Impfviren Achtjähriger stirbt in Laos an Kinderlähmung

Die Kinderlähmung steht kurz vor der Ausrottung, jetzt gab es jedoch erneut einen Rückschlag. Ein Achtjähriger ist in Laos an Polio gestorben. Er hatte sich mit veränderten Impfviren infiziert.

Skulptur des Polio-Virus: Dieses infiziert nur den Menschen und kann deshalb durch Impfungen ausgerottet werden
AP

Skulptur des Polio-Virus: Dieses infiziert nur den Menschen und kann deshalb durch Impfungen ausgerottet werden


In Laos ist ein Achtjähriger den Folgen einer Polio-Infektion erlegen. Der Junge entwickelte am 7. September erste Lähmungserscheinungen, teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit. Am 11. September starb er.

Genetischen Untersuchungen zufolge handelte es sich bei den Krankheitserregern nicht um ein wildes Polio-Virus. Der Junge hatte sich stattdessen mit Viren infiziert, die ursprünglich von einer Impfung stammten. Zu solchen impfassoziierten Polio-Erkrankungen war es vor Kurzem auch in der Ukraine gekommen.

Hintergrund ist, dass die - in Deutschland nicht mehr verwendete - Schluckimpfung gegen Polio zwar abgeschwächte, aber vermehrungsfähige Viren enthält. Diese scheiden die Geimpften nach der Behandlung noch für eine Weile über den Stuhl aus. Kommen andere damit in Kontakt, können sie die Impfviren aufnehmen.

Das birgt einen großen Vorteil: Mit einer Impfung kann so indirekt auch das Immunsystem anderer, noch nicht geimpfter Menschen gegen Polio gewappnet werden. Sind jedoch im Umkreis des geimpften Menschen sehr viele Nichtgeimpfte, können die Impfviren immer weiter von Mensch zu Mensch zu springen. Dabei können sich die eigentlich harmlosen Erreger nach und nach verändern und in eine Variante verwandeln, die Kinderlähmung auslösen kann.

Impfviren zirkulierten schon zwei Jahre

Bevor der Junge in Laos erkrankte, zirkulierte das Impfvirus laut WHO etwa zwei Jahre in der Bevölkerung, ohne dass jemand Lähmungen entwickelte. Um weitere Erkrankungen im Umfeld des Jungen zu vermeiden, plant die WHO jetzt eine große Impfkampagne. In der Region Bolikhan, in der der Junge lebte, haben aktuell nur etwa 44 Prozent der Bevölkerung die empfohlenen drei Dosen Schluckimpfung erhalten.

Auch wenn es paradox klingen mag, sind Impfungen der beste Weg, den Infektionen - auch durch impfassoziierte Viren - vorzubeugen. Ist das Immunsystem mit dem Basisimpfstoff sensibilisiert, kann es neben den wilden Viren auch die veränderten Impfviren abwehren.

Die WHO hofft, schon im Jahr 2018 eine Welt ohne Polio-Viren zu erreichen. Es wäre nach den Pocken und der Rinderpest das dritte Mal, dass es der Menschheit gelingt, einen Krankheitserreger durch Impfungen von der Erde zu verbannen. Damit das erfolgreich ist, müssen jedoch neben den wilden Erregern auch die veränderten Impfviren verschwinden, heißt es in der Nachricht der WHO.

Die Organisation fordert, nach und nach die Schluckimpfung durch Spritzen mit inaktiven Viren zu ersetzen - diese werden auch in Deutschland verwendet. Sie sind zwar teurer und schwerer zu verabreichen, eine Infektionsgefahr geht von ihnen aber nicht aus.

irb



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