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Gesundheitsgesetze: Mehr Geld für Vorsorge, schnellere Termine beim Facharzt

In der Arztpraxis: Die Vorsorge soll verbessert werden Zur Großansicht
DPA

In der Arztpraxis: Die Vorsorge soll verbessert werden

Kita, Schule, Betrieb: Überall soll die Gesundheitsvorsorge eine größere Rolle spielen. Zwei vom Bundesrat verabschiedete Gesetze sollen zudem die Impfbereitschaft verbessern und schnellere Facharzttermine garantieren.

Der Bundesrat hat Regeln für eine verbesserte Gesundheitsvorsorge und mehr Impfschutz für die 70 Millionen Krankenversicherten beschlossen. Das Präventionsgesetz nahm damit am Freitag in Berlin die letzte Hürde.

Aufgeführte Ziele sind unter anderem, das Reduzieren des Tabakkonsums, das Senken des Altersdiabetesrisikos und das frühe Erkennen und Behandeln von Depressionen.

Insgesamt sollen die gesetzlichen Krankenkassen vom kommenden Jahr an sieben Euro statt bislang 3,09 Euro pro Versichertem und Jahr für Gesundheitsförderung ausgeben. Die jährlichen Mehrkosten zulasten der Kranken- und Pflegekassen werden auf mehr als 300 Millionen Euro veranschlagt.

Die Kassen hatten zuvor kritisiert, dass rund 35 Millionen Euro zur Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) fließen sollen. Das sei Quersubventionierung einer Bundesbehörde durch Versichertengelder, sagte der Vorstand des GKV-Spitzenverbands, Gernot Kiefer.

Betriebe sollen zudem mehr für die Gesundheit ihrer Mitarbeiter tun - etwa in Form von gesundem Kantinenessen, heißt es auf der Seite des Bundesgesundheitsministeriums. Schichtarbeiter oder pflegende Angehörige sollen bestimmte Präventionsangebote leichter in Anspruch nehmen können. Ebenso soll die Gesundheitsförderung in Kitas, Schulen und Pflegeeinrichtungen eine größere Rolle spielen. Auch Selbsthilfegruppen werden durch das Gesetz gestärkt.

Impfschutz stärken

Alle Ärzte, auch Betriebsärzte, können nun Patienten impfen und dies mit der Krankenkasse abrechnen. Ein Patient darf nicht abgewiesen werden, wenn er eine nötige Schutzimpfung wünscht. Vor dem Kita-Eintritt eines Kindes muss eine ärztliche Impfberatung nachgewiesen werden. Bei jeder Gesundheitsuntersuchung von Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen soll es eine Impfberatung geben und nötigenfalls auch eine Impfung. Bis zum 18. Lebensjahr erhalten Jugendliche eine zusätzliche Gesundheitsuntersuchung.

Behörden wie Gesundheitsämter können ungeimpfte Kinder und Erwachsene künftig beim Auftreten von Masern zudem vom Besuch von Gemeinschaftseinrichtungen vorübergehend ausschließen. Medizinische Einrichtungen wie Kliniken dürfen die Einstellung von Personal vom erforderlichen Impf- und Immunschutz abhängig machen. Zudem können Krankenkassen Impfungen mit einem Bonus belohnen.

Facharzttermin binnen vier Wochen

Laut dem Versorgungsstärkungsgesetz, das der Bundesrat ebenfalls am Freitag passieren ließ, sollen gesetzlich Versicherte künftig spätestens binnen vier Wochen einen Facharzttermin erhalten. Neue Terminservicestellen der regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen sollen Versicherten notfalls innerhalb den Termin vermitteln. Sollte dies nicht möglich sein, kann der Patient ein Krankenhaus aufsuchen. Dieser Besuch wird dann aus dem Honorartopf der niedergelassenen Ärzte bezahlt.

Um die ärztliche Versorgung auf dem Land zu verbessern, sollen vor allem junge Ärzte sollen mit finanziellen Anreizen für eine Niederlassung in ländlichen Regionen gewonnen werden. Freiwerdende Arztpraxen in überversorgten Gebieten sollen ab einem bestimmten Grad der Überversorgung nicht nachbesetzt werden.

wbr/dpa/AFP

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insgesamt 10 Beiträge
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1. Mogelpackung
vhn 10.07.2015
Die Versorgung wird sich nicht verbessern. Das Gegenteil ist der Fall. Zunächst kann man mit einer Vermittlungsstelle ja auch keine Fachärzte produzieren und es ist ja nicht so, dass "vergessene" Fachärzte verzweifelt Patienten suchen. Weiterhin plant dieses Gesetz den Abbau von vorhandenen Praxen! "Mit dem Versorgungsstärkungsgesetz plant die Bundesregierung, Praxissitze von Ärzten oder Psychotherapeuten nicht wieder zu besetzen, wenn in einer Region zu viele Praxen existieren. Von einer Überversorgung geht man aus, wenn die vorhandenen Praxen über 110 Prozent der Anzahl der Praxen liegen, die die Bedarfsplanung vorgibt. Ein Bedarf an psychotherapeutischen Behandlungsplätzen wurde bisher nie ermittelt, obwohl der Begriff „Bedarfsplanung“ dies suggeriert. Vielmehr wurden die psychotherapeutischen Praxen, die am 31. August 1999 existierten, schlicht zum Bedarf erklärt." Quelle: http://www.bptk.de/aktuell/einzelseite/artikel/versorgungss.html Dass in Deutschland eine z.T. hohe Anspruchshaltung besteht, mag sein. Es ist jedoch eine Frechheit dieser Regierung, ein Gesetz "Versorgungsstärkungsgesetz" zu nennen, welches in Wahrheit die Versorgung längerfristig einschränkt. Man sollte doch zumindest bestrebt sein, das aktuelle Niveau zu halten.
2. Lieber kein Arzt als der falsche
meinmein 10.07.2015
Viele Praxen haben mittlerweile mehrer Ärzte. Da ist der erfahrene Urologe meines Vertrauens und dann sind da noch eine junge Ärztin und ein Kollege, der nur noch halbtags arbeitet. Wenn ich nun unbedingt in der gesetzlichen Frist einen Termin haben möchte, lande ich bei der Ärztin, die nach Schema F vorgeht und mir gar nicht zuhört, sondern mit Maus und Bildschirm beschäftigt ist zwecks Dokumentation. Zu der will ich nicht!
3.
mayazi 10.07.2015
Wie sollen die Ärztinnen und Ärzte in den Krankenhäusern diese Mehrarbeit noch bewältigen können?
4. Leider undurchdacht
lenny1000 11.07.2015
Das Gesetz bezüglich Facharztversorgung ist schlicht und einfach undurchdacht und man kann nur hoffen, dass möglichst wenige Menschen sich daran beteiligen werden. Zum einen sollte einem klar sein, dass wenn man sich alternativ in einem Krankenhaus behandeln lässt, man es dort mit einem Assistenten zu tun hat, der vielleicht gerade einmal wenige Monate davor sein Studium beendet hat - fast nie arbeiten Fachärzte in den Ambulanzen. Ist das wirklich die Behandlung, die man will, wenn man eigentlich einen Facharzttermin sucht? Zum anderen halte ich es für eine Frechheit, dies aus dem Topf der Niedergelassen zu bezahlen. Dies suggeriert, dass wir (ich selbst bin Facharzt für Neurologie und Psychiatrie) zu wenig arbeiten!? Was soll ich machen, wenn immer mehr Patienten einen Facharzttermin erwarten, da 3 Monate davor mal für 2 Minuten das Endglied des kleinen Fingers gekribbelt hat? Und dann ist man noch eingeschnappt, wenn man ohne Überweisung für ein teures MRT und ein Rezept für Massagen das Sprechzimmer verlässt. Ich sehe weit über 100 Patienten pro Woche, versuche gleichzeitig das Spagat zwischen zu langer Wartezeit und ausreichend Zeit zur Behandlung des einzelnen Patienten in der Sprechstunde hinzubekommen. Wartezeit derzeit um die 6 Wochen. Ich kann diese natürlich verkürzen, dann schreien aber alle wieder, dass man das Behandlungszimmer verlassen muss, kaum dass man es betreten hat. Deutlich mehr verdienen würde ich durch letzteres Verhalten - dies widerspricht aber meinem eigenen Anspruch. Also: was will der Patient letztlich?
5. Facharzttermin binnen vier Wochen ?
ph.latundan 11.07.2015
Zitat von mayaziWie sollen die Ärztinnen und Ärzte in den Krankenhäusern diese Mehrarbeit noch bewältigen können?
ich lebe in einem entwicklungsland sued-ost asiens. hier brauche ich auf einen facharzt-termin ueberhaupt nicht warten. die aerzte sind 2/3 od. mehr tage in der woche in der klinic, die uebrigens mit allem was man so braucht, ausgestattet ist. ich rufe einen halben tag vorher an u. stelle sicher das ich der erste patient bin u. los geht's. und die klinic ist natuerlich 7 tage die woche offen. von 7 uhr morgens bis 8 uhr abends. interesse hier: https://healthway.com.ph/ warum bildet dtld nicht mehr aerzte aus ? und alles ist ueberreguliert. so funktioniert das niemals. eine schande fuer deutschland.
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