Marktanalyse: So teuer ist die professionelle Zahnreinigung

Plaque, Zahnstein, Ablagerungen: All das soll bei der professionellen Zahnreinigung möglichst vollständig verschwinden. Doch der Zahnputz vom Experten hat seinen Preis - und der kann ganz unterschiedlich ausfallen. Verbraucherschützer raten, die Angebote gründlich zu vergleichen.

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Untersuchung beim Zahnarzt: Ablagerungen werden bei der Zahnreinigung entfernt

Das Gebiss soll wie neu glänzen, Ablagerungen sollen verschwinden - und gegen Karies will man auch bestens gewappnet sein: Viele Menschen gehen aus diesen Gründen zur professionellen Zahnreinigung (PZR) beim Zahnarzt. Bevor man sich dazu entschließt, sollte man einen Preisvergleich bei verschiedenen Zahnärzten machen - das kann sich unter Umständen lohnen, wie die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz erklärt.

In einem aktuellen Marktcheck haben die Verbraucherschützer ermittelt, dass der Preis für eine gründliche Säuberungsaktion im Mund sehr stark schwanken kann: Je nach Abrechnungssatz stellen Praxen für 28 Zähne zwischen 40 und 250 Euro in Rechnung.

Deshalb gilt für die Patienten: Vor dem Besuch beim Zahnarzt sollten sie sich genau erkundigen, welche Leistungen das Angebot umfasst. Die Verbraucherzentrale rät sogar dazu, auf einem schriftlichen Kostenvoranschlag zu bestehen. Die Verbraucherschützer empfehlen, bei der Krankenkasse oder dem privaten Zahnzusatzversicherer nach einer Kostenübernahme zu fragen. Manche Kassen und Versicherungen kommen voll, andere teilweise für die Zahnreinigung auf.

Zahnarztwahl mitunter eingeschränkt

Für ihren Marktcheck untersuchten die Verbraucherschützer insgesamt 39 Zahnarztpraxen, 57 gesetzliche Krankenkassen sowie 27 private Zusatzversicherer. Nach Angaben der Verbraucherzentrale beteiligen sich 38 der befragten Kassen zumindest anteilig unter bestimmten Bedingungen an den Kosten für eine PZR. Ein Großteil der Kassen trägt die Kosten demnach jedoch nur, wenn der Patient einen bestimmten Zahnarzt aufsucht.

Die Analyse der Verbraucherzentrale ergab auch, dass die 27 privaten Zusatzversicherer 126 ausgestaltete Tarife anbieten. Nur fünf davon übernehmen demnach eine oder zwei komplette PZR pro Jahr; 16 Versicherer begrenzen die hundertprozentige Kostenübernahme auf Beträge zwischen 50 und 150 Euro.

Grundsätzlich ist die professionelle Zahnreinigung eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL), die der Patient aus eigener Tasche finanzieren muss. Die Kosten hängen den Verbraucherschützern zufolge davon ab, wie umfangreich und aufwendig der Patient behandelt wird und welchen Abrechnungssatz der Zahnarzt anwendet. Setzt er nur den 1,0-fachen Satz an, kostet die Reinigung für zum Beispiel 28 Zähne nur 43,96 Euro. Beim 2,3-fachen Satz sind es 101,36 Euro. Wendet der Zahnarzt einen noch höheren Satz an, muss er das verständlich und nachvollziehbar schriftlich begründen.

Karies
Bakterienschaden
Bakterien im Mund sind völlig normal: Sie gehören zur Mundflora dazu, mehr als 700 verschiedene Bakterienarten tummeln sich in der Mundhöhle. Ist die Mundflora im Gleichgewicht, schützen die dort angesiedelten Bakterien sogar vor Infektionen mit krankmachenden Erregern.

Nach dem Essen bilden die Bakterien gemeinsam mit Speichel einen Biofilm auf den Zähnen, Plaque genannt. Dieser muss regelmäßig entfernt werden. Ansonsten vermehren sich vor allem jene Bakterien, die Karies verursachen können, insbesondere dann, wenn ihnen unbegrenzt Zucker zur Verfügung steht, denn der unterstützt ihren Stoffwechsel. Die Karieskeime, zu denen unter anderem Lactobazillen und verschiedene Streptokokken zählen, produzieren organische Säuren, die den Zahnschmelz angreifen. Karies entsteht.
Vorstufen
Bevor das berühmte Loch im Zahn auftritt, fallen bereits weiße Flecken auf den Zähnen auf. Das sind Stellen, an denen dem Zahn Mineralien fehlen, was noch heilbar ist. Unter anderem deswegen wird Zahnpasta Fluorid zugesetzt: Das Fluorid soll dafür sorgen, dass Mineralien aus dem Speichel wieder in den Zahnschmelz eingebaut werden.
Gefährdete Zähne
Bei Kleinkindern entsteht Karies vor allem am Zahnfleischrand an den oberen Schneidezähnen, Zahnärzte nennen das Nuckelflaschenkaries. Im Kindesalter sind dagegen vor allem die Kauflächen der Backenzähne betroffen. Bei Erwachsenen schließlich sitzt Karies in engen Zahnzwischenräumen. Erst im Seniorenalter kommt es häufiger zu Wurzelkaries an freiligenden Zahnhälsen.
Folgen
Neben unangenehmen Behandlungen beim Zahnarzt droht der Verlust der kariösen Zähne. Je früher der Zahn behandelt wird, desto besser stehen die Chancen, ihn erhalten zu können. Dabei versucht der Zahnarzt zunächst, die Bakterien daran zu hindern, sich weiter auszubreiten. Der Zahnarzt alleine kann allerdings nicht viel bewirken, wenn der Patient nicht mitmacht: Eine gute Mundhygiene ist Pflicht, damit der Zahn gerettet werden kann.
Vorbeugung
Zahnärzte nennen drei Säulen der Prophylaxe: eine gesunde Ernährung, die gründliche Mundhygiene und regelmäßige Fluoridierung. Zusätzlich gibt es in vielen Zahnarztpraxen Angebote für eine professionelle Zahnreinigung.
Schutz bei Kleinkindern
Stillen gilt als natürlicher Schutz vor Karies. Geht das nicht, kommt es auf die richtigen Sauger an. Die Flasche sollten Kleinkinder nur zu den Mahlzeiten bekommen oder zum Durstlöschen. Und auch dann sollten nur ungesüßte Getränke in der Flasche sein: Wasser oder Tee. Sobald das Kind Zähne hat, sollten man diese mit einer fluoridhaltigen Kleinkindzahnpasta putzen. Sie sollte etwa 500 ppm Fluorid enthalten. Die Angabe steht im Kleingedruckten auf der Tube.
Schutz bei Kindern bis sechs Jahren
Kinder, die ihre Milchzähne haben und selbst Zähne putzen können, sollten das zweimal täglich mit fluoridhaltiger Kinderzahnpasta tun. Damit die Zähne komplett geputzt werden, empfehlen Zahnärzte die "KAI-Methode": zuerst die Kauflächen, dann die Außen- und die Innenseite der Zähne.

Die Zahnpasta für Kleinkinder sollte etwa 500 ppm Fluorid enthalten. Die Angabe steht im Kleingedruckten auf der Tube.
Zähneputzen bei Schulkindern
Mit den ersten bleibenden Zähnen gibt es auch eine neue Zahnpasta für die Kinder: 1500 ppm Fluorid empfehlen Zahnärzte, die Angabe steht im Kleingedruckten auf der Tube. Geputzt wird weiterhin zweimal täglich mindestens zwei Minuten. Weil die bleibenden Zähne enger stehen als die Milchzähne, sollten sich Schulkinder an den Gebrauch von Zahnseide gewöhnen. Einmal täglich empfehlen Zahnärzte.
Tipps für Erwachsene
Natürlich müssen auch Erwachsene nach der KAI-Regel zweimal täglich Zähne putzen. Wichtig ist aber vor allem, die Zahnzwischenräume mit Zahnseide zu reinigen. Gepflegt werden sollte auch das Zahnfleisch, sonst entstehen Schäden am Zahnhals - wo Karies sich schneller ausbreiten kann.
Zahnbürste und Zahnpasta
Die Zahnbürste sollte man alle drei Monate wechseln. Fragen Sie Ihren Zahnarzt, wenn Sie unsicher sind, welche die richtige für Sie ist.

Die Zahnpasta sollte einen Fluoridgehalt von 1.400 bis 1.500 ppm haben, die Angabe steht im Kleingedruckten auf der Tube.
Informationen

Wie nützlich eine PZR wirklich ist, darüber streiten Ärzte. Zumindest kam jüngst der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes der Krankenversicherungen (MDS) in seinem Igel-Monitor zu dem Ergebnis, dass die Bewertung einer PZR bei Erwachsenen ohne Parodontitis unklar sei. Als Begründung gibt der MDS den Mangel an aussagekräftigen Studien an, die den positiven Nutzen für die PZR eindeutig belegen würden. Zahnärzte jedoch sehen das anders: 70 Prozent der Patienten würden bereits an einer Parodontitis leiden - für sie sei der Nutzen eindeutig belegt.

Entscheidet man sich für eine PZR, sollte man ein paar Dinge beachten: Eine Zahnreinigung sollte immer eine zahnmedizinische Untersuchung und Erläuterung der Behandlung umfassen. Alle harten und weichen Ablagerungen müssen entfernt sowie alle Zahnoberflächen und -zwischenräume gereinigt werden. Auch eine Politur und eine Fluoridierung gehören dazu. Abschließend sollte der Patient Tipps zur richtigen Mundhygiene bekommen.

cib/dpa

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insgesamt 24 Beiträge
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    Seite 1    
1. Aus meinem Nähkästchen
Psycha 22.05.2013
Man sollte auf jeden Fall zu einem Zahnarzt gehen, der die Zahnreinigung nicht zu einen Pauschalpreis anbietet, sondern einen Preis pro Zeiteinheit, z.B. pro Minute, denn sonst kann es passieren, dass der Zahnarzt nach nur 5 Minuten "brav geputzt" sagt eine Rechnung über 150 Euro ausstellt. Nach meinen Erfahrungen sind auch Zahnärzte zu bevorzugen, die eine speziell dafür ausgebildete Kraft angestellt haben, die arbeiten besser und erfolgreicher.
2. Pure Abzocke
sauerkrautchen 22.05.2013
was heißt: Begründung bei höheren Berechnungssätzen? 3,5fach bei Ausführung durch eine Hilfskraft, 2 x 1/2 Stunde... Ersatzweise auch schon mal eine "Zahnfleischbehandlung" in 2 halbstündige Sitzungen mit grob fehlerhafter Abrechnung für fast 750 Euro... Eine recht lukrative Angelegenheit für einen unserer so armen Zahnärzte...
3. optional
schierunglaublich 22.05.2013
Sowas lass ich immer im Urlaub machen, z.B. in Thailand - kostet dann 600 Baht fuer eine Stunde Arbeit!
4.
herkurius 22.05.2013
Ich ging als Kassenpatient wegen Zahnschmerzen zum Arzt. (Der Zahn musste später eine Wurzelbehandlung kriegen - aber beim nächsten Zahnarzt). Bei dem Erstbesuch schwärmte der Arzt von den gloriosen Vorteilen einer Professionellen Zahnreinigung und dass sie extra bezahlt werden muss (sonst nichts, keineswegs eine Einwilligung von mir). Bei dem vereinbarten Termin wegen der Zahnschmerzen (zu dem Zeitpunkt war Füllung neue Krone angesagt) sollte ich erstmal 80 Euro für eine professionelle Zahnreinigung vorauszahlen, bevor es an den schmerzenden Zahn ging. Nein danke. Zumal meine AOK die Professionelle Zahnreinigung zu der Zeit in ihrer eigenen Zahnklinik kostenlos anbot, sofern man sich bindend verpflichtete, jedes Jahr wiederzukommen.
5.
vogtnuernberg 22.05.2013
Zitat von sysopOBSPlaque, Zahnstein, Ablagerungen: All das soll bei der professionellen Zahnreinigung möglichst vollständig verschwinden. Doch der Zahnputz vom Experten hat seinen Preis - und der kann ganz unterschiedlich ausfallen. Verbraucherschützer raten, die Angebote gründlich zu vergleichen. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/professionelle-zahnreinigung-so-teuer-ist-eine-pzr-a-901073.html
Mein Zahnarzt, bei dem wir seit 20 Jahren sind verlangt 100 Euro für eine 3/4h Reinigung. Das Ergebnis ist immer sehr gut. Warum sollte ich da einen Kostenvoranschlag mir unbekannter Zahnärzte einfordern und wegen vielleicht 10 Euro Ersparnis zu einem anderen Zahnarzt gehen, der dann für andere Dienste Geld verlangt? Der Zahncheck unserer 4jährigen Tochter kostet knapp über 10 Euro, andere Ärzte verlangen auch da deutlich mehr, oder rechnen mit 3,5fachen Satz ab, weil sie den Mund nicht sofort aufmachen möchte. Abgesehen davon: Unter 150 Euro verlange ich nie Kostenvoranschläge, weil ich da recht gut noch selber Preis und Leistung abschätzen kann. Der Zeitaufwand einen Kostenvoranschlag einzufordern ist mir einfach zu groß - für 20 Minuten Bearbeitungszeit müsste ich schon ca. 30 Euro in eigene Rechnung stellen.
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