Bewegung durch Handyspiel US-Kardiologen loben "Pokémon Go"

Nur wer läuft, findet Pokémon: US-Kardiologen ist der Ansatz des Handyspiels eine lobende Mitteilung wert. Bewegungsfaule Menschen würden so vor die Tür gelockt.

Spazieren im Regen? Lieber nicht! Aber spielen, wie diese Männer in Sydney
DPA

Spazieren im Regen? Lieber nicht! Aber spielen, wie diese Männer in Sydney


Nicht nur Spieler weltweit, auch US-Kardiologen befinden sich im Pokémon-Fieber. Die American Heart Association hat jetzt ihre Freude über das Spiel in einer Mitteilung ausgedrückt: "'Pokémon Go' bringt Spieler dazu, sich in der echten Welt körperlich zu bewegen", schreiben die Kardiologen auf ihrer Webseite. Dies sei eine Veränderung zu den stereotypischen Spielen, bei denen die Menschen normalerweise fest vorm Bildschirm sitzen.

Bei "Pokémon Go" gehen die Nutzer in der echten Welt auf Monsterjgd. Nur wer zu Fuß durch die Gegend streift, kann Pokémonsfinden oder hilfreiche Gegenstände sammeln, um sie zu fangen. Hinzu kommen Funktionen, die von der körperlichen Aktivität des Spielers abhängen. Ein Ei etwa wird nur ausgebrütet, wenn die Nutzer mehrere Kilometer mit dem Handy zurückgelegt haben.

Schummeln geht kaum

"Es gibt jetzt schon klare Belege dafür, dass die Menschen in ihrem Alltag mehr laufen, wenn sie das Spiel nutzen", sagt Wie Peng, die an der Michigan State University arbeitet und den potenziellen Nutzen von Videospielen für die Gesundheit erforscht. Das Spiel könne so gerade für Menschen, die einen sitzenden Lebensstil pflegen, der erste Schritt zu mehr Aktivität sein, glaubt Peng.

Debra Lieberman von der University of California erhofft sich sogar, die Spieler noch zu anderer Bewegung zu motivieren. "Wenn die Menschen einmal mit dem Spazierengehen angefangen haben und merken, wie gut sich Aktivität anfühlt, könnte das der Anstoß sein, auch anderes auszuprobieren - etwa Fahrradfahren und Schwimmen", zitiert sie der Kardiologenverband.

Möglich wird das Prinzip von "Pokémon Go" durch den GPS-Sensor im Smartphone: Er überträgt die Laufwege des Spielers aus der echten Welt auf seinen Avatar und eine Landkarte im Spiel. Schummeln geht kaum. Wer nicht laufen möchte, kann zwar noch mit dem Fahrrad bummeln. Auto oder Bus sind aber zu schnell für die Monsterjagd.

Menschen, die auf Handys starren

Neben dem Lob weisen die Kardiologen pflichtbewusst auch auf die Hauptgefahr des Spiels hin: Schon heute riskieren immer wieder Menschen ihre Gesundheit, weil sie auf das Handy starren und ihre Umgebung - etwa den Verkehr - ignorieren. "Pokémon Go" verschärft diesen Zustand.

Zum einen verlangt das Spiel, dass die Nutzer fast unentwegt auf das Display des Handys starren. Zum anderen können Gegenstände und Pokémons, die die Spieler sammeln sollen, auch mal auf der anderen Seite einer vielbefahrenen Straße auftauchen. Dann sollten Menschen sich an das erinnern, was sie als Kind gelernt haben: stehen, sehen, gehen.

irb



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