Schockbilder auf Tabakwaren Schüler empfinden Angst, Ekel und Traurigkeit

Warnhinweise und beängstigende Bilder auf Zigarettenpackungen beeinflussen, wie Jugendliche übers Rauchen denken - und wie stark die damit verbundenen Gefühle sind.

Zigarettenschachtel mit Schockfoto
DPA

Zigarettenschachtel mit Schockfoto


Sehen junge Nichtraucher Schockbilder auf Zigarettenschachteln, verstärkt das einer Untersuchung der Krankenkasse DAK zufolge ihre negative Haltungen zum Rauchen. Auf rauchende Schüler hingegen wirken die Bilder offenbar weniger emotional. Das ist das Ergebnis einer Studie des Kieler Instituts für Therapie- und Gesundheitsforschung für die DAK. Befragt wurden gut 6900 Schüler aus 408 fünften bis zehnten Klassen an 44 Schulen. 80 Prozent der Kinder und Jugendlichen sagten, sie hätten noch nie geraucht.

Um zu untersuchen, inwiefern die Warnhinweise die Einstellung der Schüler beeinflussen, wurden diese in zwei Gruppen aufgeteilt. Die erste Gruppe sah sich drei verschiedene Schockbilder an und wurde anschließend zu den Gefühlen befragt, die die Bilder auslösten. Außerdem sollten die Teilnehmer angeben, wie neugierig sie waren, Zigaretten zu rauchen und wie sie Zigaretten allgemein bewerteten. Die zweite Gruppe wurde zur Neugier und Bewertung bereits befragt, bevor sie die Warnhinweise und Bilder präsentiert bekam. Die Ergebnisse wurden zusätzlich nach Rauchern und Nichtrauchern unterteilt.

Von drei Warnhinweisen - "Rauchen verursacht 9 von 10 Lungenkarzinomen", "Rauchen mindert Ihre Fruchtbarkeit" und "Kinder von Rauchern werden oft selbst zu Rauchern" - sprach der erste emotional am stärksten an. Auf einer Skala von 1 (stimmt gar nicht) bis 4 (stimmt genau) kamen die Nichtraucher bei der Kategorie Angst auf 2,7, bei Ekel auf 3,4 und bei Traurigkeit auf 2,3.

Die Werte bei den Rauchern lagen mit 1,8 sowie 2,7 und 1,6 beträchtlich darunter - wie bei den anderen Warnhinweisen auch. Weniger als zehn Prozent der Raucher sagten zur Warnung vor Lungenkrebs bei der Kategorie Angst "Stimmt genau". Immerhin mehr als ein Drittel tat dies bei der Rubrik Ekel.

Von den nicht rauchenden Schülern der ersten Gruppe, die zuerst die Bilder sahen und dann erst zu ihren Gefühlen und ihrer Einstellung zum Rauchen befragt wurden, zeigten insgesamt 74 Prozent eine ausgeprägt negative Einstellung zum Rauchen. Bei der Kontrollgruppe waren es mit 71 Prozent etwas weniger. Daraus folgert DAK-Vorstandschef Andreas Storm: "Unsere Studie zeigt, dass die Warnhinweise in beträchtlichem Maße negative Emotionen auslösen, wobei Jugendliche, die noch nie geraucht haben, stärker emotional reagierten als rauchende Jugendliche."

Bei Erwachsenen ist nicht ganz klar, wie sich Schockbilder auf das Rauchverhalten auswirken. Denn die Einführung der Schockbilder hat sich mit parallelen Entwicklungen überlagert: Es werden immermehr E-Zigaretten verkauft, die Preise sind gestiegen, das Wissen über die gesundheitsschädlichen Wirkungen des Rauchens verbreitet sich stetig.

Zwar rauchen heute weniger Menschen als noch vor Jahren. Dennoch greift laut DAK in Deutschland immer noch jeder Vierte zur Zigarette. Jeder siebte Todesfall sei auf die Folgen des Rauchens zurückzuführen. Seit 2016 muss auch in Deutschland ein großer Teil der Fläche von Tabakverpackungen für warnende Bilder und passende Texte reserviert sein.

hei/dpa



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Maria--Galeria 30.05.2018
1. Wer profitiert von der Antirauchercampagne
Großes Fragezeichen. Wir sollten uns alle mal bewusst machen dass wir durch und durch manipuliert werden. Ich würde gerne wissen wer von der Antiraucherkampagne profitiert, vermutlich die Gummibärchen oder Chips und Flips, vermutlich wird einfach anderes vermehrt konsumiert, oder ist es die Gesundheitsbranche, Fitnesscenter, Sportswear, Psychopharmaka. Für mich ist jede Zigarette ein Genuss, habe weniger Infekte, fühle mich rund um gesund, hilft mir bei manch einer Stressbewältigung. Alt wird man so oder so und damit kommen einfach für manch einen diverse Beschwerden auf ihn zu, dabei spielen oft Erbanlagen eine große Rolle oder die unterschiedlich langen Genenden. Wenn die Kerze abgebrannt, die Energie verbraucht schauen wir alle die Rüben von unten an. Gestern lief auf Arte eine interessante Sendung und zwar Edward Bernays und die Wissenschaft der Meinungsmache, für jeden zu empfehlen. Bei vielen Nichtrauchern scheint der Verstand ausgeschaltet, vermutlich aus oben genannten Gründen. Unsere überaus gute Ernährung hat vermutlich im Schnitt für ein verlängertes Leben gesorgt, aber nicht bei meinen nicht rauchenden Bekannten, viele sind um die fünfzig schon verstorben. Die Hochbetagten tummeln sich vermutlich unter den überdurchschnittlich gut versorgten Pensionären, dazu gehörte übrigens auch unser rauchender Ex-Kanzler Helmut Schmidt, über neunzig Jahre und seine Frau Loki. Das Angstsydrom wird vermutlich in Zukunft viele Leben kosten, die Angst davor nicht alles richtig zu machen, ja und Angst wird schon den Kindern eingepflanzt durch diese primitive Werbung. Wenn dann gleich mit der Holzhammermethode. Seit ein paar Jahrzehnten wird der Schwund an IQ festgestellt, liegt vermutlich daran dass permanent der Verstand durch Propaganda eingetrübt wird.
aurichter 30.05.2018
2. Vorschlag
Wir/Ich fordere den Bilddruck auf Geflügelwaren, die die Artgerechte Haltung in diesen Massenzuchtstationen zeigen, darüberhinaus Bilder von Tiertransporten quer durch Europa, sowie den Tod bei diesen widerlichen Transporten und Zuchtstationen. Das Schreddern von wehrlosen Leben schon beendet? Oder dürfen sich die Nutzniesser dieser Fredszuchtstationen noch an den Maschinen ergötzen? Wann kommen die kleinen Bildchen denn auch auf Flaschen mit Alcoholika, um den jungen "Komasäufern" und deren Erziehungsberechtigten, dazu gehören ja gottseidank auch Politiker, zu zeigen, wie Abhängige dahinvegetieren, andere Menschen/Kinder im Strassenverkehr platt fahren und in's Leichenschauhaus? Hier hängen sich einige Fanatiker an dieser Last auf, kassieren jedoch weiterhin Steuern durch Tabak im Milliardenbereich und lassen andere Probleme aussenvor! Deutschland deine engstirnigen Fanatiker. PS Bin selbst Nichtraucher, aber dieser Fanatismus ist nur noch zum k*tzen.
dasfred 30.05.2018
3. Super Aussagekraft
Kindern und Jugendlichen ein paar Ekel Fotos zeigen und sich wundern, dass sie davon ein wenig aufgewühlt sind. Wenn jetzt noch Bilder aus der Viehzucht und Schlachthöfen gezeigt werden, können die Burgerbrater dicht machen. Rauchen war bei Jugendlichen immer ein Gruppenphänomen. Kaum einer ist allein und heimlich zum Raucher geworden. Mittlerweile steht aber die Zigarette in Preis und Aufmerksamkeit in Konkurrenz zum Smartphone. Den Einfluss von Schockbildern auf das Rauchverhalten kann man daher mit einer leichten Veränderung der Testbedingungen für marginal erklären. Übrigens, vor 30 Jahren hat man jungen Männern beim Sicherheitslehrgang vor der Ausbildung zum Seemann übelste Fotos von den Auswirkungen von Geschlechtskrankheiten gezeigt. Die Wirkung hielt nicht lange vor.
Ein_denkender_Querulant 30.05.2018
4. Sammelalben
Dabei gibt es schon erste Sammelalben für Zigaretten-Schockbilder, die bei Schülern sehr beliebt sind und zum Teil dazu führen, dass sie mehr Rauchen, um das Sammelalbum voll zu bekommen. Ein Teufelskreis!
kangootom 30.05.2018
5. Ziel erreicht
Das Ziel der Schockbilder ist es Nichtraucher davon abzuhalten mit dem Rauchen zu beginnen. Zumindest bei Jugendlichen scheint es eine eine Wirkung zu haben. Dass man Raucher damit nicht zum Aufhören bewegt ist klar: Die Risiken und Folgen sind bekannt, werden aber verdrängt, weil der Drang zur Suchtbefriedigung stärker ist als der Verstand, was leider das Grundprinzip jeder Droge ist.
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