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14. November 2012, 12:48 Uhr

PID

Kabinett ebnet Weg für Gentests an Embryonen

Wie Ärzte künftig Gentests an künstlich erzeugten Embryonen durchführen dürfen, hat das Bundeskabinett mit einer umstrittenen Verordnung entschieden. Nur spezialisierte Zentren dürfen demnach die Präimplantationsdiagnostik anbieten, Ethikkommissionen wachen über die Entscheidungen.

Berlin - In Ausnahmefällen können künstlich erzeugte Embryonen vor der Einsetzung in den Mutterleib künftig auf Gendefekte untersucht werden. Das Bundeskabinett hat am Mittwoch die umstrittene Rechtsverordnung zur Präimplantationsdiagnostik (PID) verabschiedet. Jetzt muss der Bundesrat noch zustimmen.

Bei der PID werden Embryonen nach der künstlicher Befruchtung vor der Einpflanzung in die Gebärmutter auf Krankheiten untersucht - und gegebenenfalls wieder vernichtet, wenn das Kind etwa eine schwerwiegende genetische Krankheit entwickeln würde. Das Gesetz zur Regelung der PID von 2011 enthält zwar ein grundsätzliches Verbot der Präimplantationsdiagnostik. Gleichzeitig bestimmt es in engen Grenzen Fälle, in denen die PID ausnahmsweise zulässig sein soll. Die neue Verordnung soll nun die Bestimmung und Organisation dieser Ausnahmen regeln.

Damit kann die PID in Deutschland künftig in speziellen Zentren angewendet werden, die strenge Auflagen erfüllen müssen. Nach der Verordnung sollen die Länder unabhängige Ethikkommissionen einrichten, die die Anträge auf PID prüfen und binnen drei Monaten mit einfacher Mehrheit über sie entscheiden müssen.

"Endlich Rechtssicherheit für Betroffene"

Dem Gesetz zufolge ist ein Gentest an Embryonen vor der Einpflanzung in die Gebärmutter nur zulässig, wenn eine Tot- oder Fehlgeburt droht oder ein oder beide Elternteile ein hohes genetisches Risiko für eine schwerwiegende Erbkrankheit in sich tragen.

Mehrere Ministerpräsidenten warfen Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) laut einem Bericht der "Rheinischen Post" vor, die Verordnung gehe über die Grenzen des Gesetzes hinaus. Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Flach (FDP) begrüßte hingegen, dass es nun Rechtssicherheit für Betroffene gebe. "Niemand sollte versuchen, über medialen Druck Änderungen zu erzwingen, die der Gesetzgeber so nicht gewollt hat", sagte Flach.

Noch vor wenigen Wochen hatte der Gynäkologe Klaus Diedrich vom Universitätsklinikum Lübeck erneut auf die schwierige Situation von betroffenen Paaren hingewiesen, die sich eine genetische Untersuchung des Embryos wünschten. "Das ist eine schlimme Situation", so Diedrich. Betroffene Paare wählten daher bislang häufig den Weg in die europäischen Nachbarländer, in denen die PID erlaubt ist.

hei/dapd/dpa

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