Ende der Praxisgebühr: Wofür die 40 gesparten Euro gut sind

Von und

Wellness, Vitamine, Bewegung und Nichtraucher werden: In den Körper investieren Zur Großansicht
CORBIS

Wellness, Vitamine, Bewegung und Nichtraucher werden: In den Körper investieren

Die Praxisgebühr ist Geschichte, ab 2013 fällt die Zehn-Euro-Pauschale beim Arztbesuch weg. 40 Euro jährlich und mehr können Patienten so einsparen. SPIEGEL ONLINE zeigt, wie Sie das Geld gewinnbringend anlegen - für Ihre Gesundheit.

40 Euro gesparte Praxisgebühr? Über ein ganzes Jahr gerechnet ist das ein vernachlässigbarer Betrag, könnte man meinen: Das reicht für einmal Schwarzfahren im Nahverkehr (mit Erwischtwerden), eine ICE-Fahrt von Hamburg nach Berlin (Sparpreis) oder eine sehr kleine Tankfüllung (Smart). Weit kommt man damit also nicht.

Doch wenn die 40 Euro sinnvoll investiert werden, kann die Rendite erstaunlich sein. Nicht am Aktienmarkt, schon gar nicht auf dem Sparkonto, aber im eigenen Körper: Hier kommen fünf Tipps, wie Sie die das gesparte Geld für Ihre Gesundheit anlegen können.

  • Eine Wellness-Auszeit in der Therme
    Investieren Sie die 40 Euro in Ihr Wohlbefinden. Ein Saunabesuch, eine Dauerkarte für das örtliche Schwimmbad oder ein Tag in der nächstgelegenen Therme. Die Schwimmbad-Dauerkarte hat das höchste Gesundheitspotential: Regelmäßiges Schwimmen stärkt die Muskulatur und trainiert das Herz-Kreislauf-System. Aber auch die Sauna zahlt sich aus. Sie verbreitet nicht nur ein wunderbar wohliges Gefühl im Körper, sondern vermehrt auch die Abwehrstoffe in den Schleimhäuten und stärkt so die Abwehrkräfte.
  • Nichtraucher werden
    Eine Vielzahl von Kursen kann helfen, von der Zigarette wegzukommen. Viele Krankenkassen übernehmen einen großen Teil der Kosten, den Rest können Sie mit Ihrer eingesparten Praxisgebühr begleichen. Das Beste daran: Sie sparen noch eine Menge mehr Geld - genug für ein schönes Entspannungsprogramm. Der Weg zum Nichtrauchersein erfordert allerdings Stärke. Rauchen kann körperlich und seelisch abhängig machen. Gerade deshalb ist es ratsam, sich Hilfe zu holen.
  • Eine Saftpresse kaufen
    Frisch gepresster Saft ist etwas Feines. Leider gibt es ihn häufig nur beim Obst- und Gemüsehändler. Schluss damit. Kaufen Sie sich eine schöne Saftpresse und gleich reifes Obst zum Sparpreis dazu. Das ist Gesundheit, die mal richtig gut schmeckt! Die Vitaminpillen können dann auch im Schrank liegen bleiben, die bringen nämlich eh nichts.
  • Impfberatung vor der nächsten Fernreise
    Eine reisemedizinische Beratung kann sich vor einem Urlaub in der Ferne richtig lohnen - vor allem, wenn es in ein tropisches Land geht. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten allerdings nicht, die Beratung zählt zu den Igel-Leistungen. Das Gespräch gibt es ab zehn Euro, Impfungen kosten extra.
  • Einen Tag komplett untertauchen
    Zugegeben, eigentlich sollte man sich möglichst viel bewegen. Manche Menschen hasten allerdings nur von einem Termin zum anderen und gönnen sich kaum Ruhe. Also: Nutzen Sie die 40 Euro, um sich einen ganzen Tag lang zu Hause zu verschanzen. Nehmen Sie ein Bad mit einem hochwertigen Öl oder eine Pflegedusche, bestellen Sie sich etwas Leckeres (und auch Gesundes), schalten Sie dann möglichst schnell Ihr Handy aus, genießen Sie ein Glas guten Wein und gucken Sie einen Film oder lesen Sie ein Buch. Tut gut, oder?

Regelmäßiger Zahnarztbesuch? 80 Euro Praxisgebühr gespart

Wer regelmäßig zum Zahnarzt muss, der spart ab sofort noch mehr - bei je einem Besuch pro Quartal haben leidgeplagte Patienten ab nächstem Jahr 80 Euro mehr zur Verfügung. Hier kommen fünf Tipps, wie Sie damit das eigene Wohlbefinden steigern können.

  • Die Ernährung überprüfen
    Bei der Ernährungsberatung analysiert eine Ökotrophologin, wie ausgewogen Sie sich ernähren. Umsetzen müssen Sie die Tipps zur gesunden Ernährungsweise dann selbst, doch ein Anfang ist gemacht. 80 Euro sind ein wenig knapp für eine Erstberatung - doch mit etwas Suchen finden Sie auch für diese Summe einen Ernährungsberater in der Nähe.
  • Gesund kochen lernen
    Statt einer Ernährungsberatung können Sie gleich zur Tat schreiten. Kurse für gesundes Kochen gibt es von verschiedenen Anbietern, wichtig ist, dass der Kurs so praktisch wie möglich abläuft - also am Herd, nicht im Klassenzimmer.
  • Eine professionelle Zahnreinigung
    Die Selbstzahlerleistung (Igel) der Zahnärzte ist nicht unumstritten. Der Igel-Monitor des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen kommt zum Ergebnis, dass der Nutzen einer professionellen Zahnreinigung bei Erwachsenen ohne Parodontitis "unklar" sei, eindeutige Studienergebnisse fehlen. Allerdings seien kaum Schäden zu erwarten. Wer regelmäßig Schwierigkeiten mit den Zähnen hat, kann es ja einfach mal für sich ausprobieren.
  • Ein Schnuppertermin bei einem Personal Trainer
    Die Motivation beim Sport fehlt von Zeit zu Zeit? Das kennen wir nur zu gut! Dabei ist Bewegung ohne Frage wichtig für die Gesundheit. Sie verlängert das Leben und macht zufrieden. Vielleicht kann ja ein Personal Trainer dabei helfen, den inneren Schweinehund zu überwinden und endlich ein paar Übungen zu finden, die auch Ihnen richtig Spaß machen.
  • Eine Tageslichtlampe anschaffen
    Draußen machen sich die Sonnenstrahlen rar, es wird spät hell und früh dunkel. Eine Tageslichtlampe bringt die fehlende Helligkeit nach Hause und kann die trübe Herbst- und Winterstimmung erträglicher machen.

So investiert SPIEGEL ONLINE in die Gesundheit

Und das machen die SPIEGEL ONLINE-Redakteure mit ihren gewonnenen Praxis-Euros - das Ergebnis unserer nicht repräsentativen Redaktionsumfrage:

  • Unsere Reiseredaktion freut sich auf eine (40 Euro) oder sogar zwei (80 Euro) Runden Golf mehr pro Jahr - exzellentes Ausdauertraining für Herz und Kreislauf.
  • Ein Netzwelt-Redakteur investiert in Handschuhe und Gamaschen, um endlich auch bei Regen und Schnee trocken mit dem Fahrrad in die Redaktion zu kommen. Auch das Radfahren stärkt vor allem die körperliche Ausdauer.
  • Die Redaktionsassistenz wünscht sich ein Wärmekissen für den Nacken. Für das Restgeld kauft sie sich Yogitee, der hält von innen warm und gesund.
  • Unser Grafiker bestellt ein bis zwei Bio-Obst/Gemüsekisten vom Demeterhof oder einem anderen Anbieter. Drin stecken saisonale, regionale Produkte aus biologischem Anbau - und Abwechslung auf dem Speiseplan.
  • Der Unispiegel setzt auf 20 Säcke Orangen und sichert sich dadurch genug Vitamin C für den ganzen Winter!

Wir sind gespannt: Was tun Sie nächstes Jahr für Ihre Gesundheit mit den gesparten Euro, die Sie nicht für die Praxisgebühr ausgeben müssen? Schreiben Sie uns eine E-Mail an praxisgebuehr@spiegel.de!

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 58 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
sagichned 09.11.2012
Für den Zahnarzt muss man extra hinblättern, also nochmal zurück zum Taschenrechner.
2. 50
Fluchtwagenfahrer 09.11.2012
...ich spare sogar 50 € Praxisgebühr, da mein Zahnarzt auch jährlich etwas zu tun hat :-) ... danke für den hübschen Artikel!
3.
7eggert 09.11.2012
Zitat von sagichnedFür den Zahnarzt muss man extra hinblättern, also nochmal zurück zum Taschenrechner.
Dito für Notfälle.
4. 120 Euro
Agiluk 09.11.2012
Die Rede ist immer wieder von 40 € Praxisgebühr pro Jahr. Tatsächlich sind es bis zu 120 €. Nicht nur der Hausarzt und der Zahnarzt kassieren pro Quartal, auch der Notdienst am Wochende kassiert nochmals. Also kann man in einer Woche 30 € Praxisgebühr loswerden. Oder für vier Arzttermine 40 €. Das belohnt diejenigen, die ständig zu irgendeinem Arzt laufen: Dann wirds im Schnitt billiger. Sehr sinnvoll.
5. Gesundheitserziehung der letzten Jahre aufbrauchen!!
achimedes 09.11.2012
Die Praxisgebühr war sinnvoll, um auch den Wert in allen Berechnungen miteinfließen zu lassen. Was sind wenige Minuten zur Überprüfung, ob ein Patient,max.vier Mal im Jahr -diese Gebhr bezahlt hat,im gegensatz,zu den horrenden Beträgen,die im Gesundheitswesen durch die Hände gehen ? Vermittelt werden sollte, das auch hier, wie in jedem anderen Betrieb Geld verdient, aber teilweise auch geschaufelt wird. Das ist nicht viel: 10,- Euro zu zahlen ! Wenn es um die Gesundheit geht ! Nun ist es so, das vermutlic gerade auch wegen der Praxisgebühr,der Etat der Krankenkassen,in dem Lernprozeß,seid Einführung derselben,neben den hohen Lohnnebenkosten gestiegen ist. Krankheit war kein vermittelnder Wert noch,zumindest war die Schranke vorhanden,das mit ihr-auch sehr viel Geld verdient wird. Denn die Blockade,durch den 10,- Euro Schein war gerade,darüber nachzudenken,den der Patient ist oben drein,aus dem Ryhtmus der Abhängigkeit von Geld,und seiner Beziehung -zum Geld-nicht zu trennen !Dies bedeutet,das vermutlich viele nun Krnak werden,um sich einzubilden,das sie daran verdienen.Und daran verdienen nicht die Krankenkassen,sondern die Ärzte,die Pharmaclientel,und das Gesundheitswesen.Nach dem Motto,ich mach mir eine ruhige Zeit,geh zum Arzt und laß mir was verschreiben,da es eh nicht um Geld geht,sondern um zu beanspruchende Sozialleistung. Am 1. April 2005 schloss die Kassenärztliche Bundesvereinigung aus Stichprobenerhebungen für das Jahr 2004 auf einen nachhaltigen Rückgang der Patientenzahlen. Die Stichproben zeigten einen Rückgang um insgesamt 8,7 %. Insbesondere Augenärzte (−10,9 %), Chirurgen (−11,6 %), Gynäkologen (−15,1 %), Hals-Nasen-Ohren-Ärzte (−11,1 %), Hautärzte (−17,5 %) und Orthopäden (−11,3 %) wurden weniger besucht.In den vier Jahren seit ihrer Einführung habe die Praxisgebühr der GKV etwa 6,5 Milliarden € Einnahmen verschafft.--siehe Wikipedia.Fazit:Die Gesellschaft gesundet niemals finanziel,an eingebildeten Kranken !! Das Geld wird von den Krankenkassen,die dringend Altenwohnungen bauen müssen,in die Hände der Pharmalobby gespült !Menschen werden so nicht gesundt!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Gesundheit
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Diagnose & Therapie
RSS
alles zum Thema Praxisgebühr
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 58 Kommentare
Zum Autor
  • Dennis Ballwieser ist Arzt. In München machte er Narkose, in Hamburg schreibt er über Medizin. Er ist Redakteur im Ressort Gesundheit bei SPIEGEL ONLINE.
Zur Autorin
  • Jeannette Corbeau
    Irene Berres, studierte Wissenschaftsjournalistin, hat sich auf Themen rund um den Körper spezialisiert. Sie ist Redakteurin im Ressort Gesundheit bei SPIEGEL ONLINE.

Vote
Arztbesuche

Wie viel Praxisgebühr haben Sie jährlich etwa bezahlt?

Gesundheit auf Twitter

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel: