Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Patienten: Portal sammelt Beschwerden über Igel-Leistungen

Wachsender Markt: Fast 30 Prozent der gesetzlich Versicherten hatten 2012 mindestens eine Igel-Leistung in Anspruch genommen Zur Großansicht
Corbis

Wachsender Markt: Fast 30 Prozent der gesetzlich Versicherten hatten 2012 mindestens eine Igel-Leistung in Anspruch genommen

Mit Leistungen, die gesetzlich Versicherte selbst bezahlen, nehmen Ärzte hierzulande rund 1,3 Milliarden Euro ein. Sind Patienten mit der Igel-Leistung unzufrieden, können sie sich jetzt bei einem Online-Portal von Verbraucherschützern beschweren.

Nimmt ein Patient beim Arzt eine Selbstzahler-Behandlung in Anspruch, muss der Mediziner vorher die Kosten schriftlich auflisten und hinterher eine Rechnung vorlegen. Nach Beobachtung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen passiert das aber häufig nicht. Auch über die Risiken der sogenannten Individuellen Gesundheitsleistungen (Igel) klären Ärzte oft nicht gut genug auf. Ihren Unmut darüber können gesetzlich Krankenversicherte ab sofort auf dem Internetportal igel-aerger.de mitteilen.

Igel sind Behandlungen, die nicht oder nur in medizinisch begründeten Fällen zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen gehören. Das können zum Beispiel die Messung des Augeninnendrucks zur Früherkennung eines Glaukoms (Grüner Star), eine professionelle Zahnreinigung, die Bachblütentherapie oder verschiedene Impfungen vor einer Fernreise sein. Der Patient wird für diese Leistungen privat zur Kasse gebeten.

Der Igel-Markt ist groß. Nach Angaben des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (Wido) haben Ärzte im Jahr 2012 rund 18,2 Millionen Igel-Leistungen erbracht und dafür rund 1,3 Milliarden Euro in Rechnung gestellt. Knapp 30 Prozent der Versicherten haben schon eine Igel-Leistung in Anspruch genommen, berichtete das Wido 2013.

Patienten fühlen sich unter Druck gesetzt

Ärzte sind verpflichtet, Patienten vorher in einem persönlichen Gespräch Nutzen und Risiken zu erläutern, außerdem einen Vertrag mit ihnen zu schließen und hinterher auf Grundlage der ärztlichen Gebührenordnung abzurechnen.

Das entfalle jedoch vielfach, häufig fühlten sich Patienten im Behandlungszimmer unter Druck gesetzt und ärgerten sich hinterher, erläutert die Verbraucherzentrale.

Die Verbraucherschützer wollen auf dem Portal Beschwerden sammeln und Erfahrungen über die Werbung in Arztpraxen zusammentragen. Getragen wird das Angebot von der Verbraucherzentrale NRW in Kooperation mit den Verbraucherzentralen Berlin und Rheinland-Pfalz, finanziert wird es vom Bundesverbraucherschutzministerium.

Den medizinischen Nutzen bewerten sie nicht, dafür steht unter anderem das Portal igel-monitor.de des GKV-Spitzenverbandes zur Verfügung.

wbr/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Nutze ich nicht
cola79 01.09.2014
Unter Ärzten bedeutet "Igel" schlicht IdiotenGeldLeistung-in aller Regel bestenfalls auf Augenhöhe mit Placebo, oft im Nebel der Scharlatanerie, aber selten bis nie wirklich angezeigt. Aber Igel ist wichtig, sonst rennt die Klientel zum Wunderheiler, so ist sie wenigstens unter fachlicher Kontrolle!
2. Schweinerei
scottbreed 01.09.2014
Ich mußte 50 Euro fürn Augenarzt Termin bezahlen damit ich gleich drankommen kann.. Sonst hätte ich nen viertel Jahr warten dürfen.. dann am Termin sind noch extra Leistungen gekommen.. 19 Euro dafür 29 hierfür und 15 danoch.. aber immer vor Behandlung mußte gleich bezahlt werden in bar..
3.
sylkeheimlich 01.09.2014
Die einzige Selbstzahler-Leistung, die ich jedes Jahr in Anspruch nehme, ist eine Zahnreinigung. Man ist doch Herr seiner Sinne und muss sich nichts auf zwängen lassen! Wenn man in einer Praxis dazu gedrängt wird, kann man doch den Arzt wechseln, der taugt ja dann scheinbar sowieso nichts und denkt nuran sein Honorar.
4. IGeL = notwendige Einnahmequelle
fliegender-robert 01.09.2014
Die Herangehensweise total falsch: Der Betrachtungsgrund ist NICHT die medizinische Notwendigkeit oder Sinn, sondern ausschließlich das Arzt-Einkommen, um damit die (eigentliche) Behandlung des (Kassen-)Patienten zu finanzieren! Quasi ist dies eine SELBSTKOSTENBETEILIGUNG des Patienten an seiner Behandlung, welche nur nicht so genannt wird (werden darf?). Sie wurde im Rahmen der Einführung der Budgeiterung der Arzt-Leistungen eingeführt, um dem Arzt dadurch die Möglichkeit zu geben, die Einnahmeausfälle zu kompensieren. Und das wird nun getan. Also wer etwas an diesem System ändern möchte, muss den Grund für IGeL beseitigen, d.h. die Kostensenkungen / Budgetierungen usw. zurück nehmen.
5.
CancunMM 01.09.2014
Das mit IGEL-Leistungen viel Unheil angerichtet wird ist schon klar, aber nicht alle Leistungen sind Unfug. So sind die neuen Teste auf Blut im Stuhl zur Zeit noch IGEL-Lesitungen, aber besser als die Kassenleistung. Oder eine Impfberatung oder die Tauchtauglichkeitsuntersuchung sind alles IGEL-Leistungen, aber teilweise sinnvoll und notwendig.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Gesundheit auf Twitter

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel:


GESUNDHEITSVORSORGE
DPA

Diese Untersuchungen zahlt die Krankenkasse:

  • Untersuchung auf Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten (halbjährlich)

Jetzt Untersuchungen anzeigen!


Gesundheit auf Twitter

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel: