Todesfall Prince Was ist Fentanyl?

Popstar Prince ist offenbar an einer Überdosis des Schmerzmittels Fentanyl gestorben. Es ist schwer zu dosieren und deshalb umstritten. Drogenabhängige gelangen mit drastischen Methoden an den Stoff.

Ampulle mit Fentanyl
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Ampulle mit Fentanyl

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Es hatte bereits kurz nach seinem Tod Gerüchte gegeben - nun wurden sie durch den Bericht der Gerichtsmediziner bestätigt: Popstar Prince ist im April nicht an einer natürlichen Ursache gestorben, sein Tod geht auf das Konto einer Überdosis Schmerzmittel. Offenbar hat der Musiker das Medikament Fentanyl zu sich genommen - bisher wird von einem Unfall ausgegangen.

Das synthetische Opioid ist ein sehr starkes Schmerzmittel. Es wird vor allem in der Krebstherapie bei den krankheitstypischen Durchbruchsschmerzen verwendet, kommt aber auch in der Palliativpflege zum Einsatz, ebenso wie bei starken, chronischen Schmerzen. Auch in der Anästhesie wird es in Kombination mit Schlafmitteln angewandt sowie postoperativ.

Die Verabreichung kann intravenös, als Nasenspray oder Lutschtablette erfolgen. Bei der Langzeittherapie im Pflegebereich werden aber besonders häufig Pflaster eingesetzt: Weil der Wirkstoff über die Haut aufgenommen werden kann, wird dem Patienten im Abstand von einigen Tagen jeweils im Wechsel ein Pflaster etwa auf die Schulterblätter oder die Brust geklebt. Es gibt dann konstant Wirkstoff ab und lindert die Schmerzen so über einen langen Zeitraum. Allerdings dauert es bei der ersten Gabe bis zu 24 Stunden, bis eine Wirkung eintritt.

Mit den Pflastern ist Vorsicht geboten. Es ist schon zu tödlichen Vergiftungen etwa bei Kindern gekommen, weil sich die transparenten Klebeteile bei Patienten gelöst haben und durch engen Körperkontakt an Unbeteiligten haften geblieben sind, ohne dass diese es bemerkt haben. Der Besitz ohne Rezept vom Arzt sowie der Weiterverkauf sind illegal. In Deutschland unterliegt Fentanyl dem Betäubungsmittelgesetz.

Tod durch Atemstillstand

Der Wirkstoff wurde in den Sechzigerjahren von dem belgischen Chemiker Paul Janssen auf den Markt gebracht. Er hat ähnliche Eigenschaften wie Morphin, ist aber um ein Vielfaches stärker. Für eine vergleichbare Wirkung wird bei Fentanyl also deutlich weniger Wirkstoff benötigt - deshalb gilt es als schwer dosierbar.

Auch aus Deutschland sind, wie bei Prince vermutet, Unfälle mit Fentanyl bekannt. In München war 2011 etwa eine 46-Jährige gestorben, nachdem ein Arzt ihr gegen einen Hexenschuss ein Fentanyl-Pflaster verabreicht hatte. Bei einer Überdosierung kommt es meist zu einem Atemstillstand und Herz-Kreislauf-Versagen.

Aber noch etwas beunruhigt die Experten: Fentanyl kommt mehr und mehr in der Drogenszene an. Neben der Schmerzlinderung kann der Wirkstoff euphorisch machen - das erhöht das Abhängigkeitspotenzial zusätzlich. Abhängige besorgen sich das Mittel, in dem sie benutzte Fentanyl-Pflaster aus dem Abfallbehälter von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen sammeln. Anschließend kochen sie die Pflaster aus, wodurch sich Wirkstoffreste lösen. Dann wird der Sud injiziert.

Einige Abhängige sollen die Pflaster auch kauen, um den Wirkstoff über die Mundschleimhaut aufzunehmen. Sogar Tote durch den Missbrauch von Fentanyl-Pflastern soll es schon gegeben haben, berichtete das Bayrische Landeskriminalamt. In der Statistiken des Drogenberichts kommt der Stoff aber bisher nicht vor.

Schwarzmarkt für gebrauchte Pflaster

Zudem wird inzwischen auch von einem Schwarzmarkt für die gebrauchten Pflaster berichtet. Ein anderer Bezugsweg ist das Hopping von Arzt zu Arzt - dabei versuchen die Abhängigen, sich die Pflaster verschreiben zu lassen. Auch Rezeptbetrug ist möglich. Um die Beschaffungsmöglichkeitenwege einzudämmen, empfiehlt etwa das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, die Pflaster zu sammeln und nicht mehr in den normalen Müll zu werfen.

In den USA ist das Problem durch den Missbrauch von Fentanyl schon länger bekannt. Dort kam es laut der Anti-Drogen-Behörde DEA zwischen Ende 2013 und 2014 zu mehr als 700 Todesfällen durch Überdosierungen. Das Mittel wurde etwa benutzt, um Heroin zu strecken. Es soll zudem leicht und günstig illegal hergestellt werden können. Die DEA stuft Fentanyl in derselben Kategorie ein wie etwa Ritalin. In dieser Kategorie II sind Substanzen gelistet, die schnell eine hohe Abhängigkeit verursachen können.

Im Fall von Prince ist bisher nicht geklärt, ob ein Rezept für ein Medikament vorlag. Laut den Angaben eines Freundes soll der Musiker unter starken Knie- und Hüftproblemen gelitten haben. Woher er das Fentanyl hatte, soll nun ermittelt werden.



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