PID: Politik nimmt letzte Hürde für Gentests an Embryos

Künstlich erzeugte Embryonen dürfen bald in Ausnahmefällen genetisch untersucht werden: Bundesregierung und Länder haben sich nach monatelangem Streit auf eine Regelung zur Präimplantationsdiagnostik geeinigt. Nur wenige Zentren werden die Analysen durchführen dürfen.

Genuntersuchungen: Bei der PID testen Ärzte Embryonen auf Erbkrankheiten Zur Großansicht
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Genuntersuchungen: Bei der PID testen Ärzte Embryonen auf Erbkrankheiten

Vor mehr als eineinhalb Jahren ebnete der Bundestag den Weg für Gentests an Embryonen. Jetzt kann der Beschluss auch als Gesetz in die Praxis umgesetzt werden. Bundesregierung und Länder haben sich nach monatelangem Streit auf eine Verschärfung der von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) vorgelegten Rechtsverordnung zur Präimplantationsdiagnostik (PID) geeinigt, berichtet die "Berliner Zeitung".

Demnach soll nur eine begrenzte Zahl von Zentren die Gentests an künstlich erzeugten Embryonen durchführen dürfen. Bei der PID wird nach der künstlichen Befruchtung und vor der Implantation in die Gebärmutter untersucht, ob Embryonen unter Gendefekten leiden. Bei einem Gendefekt werden sie gegebenenfalls wieder vernichtet.

Die Zulassung der PID-Zentren soll im Einzelfall geprüft werden und unter anderem davon abhängig gemacht werden, ob es einen Bedarf gibt. Einen Rechtsanspruch auf die Zulassung eines Zentrums soll es demnach nicht geben. Die Politiker wollen so sicherstellen, dass sich die Anwendung der PID auf einige wenige Zentren beschränkt. Dies entspricht den Forderungen des Deutschen Ethikrats.

Im Gegenzug würden die Bundesländer ihre Forderung fallen lassen, in jedem Land nur eine Ethikkommission zu erlauben, berichtet die Zeitung weiter. Darauf wollte sich Bahr nicht einlassen. Die unabhängigen Ethikkommissionen sollen die Anträge auf eine PID überprüfen und entscheiden, ob Eltern die Genanalyse vornehmen lassen dürfen.

Das Gesetz zur Regelung der PID von 2011 enthält ein grundsätzliches Verbot der Präimplantationsdiagnostik. Gleichzeitig bestimmt es in engen Grenzen Fälle, in denen die PID ausnahmsweise zulässig sein soll. Die neue Verordnung soll nun die Bestimmung und Organisation dieser Ausnahmen regeln. Erlaubt sind Gentests an Embryonen nur dann, wenn ein Elternteil oder beide Elternteile die Veranlagung zu einer schweren Erbkrankheit haben oder mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Tot- oder Fehlgeburt droht. Eine vorherige Beratung ist Pflicht.

Die geänderte Rechtsverordnung zur PID soll an diesem Freitag vom Bundesrat beschlossen werden. Ab dem Moment, in dem sie in Kraft tritt, werden die Gentests erlaubt sein. Schätzungen zufolge könnten in Deutschland 250 bis 400 Paare jährlich die PID in Anspruch nehmen. Bisher ist eine genetische Untersuchung des Embryos vor der Einpflanzung in die Gebärmutter nur in unter anderem europäischen Nachbarländern möglich.

Präimplantationsdiagnostik (PID)
Worum geht es?
DPA
Bei dem Verfahren werden einem im Reagenzglas entstandenen Embryo ein bis zwei Zellen entnommen. Es geht darum, deren Erbgut zu untersuchen. Ziel ist es, unter anderem Krankheiten aufzudecken, die auf zu viele oder zu wenige Chromosomen zurückgehen. Beim Down-Syndrom ist beispielsweise das Chromosom 21 dreimal vorhanden. Möglich sind auch Untersuchungen auf einzelne veränderte Gene, die beispielsweise für Muskelschwund, Lungen- und Stoffwechselkrankheiten oder die Bluterkrankheit verantwortlich sind.
Verfahren 1: Diagnose im Blastomerenstadium
Bei dieser am häufigsten angewendeten Untersuchung werden dem Embryo am dritten Tag nach der Befruchtung im Reagenzglas ein oder zwei Zellen zur Untersuchung entnommen. Der Embryo befindet sich zu diesem Zeitpunkt im sogenannten Blastomerenstadium. Das heißt, seine vier bis acht Zellen gelten als totipotent - jede einzelne könnte sich in der Gebärmutter noch zu einem vollständigen Organismus entwickeln. Totipotente Zellen sind nach dem deutschen Embryonenschutzgesetz einem Embryo gleichgestellt.
Verfahren 2: Diagnose im Blastozystenstadium
Auch zu einem späteren Zeitpunkt ist im Prinzip noch eine PID möglich, zum Beispiel im sogenannten Blastozystenstadium. Dann besteht der Embryo aus etwa 50-200 Zellen. Die Zellen der sogenannten inneren Zellenmasse gelten als pluripotent, das heißt aus ihnen können sich noch verschiedene Gewebe entwickeln. Die Diagnose im Blastozystenstadium hatte der Berliner Arzt angewendet, dessen Fall vor dem BGH verhandelt wurde.
Alternative: Polkörperdiagnostik
Bei diesem Verfahren wird nur die Eizelle untersucht - und zwar vor Abschluss der Befruchtung. Im Blick stehen die Polkörper, die beim Reifen der Eizelle entstehen. Sie enthalten einen Satz des mütterlichen Erbgutes. Damit lassen sich zumindest die mütterlichen Erbanlagen der Eizelle indirekt auf Chromosomen-Fehlverteilungen überprüfen. Väterliche Vorerkrankungen können so hingegen nicht untersucht werden. Weil bei dieser Methode kein Embryo manipuliert wird, steht sie nicht im Widerspruch zum Embryonenschutzgesetz.

irb/AFP

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1. Auf ins Ausland!
sandokan1966 29.01.2013
Solange man in D bis zur 12 Schwangerschaftswoche ohne Ethikkomission abtreiben kann, ist die deutsche PID- Regelung ein Armutszeugnis. Schade dass Betroffene Paare in D mit dem "Behinderometer" vermessen und für tauglich erklärt werden sollen. Schade, dass viele Paare wohl weiterhin wie kriminelle z.B. in ehemalige Ostländer gezwungen werden und wir Ihnen qualifizierte Medizinische Kompetenz in unserem Land vorenthalten.
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