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Rauchen aufhören: Erfolg hängt von Nikotinabbau im Körper ab

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Nikotinpflaster: Besser, schlechter oder genauso gut wie Medikamente?

Ob ein Raucher es schafft aufzuhören, hängt auch davon ab, wie schnell sein Körper Nikotin abbaut. Eine US-Studie gibt Hinweise darauf, wem Pflaster und wem Medikamente besser helfen könnten.

Philadelphia - Die Erfolgschancen verschiedener Wege zur Tabakentwöhnung hängen offenbar auch davon ab, wie schnell ein Mensch Nikotin abbaut. Jene Raucher, die den Tabakstoff normal verstoffwechseln, profitieren einer Studie zufolge eher von Medikamenten. Bei Menschen, deren Körper Nikotin dagegen nur langsam abbaut, reichen demnach Nikotinpflaster - in den USA und Europa die häufigste Pharmakotherapie. Das berichten Mediziner um Caryn Lerman von der University of Pennsylvania in Philadelphia im Fachblatt "The Lancet Respiratory Medicine".

Weltweit sterben jedes Jahr etwa sechs Millionen Menschen an den Folgen des Rauchens, die Kosten für die Gesundheitssysteme werden auf 200 Milliarden Dollar (170 Milliarden Euro) geschätzt. In Deutschland geht die Zahl der Raucher nach Angaben des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) stetig zurück. "Wir sehen einen kontinuierlichen Rückgang in der Gesamtbevölkerung, aber vor allem auch bei den Kindern und Jugendlichen", sagte Martina Pötschke-Langer vom DKFZ Anfang 2014. Wurden 2002 noch insgesamt 145 Milliarden Zigaretten in Deutschland geraucht, waren es 2012 nur noch 82 Milliarden.

Großes Verlangen nach Nikotin

Zur Tabakentwöhnung werden diverse Optionen angeboten, darunter Medikamente oder Nikotinersatz wie etwa Pflaster. "Bis zu 65 Prozent der Raucher, die aufhören, haben in der ersten Woche einen Rückfall", wird Lerman in einer Mitteilung der Zeitschrift zitiert. Wie stark das Verlangen nach Nikotin ist und die Entwöhnung erschwert, hängt der Studie zufolge auch davon ab, wie schnell der Organismus eines Menschen den Stoff abbaut. Eine entscheidende Rolle in diesem Prozess spielt die Aktivität des Leberenzyms CYP2A6, die vom Erbgut und von den Lebensumständen beeinflusst wird.

Bei Menschen mit normaler Abbaurate - den Autoren zufolge etwa 60 Prozent der Bevölkerung - fallen die Nikotinwerte im Körper relativ schnell ab. Sie rauchen in der Regel mehr, haben bei ausbleibendem Nachschub stärkere Entzugserscheinungen und sind somit auch stärker rückfallgefährdet als Menschen mit einer langsameren Abbaurate. Sie verstoffwechseln Nikotin nicht so schnell und behalten den Stoff dadurch länger im Körper.

Um den Einfluss des Metabolismus zu ermitteln, untersuchten die Mediziner rund 1250 abstinenzwillige Raucher in den USA und Kanada auf die Nikotin-Abbaurate (NMR). Dazu teilten sie die Teilnehmer per Losverfahren in drei Gruppen ein: Ein Teil bekam für elf Wochen ein Nikotinpflaster und eine Placebopille, die zweite Gruppe erhielt den Wirkstoff Vareniclin und ein Placebopflaster, die übrigen bekamen dagegen ein Scheinpflaster und eine Scheintablette. Alle Teilnehmer wurden insgesamt zwölf Monate lang beobachtet.

Wem hilft welche Methode?

Bei den Teilnehmern mit normalem Stoffwechsel aus der Medikamentengruppe war die Erfolgsquote am Ende der elf Wochen doppelt so hoch wie bei den Pflaster-Trägern. Auch nach sechs Monaten war das Medikament noch hilfreicher als das Pflaster - allerdings war der Unterschied inzwischen geringer: Die Abstinenzrate lag bei Placebo bei zehn Prozent, mit dem Pflaster bei 13 Prozent und mit dem Medikament bei 16 Prozent.

Bei den Menschen mit langsamem Nikotinstoffwechsel waren Placebo und Tablette am Ende der Therapie ähnlich wirksam. Nach zwölf Monaten lagen die Abstinenzraten bei Placebo und Tablette mit 13 und 14 Prozent nahezu gleich hoch, während das Pflaster mit 19 Prozent besser abschnitt. Rauchern mit langsamem Nikotinstoffwechsel raten die Mediziner daher eher zum Pflaster, weil das Medikament stärkere Nebenwirkungen haben kann wie etwa Übelkeit oder Kopfschmerzen, möglicherweise sogar Depressionen.

"Um die Erfolgsraten für alle Raucher zu steigern und gleichzeitig die Nebenwirkungen zu minimieren, sollten wir unseren Resultaten zufolge Menschen mit normalem Stoffwechsel mit Vareniclin und jene mit langsamem Abbau mit Nikotinpflaster behandeln", sagt Co-Autorin Rachel Tyndale von der Universität Toronto. "Man könnte einen Schnelltest entwickeln, der die Abbaurate von Nikotin misst." Denn der von den Forschern verwendete Test zum Erfassen des Nikotinabbaus dauerte mehrere Tage und kostete pro Probe etwa 50 US-Dollar.

In einem Kommentar bezeichnen Experten der britischen Universität Bristol die Studie als "wichtigen wissenschaftlichen Fortschritt". Sollten die Resultate bestätigt werden, könnten sie zu einer Änderung der klinischen Praxis führen.

hei/dpa

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insgesamt 60 Beiträge
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1. Bedarfsweckung für Produkte?
Theodoro911 12.01.2015
Nach meinen gesicherten Informationen sterben alle Menschen, egal ob Raucher oder NR. Es geht um ein riesiges Geschäft mit Therapiemitteln unter dem Vorwand der Gesundheitsfürsorge.
2. Wie es bei mir war
derhofer 12.01.2015
Ich kann vielleicht für den ein oder anderen einen Tipp geben, wie es zumindest bei mir wohl geklappt hat. Ich habe Zigaretten von heute auf morgen komplett weggelassen und als "Ersatz" Zigarillos (hochwertige, nicht aus dem Supermarkt) gekauft. Ich denke dass in diesen nur reiner Tabak und viel weniger Zusatzstoffe als in herkömmlichen Zigaretten ist. Ich habe dann Täglich über ca. ein Jahr nur noch drei bis vier Stück am Tag geraucht. Dies hat mit Zigaretten nie funktioniert. Nach dem Zigarillo-Jahr hab ich dann von heute auf morgen komplett damit aufgehört. Das war sehr viel einfacher als bei vorherige Versuchen. Nun bin ich seit 1 1/2 Jahren kompletter Nichtraucher. Dennoch juckt es mich immer wieder. Würde aber niemals mehr losgehen und mir ein Päckchen Zigaretten kaufen und loslegen. Da bin ich mir ganz sicher. Ach ja, besser fühle ich mich nicht. Hab mich zuvor aber auch nicht schlecht gefühlt. Dies ist aber sicherlich bei jedem anders.
3. E-Zigaretten sind wirksamer!!!!!!
meldor 12.01.2015
Und wieder einmal erkennt man recht gut, dass die Frau vom DKFZ fremdgesteuert ist. Das wirksame Gift ist nicht das Nikotin sondern das entsteht erst beim Rauchen. Die Suchtwirkung ist ebenso nicht alleine dem Nikotin anzulasten. Nikotin ist etwa so giftig wie Koffein was man auch als 'Nervengift' bezeichnen könnte, wenn man - ähh Frau PöLa denn bösartig Fakten verdreht und auslässt. Das Dampfen mit den 'Elektronischen Zigaretten' ist die allergrösste Gefahr für die Tabakindustrie, den Finanzminister und zum kleineren Teil auch für die Pharmaindustrie. So wundert es nicht, dass die wirksamste Methode nicht erwähnt wurde, mit der sich die Tabaksucht ohne grosse Probleme in den Griff bekommen lässt. Das Dampfen ist zudem viel weniger gesundheitsschädlich, als es einem glauben gemacht wird. Als Beispiel sei die Falschmeldung genannt, wo es hiess dass die Ezigs mehr Schadstoffe als Zigaretten enthielten. Bei 2 von 17 Proben gab es erhöhten Schadstoffgehalt, aber immer noch 10 mal weniger als bei Zigaretten. Bei 9 Ezigs wurden überhaupt keine Schadstoffe gemessen - und was kam weltweit in der Presse? Nicht etwa, dass Ezigs überwiegend bedenkenlos in Bezug auf Schadstoffe sind, sondern das Gegenteil! Hier werden zum Schaden der noch-Raucher die Fakten manipuliert. Das ist zumindest versuchte Körperverletzung wahrscheinlich aber sogar fahrlässige Tötung. Frau Doktor Pötschke-Langer, denken Sie doch bitte an Ihren hippokratischen Eid und handeln Sie auch danach!
4. Bombastischer Erfolg
Stega 12.01.2015
Lese ich richtig? "Abstinenzraten" zwischen 10-20% ??? Das heißt, 80-90% schaffen es nicht, vom Glimmstängel wegzukommen. Demgegenüber liegt dann die Wirkung unserer gigantischen Medikamente in der Größenordnung der statistischen Streuung. Tolle Leistung. Übrigens kann man dieser Studie auch noch entnehmen, daß der Faktor, der die Erfolgsaussichten am stärksten positiv beeinflußt, einfach endogen ist: Nämlich eine einfach so gegebene, geringere Abbaurate des Nikotins im Stoffwechsel. Auch nicht etwas, daß sich die Medizin als Erfolg verbuchen kann. In Wirtschaft, Technik und Ingenieurwesen versteht man unter "Erfolg" und Leistungsfähigkeit etwas anderes. Wenn man denn mal genau hischaut, erweisen sich viele (nicht alle) Methoden der modernen Medizin als ähnlich wirkungsarm wie die Methoden der alternativen Medizin. Schande.
5. Es geht auch anders!
opa klaus 12.01.2015
ich habe ca. 50 Jahre geraucht und vor 7 Jahren eine Laser-Therapie gemacht. Es war, als hätte ich nie geraucht! Keine Entzugserscheinungen und nie wieder ein Verlangen nach einer Zigarette!
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