Experteninterview zu Pickeln: "Grundsätzlich nicht quetschen"

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Auf der Suche: Pickel entstehen durch eine übermäßige Talgproduktion unter der Haut

Für die meisten ist ein Pickel nur ein ästhetisches Ärgernis, manche jedoch sehen in den Hautunreinheiten eine Lebensgefahr. Martina Kerscher ist Professorin für Kosmetikwissenschaft an der Universität Hamburg. Im Interview erklärt die Dermatologin, was wirklich hinter Pickeln steckt.

Frau Kerscher, was ist ein Pickel?

Mitesser und daraus entstehende Hautentzündungen, die oft als Pickel bezeichnet werden, gehen auf eine übermäßige Talgproduktion zurück. Wenn zudem die oberste Hautschicht zu stark verhornt ist, kann der Talg nicht austreten, sondern staut sich und kann in das umliegende Gewebe platzen. Dadurch kommt es an der Haut zu einer Rötung und zu der oft als Pickel bezeichneten Hautentzündung.

Aber ein Pickel ist doch eine kleine Infektion?

Nicht unbedingt. Aber es kann dazu kommen, dass Bakterien, die auf der Haut leben oder auch durch Schmierinfektion auf die Haut gelangen, in diese Gewebeausbuchtung eindringen. Dann kann eine stärker gerötete Stelle entstehen, die vielleicht auch einen kleinen Eiterherd an der Spitze hat. Das ist aber nicht weiter problematisch und kann gut mit desinfizierenden Mitteln behandelt werden. Das gilt auch für Entzündungen des Haarbalgs, eine Follikulitis, wie sie bei Männern nach der Rasur öfter vorkommen kann.

Viele Menschen finden Pickel dennoch problematisch - zum Beispiel, weil sie nicht schön aussehen. Was kann man machen gegen Pickel?

Grundsätzlich nicht quetschen - das führt nur dazu, dass die Bakterien und Entzündungszellen sich im Gewebe verteilen. Es gibt inzwischen sehr gut wirksame äußerliche Zubereitungen, zum Teil in der Apotheke, zum Teil aber auch im Drogeriemarkt. Wirksam sind Substanzen mit zum Beispiel Vitamin-A-Säure und Benzoylperoxid, die in verschreibungspflichtigen Präparaten zum Teil auch mit äußerlichen Antibiotika wie Erythromycin oder Clindamycin gemischt sind - für besonders entzündliche Formen.

Kann man durch einen Pickel eine Blutvergiftung bekommen?

Durch das, was man herkömmlicherweise Pickel nennt, normalerweise nicht - wohl aber durch einen Abszess oder ein Furunkel, eine Entzündung des unteren Haarbalgs.

Wie erkennt man einen Abszess?

Alarmzeichen sind eine äußerst schmerzhaft auf Druck reagierende Haut, eine starke Rötung, sowie eine Erwärmung und Schwellung bis hin zu einer Verschlechterung des Allgemeinbefindens. Der Abszess wird oft vom Bakterium Staphylococcus aureus ausgelöst. Im Gegensatz zum Pickel oder zur Follikulitis, der Entzündung des oberen Haarbalgs, bildet sich beim Abszess ein neuer, mit Eiter gefüllter Hohlraum im Gewebe.

Hört sich lebensgefährlich an…

Damit sollte man auf jeden Fall zum Arzt gehen, besonders, wenn ein Abszess im Gesicht auftaucht. Je näher er an Nase und Augen ist, umso gefährlicher ist er. Er sollte dann mit Antibiotika behandelt werden, denn sonst können tatsächlich Bakterien in die Blutbahn gelangen und es kann zu einer Sepsis, im Volksmund Blutvergiftung, kommen.

Kann durch einen Abszess auch eine Thrombose entstehen?

Auf keinen Fall sollte man an einem Abszess oder einem Furunkel herumdrücken, und wenn er dicht an Mund und Nase gelegen ist, sollte man zudem besser Brei essen als herzhaft in einen Apfel zu beißen, um Komplikationen zu vermeiden. Hier handelt es sich aber nicht mehr um den klassischen Pickel!

Alles klar. Und wie kann man herkömmlichen Pickeln vorbeugen?

Weil Mitesser und Pickel meist durch eine zu starke Talgproduktion kombiniert mit einer Verhornungsstörung der Haut entstehen, ist konsequente Hautreinigung und Peeling immer eine gute Vorbeugung.

Spielt die Ernährung eine Rolle? Früher hieß es immer, man solle nicht so viel Schokolade essen, um Pickel zu vermeiden…

Das ist überholt. Die Menschen können Chips essen und Schokolade, dadurch entsteht kein Pickel an der Hautoberfläche.

Das Interview führte Frederik Jötten

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1.
Trouby 24.10.2012
Zitat von sysopSpielt die Ernährung eine Rolle? Früher hieß es immer, man solle nicht so viel Schokolade essen, um Pickel zu vermeiden… Das ist überholt. Die Menschen können Chips essen und Schokolade, dadurch entsteht kein Pickel an der Hautoberfläche. Pickel: Hautunreinheiten vorbeugen und behandeln - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/pickel-hautunreinheiten-vorbeugen-und-behandeln-a-863114.html)
Vollkommener Unfug! Schokolade scheint zwar egal zu sein, aber wenn ich eine Tüte Chips esse, habe ich 2 Tage später ein oder 2 dicke Pickel im Gesicht, und das auch noch mit 42. Und auch nur dann, ansonsten nicht. Es ist vermutlich so, dass das nicht verallgemeinert werden kann, aber es mit mit Sicherheit nicht so, dass es KEINE Rolle spielt!
2. Haut
kanadasirup 24.10.2012
Ach ja die Dermatologen. Säuren und BPO sollen also helfen. Nur dumm dass sie das nicht auf Dauer tun. Man kann sich die Haut ab und zu schälen, ätzen, rubbeln und verbrennen - auf Lange Sicht macht das keinen Spaß und ist keine Lösung. Gerade BPO ist meiner Meinung nach eine eklige chemische Keule die man nur ausnahmsweise verwenden sollte. In Wahrheit sind die Hautärzte gegenüber Akne genauso hilflos wie der Hausarzt gegenüber der Erkältung! Was mir persönlich geholfen hat: - Keine Milch mehr trinken (zuviele Hormone drin?!) - Propolis-Creme - Maßvolles Sonnenbaden
3. Hefeextrakt
Der Schmidt 24.10.2012
Den Grund, warum Chips auch bei mir zu schlimmen Pickeln führen, habe ich vor ein paar Jahren ausfindig gemacht: Hefeextrakt. Ist in fast allen Chips. Chips ohne Hefeextrakt machen mir keine Pickel. Andere Sachen mit Hefeextrakt machen mir auch Pickel, z.B. bestimmte Brotaufstriche von Tartex. Wer also wie ich von Chips Pikel bekommt, sollte das vielleicht auch mal beachten, ich hätte es jedenfalls gern früher gewusst.
4.
mangeder 25.10.2012
Zitat von Der SchmidtAndere Sachen mit Hefeextrakt machen mir auch Pickel
Das würde aber widerum dem oft genannten Hausmittel widersprechen, dass pure Hefe essen gegen Pickel hilft. Es gibt aber wohl auch einen Unterschied, ob etwas Pickel "macht" oder sie nur "aufblühen" lässt. Angeblich sollen ja auch bei längerer Einnahme von purer Hefe erst mal alle Pickel aufblühen und die ganzen unter der Haut versteckten Unreinheiten und Talgtaschen rauskommen, was die Haut reinigt, sie zu Beginn aber sichtbar verschlimmert und es so aussieht, als würde man neue Pickel bekommen (welche eigentlich nur unter der Haut geschlummert und auf die nächste Gelegenheit zum Ausbruch gewartet haben). Danach wäre die Haut dann wohl reiner. Ob das in wissenschaftlichen Studien nachgewiesen ist, weiß ich nicht. Aber Ärzte und Pharma-Firmen haben ganz sicher kein Interesse daran, dass ihre "Kunden" statt teurer chemischer Spezialpräparate aus der Apotheke einfach nur einen Hefewürfel für 10 Cent aus dem nächsten Supermarkt holen und davon naschen. Insofern ist das auch kein Gegenbeweis, wenn man dazu keine hochwissenschaftlichen Studien findet. Wenn man das mal im Selbsttest versuchen will, sollte man das aber wirklich nur mit reiner Hefe testen und nicht wie bei Chips auf Anteile von Hefeextrakten in verarbeiteten Produkten zurückgreifen, die zudem natürlich mit gesättigten Fettsäuren und Zusatzstoffen überladen sind. - Und nein, versucht den selben Effekt nicht mit Hefeweißbier zu erreichen, mit Alkohol kann man sich nur den Gegenüber schönsaufen, selber macht einen Alk leider nicht schöner ;-)
5. Pickel sind was ganz Individuelles
kroetilein 25.10.2012
Jedenfalls erzählen Pickelopfer die unterschiedlichsten Geschichten über die kleinen Racker im Antlitz. Ich las mal, dass Michael Jackson, als er noch schwarz war und ihm nicht das Gesicht auseinanderfiel, unter Akne litt und deswegen, offenbar erfolgreich (aus der Pickelperspektive), zum Vegetarier wurde. Weil jemand ihm erzählte, Fleisch macht's schlimmer. Komischerweise behauptet die Wissenschaft seit einigen Jahren, Schokolade macht gar nichts, haut sie euch rein! Nachdem früher das Gegenteil Gesetz war. Meine Erfahrung: Fleisch und Schokolade in größeren Mengen können die Haut zum Blühen bringen. In kleinen Mengen - ist ja auch kultivierter - passiert nix. Ich bekämpfe kleine Newcomer mit nass angerührtem Heilerdeklecks, gern über Nacht. Ist zwar weniger nett für die Bettwäsche, vertreibt aber meistens den Pickel, bevor er richtig das Kommando übernehmen kann. Ach ja, das beste Rezept, um keine zu bekommen: viel guter Sex!
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