Schlafen wollen und doch nicht schlafen können, das ist Stress. Wer nachts wachliegt, die Decke anstarrt, sich von links nach rechts und wieder zurückwälzt, der fühlt sich am nächsten Morgen weder ausgeruht noch motiviert. Die Vorstellung, dass Schlafstörungen Herz und Kreislauf belasten könnten, ist einleuchtend - der Zusammenhang gilt mittlerweile als wissenschaftlich belegt.
Forscher konnten bereits in mehreren Studien zeigen, dass es eine statistische Verbindung zwischen der gestörten Nachtruhe und Herz-Kreislauf-Krankheiten gibt. Jetzt legen norwegische Forscher nach: In der bisher größten Studie zum Thema haben sie untersucht, ob Schlafstörungen und die Herzinsuffizienz - das sich meist schleichend verschlechternde Herzversagen - gemeinsam auftreten.
Wer Probleme beim Einschlafen oder Durchschlafen hat oder den eigenen Schlaf als nicht regenerierend empfindet, der hat ein erhöhtes Risiko für eine Herzinsuffizienz, berichten Lars Laugsand von der Universität Trondheim und seine Kollegen im Fachmagazin "European Heart Journal". Für ihre Untersuchung beobachteten die Wissenschaftler mehr als 54.000 Norweger im Alter von 20 bis 89 Jahren durchschnittlich über mehr als elf Jahre.
Kein Beweis, dass Schlafstörung die Ursache ist
Die Studie kann nicht beweisen, dass die Schlafstörung direkt für das erhöhte Herzinsuffizienz-Risiko verantwortlich ist - doch die Forscher halten dies für möglich: "Wir wissen nicht, ob die Herzinsuffizienz von der Schlaflosigkeit ausgelöst wird, aber falls es so wäre, wäre eine Schlafstörung eine behandelbare Krankheit", sagt Studienautor Laugsand. "Es gibt Methoden wie einfache Anleitungen zum Schlafverhalten, psychologische oder medikamentöse Therapien."
Der Zusammenhang zwischen Stressreaktionen des Körpers und dem Risiko für Herzkrankheiten könnte erklären, wie Schlafprobleme das Herzversagen mit auslösen könnten: Mangelt es dem Körper wegen des fehlenden Schlafs an Ruhe, setzt er Stresshormone frei. Die wiederum können sich negativ aufs Herz auswirken, wenn ihr Spiegel dauerhaft erhöht ist. Allerdings führen unter Schlaflosigkeit leidende Menschen meist ein insgesamt risikoreiches Leben für das Herz: Viele von ihnen sind übergewichtig, bewegen sich zu wenig und leiden unter Stress. Die genauen Ursachen für ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten auseinanderzuhalten, ist deshalb schwierig.
Erholsamer Schlaf könnte Einschlafprobleme ausgleichen
Die Studienteilnehmer durften zu Untersuchungsbeginn noch nicht an Herzinsuffizienz leiden. Bis 2008 erkrankten insgesamt 1412 der Norweger an dieser Form des Herzversagens, bei der der Herzmuskel zu schwach, zu dick oder unbeweglich werden kann. Die untersuchten Männer und Frauen wurden zu ihrem Schlafverhalten und einer Vielzahl weiterer Parameter befragt. So konnten die Forscher anschließend verzerrende Faktoren wie zum Beispiel die Lebensumstände, Blutdruck, Cholesterinwerte, Körpergröße und -gewicht, Sportlichkeit sowie Depressionen und Angststörungen aus den Ergebnissen herausrechnen.
Auch nachdem die Daten so bereinigt worden waren, blieb das Risiko für eine Herzinsuffizienz erhöht, wenn Teilnehmer nahezu jede Nacht unter Einschlafstörungen oder Durchschlafstörungen litten, beziehungsweise wenn sie mindestens einmal wöchentlich den Schlaf als nicht erholsam bewerteten. Besonders hoch war das Herzversagensrisiko bei jenen Patienten, die unter allen drei Problemen litten. Einige Daten weisen darauf hin, dass zum Beispiel ein erhöhtes Risiko durch Einschlafstörungen mit Hilfe eines erholsamen und durchgehenden Schlafs ausgeglichen werden könnte.
Die Untersuchung hat auch außer dem fehlenden direkten Nachweis des Zusammenhangs von Schlaf und Herzproblemen mehrere Schwachpunkte. Die Wissenschaftler erforschten den Schlaf der Teilnehmer nicht im Schlaflabor - obwohl auch im Schlaflabor nicht alle Formen von Schlafstörungen aufgedeckt werden können. Die Forscher konnten so aber zum Beispiel nicht erkennen, ob Patienten unter regelmäßigen Atemaussetzern während des Schlafs leiden, der sogenannten Schlafapnoe. Diese Krankheit erhöht bereits von sich aus das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten. Zudem füllten die Teilnehmer den Fragebogen zur Schlaflosigkeit nur zu Studienbeginn aus. Außerdem sind die Ergebnisse, so die norwegischen Forscher, nicht ohne weiteres auf andere Länder und Patienten über 70 Jahren übertragbar.
dba
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