Von Stefan Simons, Lyon
Es summt, ein gelenkiger Greifarm beugt sich über einen üppig gefüllten Obstkorb, dreht seine drei mechanischen Finger und pickt sich einen Apfel heraus. Dann dreht sich "Jaco", der sein innovatives Äußeres unter glatter Plastikhaut verbirgt, zum Besitzer des Rollstuhls, der die zupackende Bewegung mit einem simplen Joystick bewerkstelligt - Zeit für einen Imbiss. Ein paar Schritte weiter summen Motoren, Kameraaugen blicken sensorgesteuert in die Runde, ein Science-Fiction-Ungetüm schnurrt durch die Menschenmenge und übt in abgehacktem Tonfall die höfliche Anmache: "Do you want to talk to me?"
Willkommen auf der Innorobo, der dritten internationalen Roboterschau der Region Grand Lyon. Mehr als 130 Aussteller aus Fernost, den USA und Europa zeigen Produkte und Entwürfe für den Alltag: Neben "Jaco", der den Aktionsradius von Behinderten erweitert, ist dort "Robo-K" ausgestellt - ein vom Patienten gesteuerter Reha-Rollator, der therapeutische Gehversuche unterstützt. "Big Robot", ganz und gar in Menschenform, kommt hingegen ganz als dienstbarer Butler daher.
Senioren und Pflege: "Hundertprozentig sicheres Wachstum"
Zwischen dem elektronischen Gewusel von Flugdrohnen, tragbaren Überwachungsautomaten und Spielrobotern steht Frankreichs Staatssekretärin für Senioren und Pflege und freut sich: "Dass ich auf einer Wirtschaftsmesse unser Ministerium für Gesundheit und Soziale Angelegenheiten vertrete, ist gewiss eine Premiere", glaubt Michèle Delaunay. Mit einem Seitenhieb auf den gleichfalls angereisten Industrieminister Arnault Montebourg sagt die gelernte Onkologin: "Immerhin ist mein Ministerium das einzige mit hundertprozentig sicherem Wachstum."
Sicher ist: Die demografischen Verschiebungen der Alterspyramide machen klar, dass immer mehr Menschen länger leben, aber jenseits der Pensionsgrenze zunehmend Unterstützung bedürfen. Viele maschinenunterstützte Konzepte befinden sich noch in der Entwicklungsphase, einige sind schon im Einsatz. Wie etwa ferngesteuerte Kameraplattformen, die Ärzten, Pflegepersonal oder Familienangehörigen Kontakt und Einblick in die Wohnung der betreuten Senioren ermöglichen. "Skypen auf Rädern", nennt Lennart Karlsson von der Firma Robotdalen diese Art der "Technologie für ein unabhängiges Leben", das die Schweden unter dem Namen "Giraff" vermarkten.
"Es geht um eine Lösung für ein soziales Problem und einen Zukunftsmarkt, der binnen der nächsten drei Jahre weltweit von 4,2 auf 22 Milliarden Dollar steigen dürfte", sagt Bürgermeister Gérard Collomb. Bruno Bonnell, Pionier für Haushaltsroboter und Chef der Firma Robopolis sieht die Welt bereits vor einem technischen Quantensprung: "Mit dem Einsatz der Dienstleistungsroboter stehen wir vor einer wahren Robolution", sagt der Vertreter der französischen Branche etwas wortverliebt.
"Diese Art der Technik wird künftig mehr und mehr Eingang in unser tägliches Leben finden", glaubt auch Birgit Graf vom Stuttgarter Fraunhofer-Institut und lässt sich vom Haushaltsassistenten "Care-O-bot" eine Schachtel Kartoffelchips auf sein Tablett stellen. "Dieser Serviceroboter", sagt die Ingenieurin, "bietet erstmals Potential für den Praxiseinsatz: Er ist nach allen Seiten beweglich, kann Umgebung und Gegenstände erkennen und ist daher kollisionsfrei unterwegs."
Die futuristischen Hightech-Kameraden, Wunderwerke aus Sensoren, Software und Servoantrieb, haben vorläufig allerdings einen satten Preis: Der Greifarm der kanadischen Firma KinovaRobotics kostet rund 48.000 US-Dollar und wird daher überwiegend geleast. Elektronische Butler wie der "Care-O-Bot" dürften zunächst nur in geriatrischen Kliniken eingesetzt werden.
Der Preis ist selbst für jene Hilfsmittel zu hoch, die gerade in individuellen Haushalten angewendet werden könnten: "Bestic" etwa, ein Tischroboter, hilft Schwerbehinderten, Gerichte aus einem Teller zu löffeln. Das fußgesteuerte Gerät, die Erfindung eines Patienten, der endlich wieder selbständig in Restaurants speisen wollte, wurde von der schwedischen Start-up-Initiative Robotdalen entwickelt. Doch mit rund 5000 Euro ist die famose Esshilfe für viele ältere Menschen kaum erschwinglich.
Staatssekretärin Michèle Delaunay betrachtet die Haushaltsroboter dennoch als Chance für die Gesellschaft. "Sie können Senioren unterhalten, begleiten und zur Not Alarm schlagen. Vor allem aber erlauben diese Vorrichtungen alten Menschen, unabhängig in ihren Wohnungen zu bleiben." Natürlich könnten Maschinen keinesfalls Nachbarn oder Familie ersetzen, so Delaunay. "Aber wenn Roboter Routineaufgaben erledigen, bleibt für Pflegepersonal und soziale Betreuer mehr Zeit für Menschlichkeit."
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