Badegefahr Kopfsprung ist häufig Ursache für Querschnittlähmung

1600 Deutsche werden jedes Jahr querschnittgelähmt. In rund 64 Fällen ist ein Badeunfall die Ursache - gepaart mit Leichtsinn oder Alkohol. Orthopäden und Unfallchirurgen warnen vor dem Sprung ins seichte Wasser.

Kopfsprung in den Ammersee: Nur wenn das Wasser tief genug ist, besteht kaum Gefahr
DPA

Kopfsprung in den Ammersee: Nur wenn das Wasser tief genug ist, besteht kaum Gefahr


Die Brücke ist verlockend: Nicht zu hoch, aber doch hoch genug, um eine Mutprobe zu sein. Die anderen stehen schon in der Schlange, es wird gelacht und gefeixt. Das Wasser ist trüb, und wie tief es ist, lässt sich schwer erkennen. Soll ich, oder soll ich nicht?

Nein, sagt die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) - und rät Eltern, das Gefahrenbewusstsein für waghalsige Kopfsprünge in unbekannte Gewässer schon im Kindesalter zu schärfen. Laut DGOU kommt es in Deutschland jährlich zu durchschnittlich 1600 Querschnittlähmungen, etwa vier Prozent davon sind Folgen von Verletzungen der Wirbelsäule, die durch Badeunfälle zustande kommen. Somit ist der Sprung in unbekannte Gewässer der häufigste Grund unter den sportbedingten Unfällen, die zu einer Querschnittlähmung führen.

Die Betroffenen sind demnach durchschnittlich 28 Jahre alt, vor allem sind es junge Männer, die sich bei Kopfsprüngen schwer verletzen. "Die Jugendlichen sind sich der lebenslangen Folgen, die eine Querschnittlähmung mit sich bringt, nicht bewusst", sagt Reinhard Hoffmann, stellvertretender Generalsekretär der DGOU.

Besonders schwere Folgen: Verletzungen der Halswirbelsäule

Selbstüberschätzung, Leichtsinn und Alkohol zählten zu den häufigsten Gründen dafür, dass Jugendliche gefährliche Sprünge wagen, heißt es in der Pressemitteilung der DGOU.

Besonders tragische Folgen hat es, wenn dabei die Halswirbelsäule schwer verletzt wird: Bei einer Tetraplegie können die Betroffenen beide Arme und Beine gar nicht oder nur teilweise bewegen - das heißt, sie sitzen in den meisten Fällen für den Rest ihres Lebens im Rollstuhl.

"Das ist ein Schicksalsschlag, der zu einer absoluten Veränderung der gesamten Lebensumstände führt, körperlich, psychisch und sozial", sagt Doris Maier von der Deutschsprachigen Medizinischen Gesellschaft für Paraplegie (DMGP). "Der Betroffene befindet sich von einer Sekunde auf die andere in nahezu vollständiger Abhängigkeit und ist lebenslang auf fremde Hilfe angewiesen."

Auch wenn viele Ratschläge wie eine Selbstverständlichkeit klingen - die Experten raten, Kindern möglichst früh folgende Verhaltensweisen ans Herz zu legen:

  • nie in unbekannte Gewässer springen,
  • die Tiefe des Wassers vor einem Sprung prüfen (sowohl im See, Fluss, Becken oder im Meer),
  • keine Kopfsprünge in flaches Wasser,
  • keine Mutproben,
  • kein Alkohol beim Baden.

cib



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 42 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
flessan 12.06.2014
1. Warnhinweis.
Ich hörte mal einen Spruch: Ich will nicht das alle dummen getötet werden ich plädiere nur dafür alle Warnhinweise zu entfernen! Vier Prozent der Q.lähmungen durch kopfsprung. Das sind dann wieviel Prozent aller kopfsprünge? Bitte schaut auf die Strasse wenn ihr drüber geht das ist viel gefährlicher ;)
brunellot 12.06.2014
2. 4% ist häufig???
Also ich weiss nicht, aber mir scheint 4% eher wenig zu sein. Da musste offensichtlich ein reisserischer Titel her...
demordrey 12.06.2014
3.
Lasset die olympischen Sommerlochspiele beginnen?
BlakesWort 12.06.2014
4.
Ganze vier Prozent, also 64 von 1.600 Querschnitten gehen auf Kopfsprünge zurück. Das soll häufig sein? Wieviele Motoradfahrer erwischt es? Wie viele Leute nach verpfuschten OPs? Der Artikel zeigt nur, der Autor kommt mit Zahlen nicht klar. Auch die Aussage über das Durchschnittsalter von 28 und das nachgestellte Zitat über die Jugendlichen wirkt befremdlich. Sommerloch-Thema. In den allermeisten Fällen wissen die Jugendlichen und Männer sehr wohl um die Gefahren. Alkohol, Gruppendruck, Übermut bilden dann ein gefährliches Amalgam und von 1.000 Risikosprüngen geht einer schief. Zu behaupten die Menschen wüssten nicht, wie dramatisch sich das Leben mit einem Querschnitt ändert, halte ich für ausgemachten Unsinn.
kai-ser210 12.06.2014
5. Gruppenzwang
Das Hauptproblem sehe ich im Gruppenzwang. Wenn eine Gruppe Jugendlicher (vielleicht auch noch alkoholisiert) von einer Brücke springt, dann ist jemand der nicht mitmacht schnell uncool. Klar kann man da als Eltern 1000 mal an die Vernunft appellieren, aber wenn ein "Kind" sieht, dass andere es auch machen und gefahrlos überstehen, wird der Drang nicht der Gruppentrottel sein zu wollen, in den meisten Fällen überwiegen. Wer was anderes behauptet hatte keine Jugend oder nur ne Menge Glück. Auch jedenfalls habe Angst, dass meine Kinder später nicht so einen Schutzengel haben, wie ich es hatte. Aber mehr als hoffen und gut zureden kann man wohl nicht. Vielleicht schafft man es ja, dass das Selbstbewusstsein dem Gruppenzwang widersteht.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.