Gesundheit So viel Lebenszeit kann ein Rauchstopp bringen

Weniger Husten, kleineres Krebsrisiko, mehr Herzgesundheit: Wer es schafft, mit dem Rauchen aufzuhören, gewinnt statistisch gesehen Lebenszeit. Die wichtigsten Gründe für die letzte Zigarette.

Die letzte Zigarette
Getty Images

Die letzte Zigarette


Eigentlich ist es nie zu spät: Wer mit dem Rauchen aufhört, tut seinem Körper Gutes - auch im höheren Alter. Sind der innere Schweinehund und vor allem die Sucht überwunden, sinkt das Risiko für verschiedene Krankheiten deutlich. Wie sich ein Rauchstopp auf die Gesundheit auswirkt:

Welche Risiken reduzieren sich mit dem Rauchstopp?

Wer die Hände von der Zigarette lässt, verringert generell die Gefahr für verschiedenste Erkrankungen. So ist Rauchen für zahlreiche Krebserkrankungen direkt verantwortlich, neun von zehn Patienten mit Lungenkrebs haben geraucht. Aber auch Herzkrankheiten, Bluthochdruck, Schlaganfälle oder chronische Bronchitis lassen sich häufig auf das Rauchen zurückführen. Immerhin stirbt dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) zufolge ein Starkraucher im Schnitt zehn Jahre früher als ein Nichtraucher. In Deutschland sterben jedes Jahr bis zu 140.000 Menschen an den Folgen.

Wie schnell sinkt das Erkrankungsrisiko?

Schon drei Tage nach der letzten Zigarette verbessert sich nach Angaben des DKFZ die Funktion der Atemwege, nach einer Woche sinkt der Blutdruck. Nach einem bis neun Monaten gehen Hustenanfälle, Verstopfungen der Nasennebenhöhlen und Kurzatmigkeit zurück. Die Lunge wird allmählich gereinigt, indem Schleim abgebaut wird. Die Infektionsgefahr verringert sich.

Zwei Jahre nach einem Rauchstopp hat ein früherer Raucher fast das gleiche Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie ein Nichtraucher. Nach fünf Jahren sinkt auch das Risiko für Krebserkrankungen in Mundhöhle, Rachen, Speiseröhre und Harnblase auf die Hälfte. Auch das Schlaganfallrisiko kann bereits nach zwei bis fünf Jahren auf das eines Nichtrauchers sinken.

Wie stark nimmt die Gefahr von Lungenkrebs ab?

Zehn Jahre nach dem Aufhören hat ein ehemaliger Raucher ein nur noch halb so hohes Risiko für Lungenkrebs, als wenn er dauerhaft weitergepafft hätte. Wer beispielsweise 40 Jahre lang geraucht und vor fünf Jahren die Kippen weggelegt hat, kann zwar auch heute noch an Lungenkrebs erkranken. Nach Angaben von Ärzten steigt das Risiko aber zumindest nicht mehr. Auch die Risiken für Kehlkopf- und Bauchspeicheldrüsenkrebs gehen zurück.

Wie viel Lebenszeit lässt sich gewinnen?

Nach DKFZ-Berechnungen rauben mehr als zehn Zigaretten pro Tag Männern im Schnitt 9,4 und Frauen 7,3 Lebensjahre. Auch ein moderater Konsum von weniger als zehn Zigaretten pro Tag reduziert die Lebenserwartung bei beiden Geschlechtern immer noch um etwa fünf Jahre. Besonders gefährdet sind männliche, fettleibige, starke Raucher, die viel Alkohol trinken und viel rotes Fleisch essen. Sie büßen gegenüber ihren Mitmenschen mit dem günstigsten Risikoprofil bis zu 17 Jahre an Lebenserwartung ein. Bei einer Frau sind es 13,9 Jahre.

Warum nehmen viele zu, wenn sie mit dem Rauchen aufhören?

Untersuchungen zufolge legen vier von fünf ehemaligen Rauchern innerhalb der ersten ein bis zwei Jahre nach dem Aufhören im Schnitt etwa viereinhalb Kilogramm zu. Bei Frauen fällt die Gewichtszunahme noch etwas größer aus als bei Männern. Auch nach zehn Jahren haben viele im Schnitt noch vier bis fünf Kilogramm mehr drauf. Allerdings nehmen auch viele Nichtraucher in solch einem Zeitraum zu.

Als Ursache werden ein gedrosselter Stoffwechsel sowie eine vermehrte Kalorienaufnahme nach dem Rauchstopp diskutiert. Der Körper verbrennt weniger Energie, gleichzeitig greifen viele statt zur Zigarette verstärkt zu Süßem und Snacks. Forscher aus der Schweiz brachten vor einigen Jahren eine weitere mögliche Ursache ins Spiel: Möglicherweise verändert sich bei ehemaligen Rauchern die Zusammensetzung der Darmflora. Demnach nehmen jene Bakterienstämme überhand, die auch in der Darmflora von Fettleibigen dominieren

Mehr zum Thema

hei/AFP

insgesamt 135 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
paulvernica 30.05.2017
1. Spekulation
Das ist alles reine Spekulation. Ich habe sehr stark geraucht und bekam mit 57 einen Herzinfarkt. Mein Vater hat nie geraucht und bekam auch mit 57 einen Herzinfarkt ! Und hätte ich nun keinen Herzinfarkt bekommen wenn ich nicht geraucht hätte ?
morrison76 30.05.2017
2. Sehr sinnvoll
einen Artikel über die Vorteile des Aufhörens mit "Demnach nehmen jene Bakterienstämme überhand, die auch in der Darmflora von Fettleibigen dominieren" enden zu lassen. Das motiviert bestimmt ganz viele Leute.
danmage 30.05.2017
3.
Zitat von paulvernicaDas ist alles reine Spekulation. Ich habe sehr stark geraucht und bekam mit 57 einen Herzinfarkt. Mein Vater hat nie geraucht und bekam auch mit 57 einen Herzinfarkt ! Und hätte ich nun keinen Herzinfarkt bekommen wenn ich nicht geraucht hätte ?
Ich denke das ist individuell sehr unterschiedlich. Jeder Mensch ist anders und hat einen anderen Metabolismus. Es gibt Menschen, die rauchen ihr Leben lang und es macht ihnen gesundheitlich nichts aus. Andere Menschen werden allein durch Passivrauchen krank. Was aber bei allen erhöht wird ist das Risiko verschiedene Krankheiten zu bekommen, das ist inzwischen durch sehr viele unterschiedliche Studien erhärtet worden. Risiko hat mit Wahrscheinlichkeiten zu tun und ist keine zwingende Konsequenz in jedem Raucherfall.
Max Super-Powers 30.05.2017
4.
Ich habe, nach vielen Jahrzehnten "mit Kippe" vor rund einem Monat aufgehört. Ich dampfe ab und zu, aber dies mehr als Ausweichhandlung und des Geschmacks wegen. Und ich vermisse GAR NICHTS. Im Gegenteil, ich merkte schon nach zwei Tagen, dass nicht nur der Flieder vor meinem Haus wesentlich intensiver roch, sondern mir auch meine Mahlzeiten besser schmeckten. Und als ich mich gleich mehrfach dabei erwischte, wie ich die Treppe zum Obergeschoss locker-flockig im Halbsprint nahm, überzeugte es mich vollends, dass meine Wahl direkte positive Auswirkungen hatte und nicht nur Statistische. Letzten Endes ist Rauchen ein Roulettespiel. Es kann ein Leben lang gut gehen (Siehe Helmut Schmidt) oder man kann schon frühzeitig den Löffel abgeben. Ich hatte lange Glück - verdächtig lange für meinen Geschmack, was auch der Hauptgrund war, dass ich aufhörte. Denn mir hat Rauchen immer gut geschmeckt, ich war immer gerne Raucher und habe es vergangenes Wochenende auch genossen, erstmals seit dem Aufhören rauchende Menschen um mich herum zu haben. Was ich daher nicht vorhabe, ist einer dieser klischeehaften Ex-Raucher zu werden, die mit Feuer und Schwert gegen dieses Laster vorgehen. Nein, ich bin Nichtraucher und happy damit. Und hätte ich gewusst, wie leicht es mir (auch dank der Dampf-Unterstützung) fallen würde, hätte ich es schon viel eher gemacht.
jujo 30.05.2017
5. ...
Zitat von paulvernicaDas ist alles reine Spekulation. Ich habe sehr stark geraucht und bekam mit 57 einen Herzinfarkt. Mein Vater hat nie geraucht und bekam auch mit 57 einen Herzinfarkt ! Und hätte ich nun keinen Herzinfarkt bekommen wenn ich nicht geraucht hätte ?
Statistiken nehmen keine Rücksichten auf induviduale Schicksale. Ich habe mit 34 Jahren und einem täglichen Konsum von ca 30 Zigaretten von einem auf den anderen Tag aufgehört. Mein Wohlbefinden besserte sich schlagartig! Kein Husten kein, Schleim, bessere Atmung. Für mich das wichtigste, seitdem nie wieder Migräneanfälle! Nicht zu vergessen sind die finanziellen Vorteile, man spart ja nicht nur das Geld für die Zigaretten, sondern auch Renovierungskosten der Wohnung/Hauses, diese Intervalle verlängern sich Signifikant.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.