Nase, Darm oder Gebärmutter Wann müssen die Polypen raus?

Polypen in der Nase sind meist ungefährlich, können aber lästig werden. Im Darm sind die Wucherungen dagegen riskanter. Wann eine OP angeraten ist - wann nicht.

Termin beim Arzt (Symbolbild)
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Termin beim Arzt (Symbolbild)


Manche kennen sie von der ewig verstopften Nase: Bilden sich Polypen in den Nebenhöhlen, fällt das Atmen schwer, die Nase läuft ständig oder der Geruchssinn ist gestört. Tatsächlich können aber auch andere Körperteile betroffen sein.

Was sind Polypen?

Bei Polypen handelt es sich überwiegend um knotige Auswölbungen an der Oberfläche von Schleimhäuten. Die Knoten bestehen aus Schleimhautanteilen und können einen Kern aus Bindegewebe haben. Meist sind Polypen einige Millimeter groß, sie können aber auch größer werden.

Warum bilden sich Polypen?

Oft entstehen sie durch eine Entzündung der Schleimhaut, die zum Beispiel von Viren oder Bakterien ausgelöst werden kann. Polypen können sich jedoch auch ohne erkennbaren Grund bilden, sagt Karl-Friedrich Bürrig, Präsident des Bundesverbands Deutscher Pathologen. Dann können sie ähnliche Merkmale haben wie ein Tumor. Nach einer Entfernung sollten die Polypen deshalb im Labor untersucht werden. Dann können Pathologe ausschließen, dass es sich um einen bösartigen Tumor handelt.

Polypen in der Nase

Fällt das Riechen schwer, läuft die Nase ständig oder ist das Atmen durch die Nase mühselig, kann das an Nasenpolypen liegen. "Auch chronischer Schnupfen und Schnarchen könnten Anzeichen sein", sagt Achim Beule, Leitender Oberarzt in der Universitäts-Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde in Münster.

Hat jemand solche Beschwerden, hilft ein HNO-Arzt weiter. Mit Hilfe eines Endoskops untersucht er die Nasenhöhle sowie die rachennahen Bereiche. Eine Röntgenaufnahme oder eine Computertomografie (CT) sind nötig, um zu sehen, wie genau vorhandene Polypen aussehen.

Haben sich Polypen in der Nase gebildet, kommt zuerst kortisonhaltiges Spray zum Einsatz. Kleinere Wucherungen gehen so oft zurück. "Lassen die Beschwerden nicht nach, sollten die Polypen operativ entfernt werden", sagt Beule. Dabei werden sie in der Regel unter Vollnarkose mit kleinen Zangen herausgezupft. Wer vorbeugend etwas tun will, sollte seine Nasenschleimhaut pflegen - mit einer täglichen Nasendusche mit Salzwasser. Hierfür wird täglich ein Teelöffel Salz in einem Liter Wasser aufgelöst.

Polypen in der Gebärmutter

Auch in der Gebärmutter wachsen Polypen oft unbemerkt. "Mitunter können die Auswucherungen aber auch zu Zwischenblutungen oder zu einer verstärkten Menstruation führen", sagt der Frauenarzt Bernd Holthaus. Er ist Chefarzt der Gynäkologie im Krankenhaus in Damme und Mitglied im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe. Leichte Blutungen oder vermehrter Ausfluss nach dem Geschlechtsverkehr können ebenfalls auf einen Polypen hindeuten. In den Wechseljahren kommen Polypen in der Gebärmutter häufiger vor. Das hat vermutlich hormonelle Gründe.

Polypen in der Gebärmutter sind fast immer harmlos. Allerdings sollten sie regelmäßig vom Arzt kontrolliert werden. Verändert sich ihr Aussehen, sollten die Polypen zumindest mittelfristig entfernt werden. Denn in 0,5 Prozent aller Fälle ist ein Polyp in der Gebärmutter bösartig. Kleinere Gebilde an der Oberfläche des Gebärmuttermundes kann ein Arzt bei örtlicher Betäubung ausschaben. Befinden sich die Polypen tief in der Gebärmutter, werden sie unter Vollnarkose entfernt.

Polypen im Darm

Darmpolypen verursachen meist keine Beschwerden. Erst ab einer gewissen Größe bluten manche von ihnen. "Das zeigt sich dann durch Blut im Stuhlgang", sagt Dagmar Mainz aus dem Vorstand des Berufsverbands Niedergelassener Gastroenterologen Deutschlands. Bemerkt jemand Blut im Stuhl, sollte er zum Arzt gehen.

Meist werden die Polypen im Rahmen einer Darmspiegelung entdeckt. Alle gesetzlich Krankenversicherten haben ab dem 55. Geburtstag Anspruch auf diese sogenannte Koloskopie. Entdeckt der Arzt dabei Polypen, müssen sie entfernt werden. Sie sind zwar meist gutartig - Gewissheit hat man aber erst, wenn ein Pathologe das Gewebe untersucht hat. Außerdem können gutartige Auswucherungen zu bösartigen mutieren. Deshalb gilt: "Je früher Polypen im Darm erkannt und entfernt werden, desto besser", sagt Mainz.

Die Darmspiegelung wird ambulant durchgeführt, das heißt, der Patient kann kurze Zeit später wieder nach Hause gehen. Auch die Polypen müssen nur in seltenen Fällen im Krankenhaus entfernt werden.

wbr/Sabine Meuter, dpa



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