robotdalen entwickelt. Doch mit rund 5000 Euro ist die famose Esshilfe für viele ältere Menschen kaum erschwinglich.

Staatssekretärin Michèle Delaunay betrachtet die Haushaltsroboter dennoch als Chance für die Gesellschaft. "Sie können Senioren unterhalten, begleiten und zur Not Alarm schlagen. Vor allem aber erlauben diese Vorrichtungen alten Menschen, unabhängig in ihren Wohnungen zu bleiben." Natürlich könnten Maschinen keinesfalls Nachbarn oder Familie ersetzen, so Delaunay. "Aber wenn Roboter Routineaufgaben erledigen, bleibt für Pflegepersonal und soziale Betreuer mehr Zeit für Menschlichkeit."

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insgesamt 27 Beiträge
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1. optional
paradigm 22.03.2013
"Aber wenn Roboter Routineaufgaben erledigen, bleibt für Pflegepersonal und soziale Betreuer mehr Zeit für Menschlichkeit." Wenn ich sowas schon wieder höre... also ob es bei den "Routineaufgaben" keine "Menschlichkeit" benötigt würde. Was sind überhaupt so "Routineaufgaben"? Irgendwie stellen sich viele offenbar die Arbeit von Pflegekräften so vor, dass die eigentlich ja nur "nett" zu den Leuten sein sollen und vor allem viel mit denen reden können müssen. Der Rest ist ja automatisierbar und erfordert auch keine besondere Intelligenz oder Ausbildung. In die gleiche Richtung gehen auch immer wieder diese realitätsfernen Vorschläge, man könnte doch einfach mehr Arbeitslose in der Pflege einsetzen oder sonstwie mehr "Personal" beschaffen. Als ob jeder irgendwie zur Pflege qualifiziert wäre... Scheint wohl so, dass in dem Bereich komischerweise sich nur Leute tummeln, die selbst noch nie in der Betreuung und Pflege gearbeitet haben. Abgesehen davon, das, was ich bisher an Robotern gesehen habe, stimmt mich nicht gerade optimistisch, dass man da in absehbarer Zeit was in den Haushalten von sehen wird (außer den Staubsaugerdingern, die sind ganz brauchbar). Alles noch zu ungelenk, zu langsam und zu fehleranfällig.
2. Ich kann mir vorstellen,
rolf1951 22.03.2013
mit so einem Roborter auszukommen. Natürlich bedarf es weiterer Entwicklungsarbeit. Die Forschungseinrichtungen und die späteren Produzenten sollten aber bitte keinen Politiker zum Aufsichtrats-Vorsitzenden einsetzen.
3. mit Alzheimer einen
steyrtal 22.03.2013
Roboter bedienen - das fällt mir nur dazu ein..... so als würde gerade alten Menschen die Technik vertraut sein - die älteren Menschen in meiner Umgebung sind schon mit einem Mobiltelefon schlichtweg überfordert - was für ein Blödsinn....
4. Etwas weiter gedacht, wenn zukünftig...
greentiger 22.03.2013
Zitat von paradigm...also ob es bei den "Routineaufgaben" keine "Menschlichkeit" benötigt würde. Was sind überhaupt so "Routineaufgaben"? Irgendwie stellen sich viele offenbar die Arbeit von Pflegekräften so vor, dass die eigentlich ja nur "nett" zu den Leuten sein sollen und vor allem viel mit denen reden können müssen. Der Rest ist ja automatisierbar und erfordert auch keine besondere Intelligenz oder Ausbildung.
...auch im Krankenhausbereich mehr derartige Maschinen eingesetzt werden, begrüsse ich das sehr. Ich habe wegen zweier Krebserkrankungen Krankenhäuser längere Zeit kennengelernt und erleben müssen, dass ein grosser Teil des Pflegepersonals wegen Routinearbeiten, wie Medikamentenverteilung, Fieber- und Blutdruckmessungen etc. durch die vielen zu betreuenden Patienten - menschlich verständlich - genervt war, weil sie wegen der Routinearbeiten kaum Zeit hatten, sich um Patienten zu kümmern. Es wurde etwas besser, als Automaten für die Messaufgaben eingesetzt wurden. Man wurde verkabelt und nach ein oder zwei Minuten konnte das Pflegepersonal die Messergebnisse komplett ausdrucken. Während dieser Zeit hatten sie die Möglichkeit sich um die nicht-mechanischen Tätigkeiten zu kümmern. Ich befürworte diese Entwicklung sehr.
5. Versuchskaninchen
happydwarf 23.03.2013
Zitat von steyrtalRoboter bedienen - das fällt mir nur dazu ein..... so als würde gerade alten Menschen die Technik vertraut sein - die älteren Menschen in meiner Umgebung sind schon mit einem Mobiltelefon schlichtweg überfordert - was für ein Blödsinn....
Die heutigen alten Menschen sind nur die Versuchskaninchen. Diese Roboter werden später mal für UNS da sein und da gibt es das Problem nicht mehr. Ich freu mich drauf! Vor einem Roboter muss man sich nicht schämen, wenn es aus allen Körperöffnungen tropft oder wenn die Hände zittern oder einem die Worte nicht mehr einfallen. Für viele Alte ist es doch gerade das Problem, dass sie oft das Gefühl haben, anderen zur Last zu fallen. Das zerstört den Lebenswillen doch mehr als die eigentlichen Gebrechen, mit denen man sich ja abfinden kann.
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