Qualität von Krankenhäusern: Kassen fordern mehr Transparenz
Die Krankenkassen sind sich einig: Patienten können nicht immer darauf vertrauen, die bestmögliche Behandlung zu erhalten. Kurz vor der Veröffentlichung des mit Spannung erwarteten Qualitätsreports zu Kliniken fordern sie nun mehr Daten und mehr Öffentlichkeit.
Berlin - Können Patienten im Krankenhaus auf eine optimale Behandlung vertrauen? Eine erhitzte Diskussion um diese Frage entzündete jüngst der Göttinger Organspendeskandal, als bekannt wurde, dass manche Patienten auf Wartelisten für Spendeorgane offenbar bevorzugt behandelt werden. Doch auch in etlichen anderen Bereichen fragen sich Patienten immer wieder, wie gut sie von den Medizinern tatsächlich betreut werden, und in welcher Klinik sie mit ihren Beschwerden wohl am besten aufgehoben wären.
Am Mittwoch haben die gesetzlichen Krankenkassen in Berlin ein Positionspapier über die Behandlungsqualität in Krankenhäusern und Arztpraxen vorgestellt - und drängen darin darauf: Versicherte sollen sich besser über die Qualität medizinischer Leistungen informieren können. Alle Daten der Qualitätssicherung müssten veröffentlicht werden, forderte die Chefin des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), Doris Pfeiffer.
"Die Versicherten haben ein Recht darauf, diese Informationen zu bekommen." Nach Angaben der Krankenkassen gleicht es für Patienten oft einem Glücksspiel, ob sie bei Operationen an gute oder weniger gute Ärzte geraten. So liege zum Beispiel bei der Arthroskopie - der Gelenkspiegelung - der Anteil der Praxen mit erheblichen oder schweren Mängel bei 39 Prozent, berichtete der GKV-Spitzenverband.
Die genauen Mängel liegen im Dunkeln
Die zuständigen Kassenärztlichen Vereinigungen teilten jedoch nur die generellen Werte mit. Welche Mängel genau bestehen, was dagegen getan werde und vor allem welche einzelnen Praxen gut oder weniger gut abschneiden, bleibe aber weitgehend im Dunkeln. Der Gesetzgeber müsse auch mehr Klarheit über die Qualität bei den niedergelassenen Ärzten schaffen. Pfeiffer forderte eine höhere Transparenz.
Viel besser könnten sich die Patienten über die Qualität der Krankenhäuser informieren. So gebe es hier seit 2003 systematisch Messungen anhand einzelner Merkmale. Seit 2012 müssen Kliniken laut Pfeiffer knapp die Hälfte der untersuchten Indikatoren veröffentlichen. Von 2006 bis 2011 sei die Zahl der veröffentlichten Indikatoren immerhin von 23 auf 119 gestiegen. Bei den Indikatoren geht es etwa um Fragen, wie viele Patienten nach einer Gallenoperation in einem Krankenhaus verstorben sind oder bei wie vielen Patienten nach dem Einsetzen eines Herzschrittmachers Komplikationen erlitten. Trotz der Verbesserungen gebe es immer noch Schwachstellen.
So müssten Patienten mit einem Oberschenkelhalsbruch nahe dem Hüftgelenk oft länger als 48 Stunden auf eine Operation warten. "Wenn relevante Mängel bestehen, muss gehandelt werden", sagte Pfeiffer. "Qualitätssicherung ist weder Luxus noch unnötige Bürokratie." Vielmehr stelle sie die Basis für eine bessere Versorgung dar. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft hatte betont, dass eine längere Wartezeit bei diesen OPs medizinisch geboten sein könne.
Als gelungenes Beispiel nannte die Vorsitzende des Spitzenverbandes die Operation der Herzkranzgefäße, die sogenannte Bypass-OP. Hier sei bekannt, dass es besser ist, eine Arterie aus der inneren Brustwand zu verwenden statt einer Unterschenkelvene. Im Jahr 2003 habe es noch Krankenhäuser gegeben, die diesen Qualitätsindikator nie erfüllten. Ein Patient habe keine Möglichkeit gehabt, sich darüber vorab zu informieren und hätte an ein Krankenhaus geraten können, das die bessere Methode nicht anwendet. Heute habe sich die Situation deutlich verbessert. Im Jahr 2011 hätten selbst die "schlechtesten" Kliniken in 86 Prozent der Fälle Brustwandarterien für die Operation verwendet. Zudem könnten sich Patienten heute zuvor im Qualitätsbericht des Krankenhauses informieren.
Die meisten Details des in der Branche mit Spannung erwarteten neuen Qualitätsberichts zu den Kliniken sind noch nicht veröffentlicht. Dies soll Mitte September geschehen. Die Analyse stammt vom Göttinger Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen (Aqua).
cib/dpa/dapd
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