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Urteil der Stiftung Warentest: Ärzte beraten Prostata-Patienten oft schlecht

Gespräch beim Arzt: Mediziner sollen über Vor- und Nachteile der Früherkennung aufklären Zur Großansicht
Corbis

Gespräch beim Arzt: Mediziner sollen über Vor- und Nachteile der Früherkennung aufklären

Ist die Prostatatakrebs-Früherkennung für gesunde Männer sinnvoll? Unklar! Deshalb sollen Ärzte ihre Patienten gründlich über Vor- und Nachteile aufklären. Laut Stiftung Warentest lassen die Beratungen jedoch oft zu wünschen übrig.

"In meinem Bekanntenkreis wird jetzt öfter über Prostatakrebs gesprochen. Muss ich mir deshalb Sorgen machen?" Mit dieser Frage gingen Männer im Auftrag der Stiftung Warentest zum Arzt. Insgesamt suchten die Tester, die zwischen 49 und 67 Jahre alt waren, zehn Urologen und zehn Allgemeinmediziner in Bayern auf. Die Ärzte wussten nicht, dass ihnen ein Tester gegenübersaß, der herausfinden wollte, wie gut die Beratung in Sachen Prostatakrebs-Früherkennung abläuft.

20 Ärzte sind natürlich nur eine kleine Stichprobe. Gleichwohl offenbarte diese deutliche Defizite. "Kein Arzt beriet umfassend und ausgewogen. Viele boten überflüssige Tests an oder machten fachliche Fehler", heißt es in der aktuellen Ausgabe von "test".

Konkret empfahlen die Ärzte drei Methoden zur Früherkennung, teils auch alle zusammen im Kombi-Paket: Tastuntersuchung, PSA-Test und Ultraschall.

Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen ohne einen konkreten Verdacht nur die Tastuntersuchung. Der Ultraschall gilt laut der medizinischen Leitlinie als nicht geeignet für die Früherkennung eines Prostatakarzinoms. Mit dem PSA-Test, einer Blutuntersuchung, lassen sich auch sehr kleine Tumoren aufspüren, die beim Tasten noch nicht auffallen würden. Die Leitlinie empfiehlt diesen Test in Kombination mit dem Abtasten.

Der häufigste Krebs bei Männern

Dass die Früherkennung Risiken bergen kann, kam in der Beratung meist zu kurz. Auf die konkrete Frage nach möglichen Nachteilen, wiegelten viele der Mediziner ab: Darüber könne man sprechen, wenn es so weit sei. Den Nutzen stellten dagegen fast alle Ärzte als zu positiv dar, heißt es bei der Stiftung.

Auch nach Ansicht der ärztlichen Fachgesellschaften, die die Leitlinie verantworten, sollten die Beratungen anders ablaufen. Hausärzten wird nahegelegt, Männer, die nach der Früherkennung fragen, ergebnisoffen aufzuklären und dabei auf den möglichen Nutzen sowie die Risiken in Form von Überdiagnosen und Übertherapien einzugehen. Auch die Urologen mahnen, Männern Vor- und Nachteile darzulegen.

Etwa 70.000 Männer erkranken in Deutschland pro Jahr an Prostatakrebs, mehr als 12.000 sterben an den Folgen. Die Tumoren wachsen oft sehr langsam. Viele Männer sterben in hohem Alter mit, aber nicht an Prostatakrebs - der Tumor hat ihnen nie Probleme bereitet.

Eine große europäische Studie zum PSA-Screening kam zu dem Schluss: Von 10.000 Männern, die zum Screening gingen, wurde pro Jahr mindestens einer vor einem frühzeitigen Tod durch Prostatakrebs bewahrt. Gleichzeitig erhielten 33 Screening-Teilnehmer eine Krebsdiagnose, die sie sonst nicht bekommen hätten.

Mit der Früherkennung bei gesunden Männern werden auch zahlreiche Tumoren entdeckt, die man nicht behandeln müsste. Die Betroffenen sind vom Zeitpunkt einer eindeutigen Diagnose an jedoch Krebspatienten und müssen abwägen, ob sie eine Operation wollen, Bestrahlung, Medikamente oder lediglich regelmäßige Kontrollen beim Arzt, ob sich der Krebs verändert.

Entscheiden sie sich für die operative Entfernung der Prostata, sind Komplikationen wie Inkontinenz und Impotenz möglich. Welche der vier Optionen wirklich die beste ist, das ist noch unklar. Eine große Studie, die derzeit in Deutschland läuft, soll eine Antwort darauf liefern. Allerdings ist die Studie umstritten - bisher gibt es zu wenig Teilnehmer.

Mehr Informationen zu Prostatakrebs finden Sie bei gesundheitsinformation.de.

wbr

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insgesamt 33 Beiträge
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1.
bekkawei 26.03.2015
"Dass die Früherkennung Risiken bergen kann",... So ein Mumpitz! Wo ist das Risiko beim Tasten oder der Blutabnahme? Nicht die Früherkennung birgt Risiken, sondern die Therapie, für die sich der Patient EVENTUELL entscheidet, je nachdem, was die Früherkennung ergeben hat. Es gibt auch genug Simpel, die denken, dass die Früherkennung den Tumor verhindern kann, aber nach dem Artikel wundert mich gar nichts mehr. Die Leute lesen so ein undurchdachtes Zeug und bilden sich dann so seltsame Meinungen. Außerdem geht man in keinem der Beiträge ehrlich darauf ein, dass es die Kostenlawine ist, die man durch die Aufrufe zur Früherkennung losgetreten hat und die man jetzt durch diese Medienbeiträge eindämmen will. "Den mündige Patienten" wollen Gesundheitsbehoerden und Krankenkassen keineswegs.
2. Auf den Nenner gebracht ...
susiwolf 26.03.2015
Für jeden Mann ist diese Untersuchung sicherlich irgendwie unangenehm, geht sie doch ins 'Lebenselixier' ... Zur Statistik: Unter der Prämisse, dass es in der BRD ca. 40.000.000 Männer gibt (also 40 Mio.) und davon ca. 70.000 an Prostatakrebs p.a. erkranken, heisst das nichts anderes als: ... das von (statistischen) 4.000 Männern (nur) 7 erkranken. In diesem 'Verhältnis' sollte allerdings j-e-d-e-r Mann das 'Abtasten' und die 'Blutuntersuchung' ohne wenn und aber über sich ergehen lassen. Tut nicht weh und beruhigt ;-)
3. Stiftung Warentest
siegfriedderdrachentöter 26.03.2015
Wer prüft den mal die Stiftung Warentest? Wenn ich die Meldungen von Verbraucherschützer, bestimmte Umweltverbände, Stiftung Ökotest & Warentest etc. lese, so komme ich mir immer vor, als würden in Deutschland nur unfähige Ärzte, Manager, Unternehmen, Landwirte, Handwerker etc. etc. leben, die gierig auf Profit sind. Die gierigen Verbraucher und Bürger, die nur auf den Preis achten, die gibt es in deren einfachen Welt nicht. Die Entwicklung gefällt mir nicht, da hier alle möglichen Gesellschaftsgruppen auf der Anklagebank stehen. Nach dem Motto, wir sind gut, die anderen sind böse.
4. transrektaler Ultraschall (TRUS)
circul 26.03.2015
ist wichtig, einerseits können echoarme Befunde Hinweise auf Prostatakrebs bzw. -vergrößerung geben, es kann genau die Größe zur Bestimmung der PSA-density ermittelt werden, ohne die eine PSA-Bestimmung wenig Sinn macht. Außerdem sollte nicht vergessen werden: richtig viel Geld wird nur bei fortgeschrittenen Proststakarzinomen mit neuen hormonablativen Präparaten verdient. Vorsorgeuntersuchungen sind dagegen billig und rettel Leben, Lebnenszeit und Lebensqualität.
5. Medikamentennutzen zweifelhaft
Affenhirn 26.03.2015
Gerade bei Medikamenten zur Prostataerkrankung wird mit zweifelhaften Argumenten gearbeitet. So wird behauptet, dass die Medikamente den Zeitraum von der Erkrankung bis zum Tod durch Prostatakrebs deutlich verlängern. Dabei wird verschwiegen, dass der wesentliche Faktor für die Vergrößerung des zeitlichen Abstands von der Diagnose bis zum Tod darin liegt, dass die Diagnose inzwischen bereits in einem deutlich früheren Stadium der Erkrankung erfolgt. Damit lebt der Patient automatisch länger, bis die Erkrankung sich auswirkt.
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Ärzte für Männerfragen
Urologe
Urologen behandeln Männer und Frauen mit Krankheiten der Nieren, Harnleiter, der Blase und der Harnröhre. Wer als Mann unter Geschlechtskrankheiten, Erektionsproblemen, Prostataerkrankungen oder Funktionsstörungen der Hoden, Samenbläschen und -leiter oder des Penis leidet, ist ebenfalls richtig beim Urologen. Nach einer fünfjährigen, erfolgreichen Facharztausbildung darf sich ein Mediziner Urologe nennen.
Androloge
Dieser Mediziner entspricht am ehesten dem Männerarzt und ist daher vergleichbar mit dem Gynäkologen für Frauen. Der Androloge beschäftigt sich mit Fortpflanzungsproblemen des Mannes und behandelt eine gestörte Hormonproduktion ebenso wie Erektionsprobleme oder Zeugungsunfähigkeit. Auch alle Fragen der Verhütung und des alternden Mannes sind beim Andrologen richtig aufgehoben. Als Androloge darf sich bezeichnen, wer als Urologe, Dermatologe (Arzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten) oder Internist mit dem Schwerpunkt Endokrinologie (Hormonspezialist) eine entsprechende Zusatzausbildung absolviert hat.
Reproduktionsmediziner
Probleme bei der Fortpflanzung? Der Reproduktionsmediziner weiß vermutlich einen Rat, denn er beschäftigt sich mit allen Fragen der natürlichen und assistierten Fortpflanzung - bei Mann und Frau. Wichtigste Aufgabe ist für ihn zunächst, durch gezielte Diagnostik die Ursache der Störung zu finden. Liegt das Problem beim Mann (ein Drittel der Fälle), bei der Frau (ein Drittel) oder bei beiden (ein Drittel)? Mit Hilfe von verschiedenen Methoden der assistierten Reproduktion wie künstliche Befruchtung oder Spermieninjektion können die Ärzte ungewollt kinderlosen Paaren mitunter helfen.
Endokrinologe
Der Hormonspezialist ist ebenfalls für beide Geschlechter zuständig und kann Männern bei speziellen Hormonstörungen weiterhelfen. Dabei handelt es sich nicht nur um Fragen rund um Testosteron. Das Hormonsystem der Geschlechtsorgane wird über das Gehirn und die Hirnanhangsdrüse ebenso gesteuert wie über die Nebennieren und kann an verschiedenen Stellen aus dem Ruder geraten.

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