Prostatakrebs Fettleibigkeit mindert Therapiechancen

Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern in Deutschland - und Übergewichtige sterben eher daran, wie eine neue Studie zeigt: Therapien schlagen bei Fettleibigen demnach weniger gut an. Mediziner fordern andere Heilungsmethoden.

Prostatakrebs-Therapie: Eine Frage der Dosis?
DPA

Prostatakrebs-Therapie: Eine Frage der Dosis?


Washington - Nach einer Prostatakrebs-Operation ist der Erfolg der weiteren Therapie bei fettleibigen Männern deutlich schlechter als bei normalgewichtigen. Die Wirksamkeit von Hormonblockern, die ein erneutes Krebswachstum verhindern sollen, werde durch starkes Übergewicht beeinträchtigt, berichten US-amerikanische Mediziner. Dadurch entwickelten sich eher Metastasen, und das Sterberisiko steige, sagten die Forscher auf der Jahrestagung der American Urological Association in Washington. Die Ergebnisse zeigten, dass die Behandlungsmethoden bei Prostatakrebs für fettleibige Patienten dringend verbessert werden müssten.

"Wenn Fettleibigkeit den Verlauf von Prostatakrebs verschlimmert, sollten wir aggressivere Therapien einsetzen", sagte Stephen Freedland von der Duke University in Durham. Sein Forscherteam wertete Daten von Krebspatienten aus, die nach einer operativen Entfernung der Prostata eine Anti-Hormon-Therapie erhalten hatten. Diese sogenannte chemische Kastration bewirkt, dass der Testosteronspiegel sinkt. Sie soll ein erneutes Tumorwachstum verhindern, das durch Testosteron gefördert wird.

Die Studie der Gruppe um Stephen Freedland brachte den Forschern zufolge deutliche Resultate: In einem Zeitraum von vier Jahren entwickelten sich bei 29 von 205 Männern neue Tumoren, zwölf Patienten starben. Im Vergleich zu den normalgewichtigen Patienten kehrte der Krebs bei Fettleibigen mit einer fünffach erhöhten Wahrscheinlichkeit zurück.

Höhere Dosis erforderlich?

Möglicherweise erhöhe die Fettleibigkeit auf noch unbekannte Weise die Aggressivität von Prostata-Tumoren, folgern die Forscher. Es wäre aber auch möglich, dass diese Patienten nicht angemessen therapiert würden. "Vielleicht benötigen fettleibige Männer eine höher dosierte Anti-Hormon-Therapie", sagte Christopher Keto, ein Mitglied der Forschergruppe. Im Unterschied zu vielen anderen Medikamenten werde die Dosis der Hormonblocker nicht an das Körpergewicht angepasst.

Auch zusätzliche Maßnahmen könnten für diese Patientengruppe sinnvoll sein. So wollen die Mediziner in einer neuen Studie untersuchen, ob eine Ernährungsumstellung und körperliches Training während der Anti-Hormon-Behandlung hilfreich wären.

Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern in Deutschland. Bei etwa 64.000 wird die Krankheit jährlich diagnostiziert, etwa 11.500 Männer sterben nach Angabe des Robert Koch-Instituts jährlich daran. Viele Hoffnungen haben sich auf eine bessere Früherkennung gerichtet, um die Krankheit zurückzudrängen: Doch neue Studien bezweifeln den Sinn von Prostatakrebs-Checks. Der Schaden überwiegt demnach den Nutzen.

boj/dapd



zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.