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22. April 2015, 18:03 Uhr

Längeres Leben

Es ist nie zu spät, mit dem Rauchen aufzuhören

Auch Menschen jenseits der 60 profitieren davon, auf Zigaretten zu verzichten. Das zeigen die Daten von einer halben Million Menschen. Raucher sterben demnach zwei Jahre früher an Herz-Kreislauf-Leiden als Ex-Raucher.

Ein Rauchstopp lohnt sich auch noch im fortgeschrittenen Alter. Selbst wer seine letzte Zigarette erst als über 60-Jähriger rauche, senke sein Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall innerhalb weniger Jahre erheblich, berichten deutsche Wissenschaftler im "British Medical Journal".

Die Forscher vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg analysierten Daten von einer halben Million Menschen aus Europa und den USA, die 60 Jahre oder älter waren. Raucher sterben demnach im Mittel fünfeinhalb Jahre früher an Herz-Kreislauf-Erkrankungen als lebenslange Nichtraucher. Ex-Raucher sterben knapp zwei Jahre früher.

Auch das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle war bei den Nichtrauchern deutlich niedriger als bei den Rauchern. Dabei galt der einfache Zusammenhang: Je mehr Zigaretten jemand konsumierte, desto größer war sein Risiko.

Auf der anderen Seite sank die Gefahr für ein Herz-Kreislauf-Leiden schon in den ersten fünf Jahren nach der letzten Zigarette messbar - selbst wenn die Teilnehmer das Rauchen erst nach ihrem 60. Geburtstag aufgegeben hatten.

Grundsätzlich gilt: Je früher, desto besser

Es sei nie zu spät, mit dem Rauchen aufzuhören, sagte Studienleiter Hermann Brenner. "Selbst Menschen in der höchsten Altersgruppe profitieren gesundheitlich noch sehr davon." Allerdings gelte: Je länger die letzte Zigarette zurückliegt, desto deutlicher der Effekt.

Bislang waren die Auswirkungen des Rauchstopps bei älteren Menschen kaum untersucht, beschreiben die Forscher die Bedeutung ihrer Studie im Fazit. Bei jüngeren Menschen hingegen haben Wissenschaftler den positiven Effekt schon früher in großen Studien bemessen.

2012 etwa wertete ein britisches Team die Daten von mehr als einer Million Frauen aus. Ihr Ergebnis: Wer es schafft, vor seinem 40. Geburtstag mit dem Rauchen aufzuhören, gewinnt statistisch gesehen zehn Lebensjahre dazu. Noch besser erging es Frauen, die dem Glimmstängel bereits vor ihrem 30. Geburtstag eine Abfuhr erteilten.

Zu einem ähnlichen Ergebnis - auch für Männer - kamen zwei Forscher, die 2013 die Entwicklung der Todeszahlen rauchender US-Amerikaner untersuchten. Ihr Fazit: Wer es zwischen 25 und 34 Jahren schaffte aufzuhören, gewann im Schnitt zehn Jahre hinzu, bis zum 44. Lebensjahr immer noch neun Jahre. Selbst wer erst mit bis zu 54 Jahren das Rauchen aufgab, lebte statistisch sechs Jahre länger.

irb/AFP/dpa

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