Rippenbrüche Meist helfen Schmerzmittel und Geduld

Ein unglücklicher Sturz oder Zusammenstoß und eine Rippe ist geprellt oder gebrochen. Jeder Atemzug tut dann extrem weh. Betroffene sollten zum Arzt gehen und Schmerzmittel nehmen.

Frau mit Rippenschmerzen
TMN/ Christin Klose

Frau mit Rippenschmerzen


Wenn bei einem Sturz oder Stoß eine Rippe geprellt wird oder bricht, ist der Schmerz kaum auszuhalten. Dazu kommen häufig Atemprobleme, weil das Luftholen wehtut. Im schlimmsten Fall fühlt es sich an, als ersticke man. Das ist zwar normalerweise nicht der Fall. Trotzdem muss die Verletzung unbedingt von einem Arzt angeschaut werden. Denn die Atemprobleme können eine Lungenentzündung nach sich ziehen.

Um sich ein Bild von der Art der Verletzung zu machen, röntgt der Arzt den Brustkorb des Patienten, sagt Florian Gebhard. Er ist Ärztlicher Direktor der Klinik für Unfallchirurgie, Hand-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie am Zentrum für Chirurgie in Ulm. Nur auf einem Röntgenbild ist zu sehen, ob eine oder mehrere Rippen angeknackst oder gebrochen sind.

Die zwölf paarig angelegten Rippen, die zum Brustkorb gehören, schützen das Herz, die Speiseröhre, die Lunge und die Luftröhre. Sie sind elastisch und brechen eher selten. Im Alter kann es bei einem Sturz allerdings schneller zu einem Rippenbruch kommen, weil die Knochen häufig porös sind.

Den Helden zu spielen, lohnt sich nicht

Nicht immer bricht die Rippe dabei gleich ganz durch, manchmal ist sie nur angeknackst. "Die Rippe ist in solchen Fällen an sich ist intakt, hat aber einen Riss", erklärt Gebhard. Manchmal wird sie auch nur geprellt. In beiden Fällen verursachen Atmen, Husten und Niesen dennoch starke Schmerzen, gegen die man Schmerzmittel nehmen sollte.

"Sie sind wichtig, damit man weiterhin normal ein- und ausatmet", betont Gebhard, der auch Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie ist. Betroffene sollten also nicht den Helden spielen, sondern die Medikamente nehmen, wenn sie Schmerzen haben.

Das gilt auch, wenn eine Rippe gebrochen ist. Solang keine Organe in Mitleidenschaft gezogen wurden, heilt der Bruch in aller Regel innerhalb von fünf bis sechs Wochen aus, sagt Gebhard. Bei mehreren gebrochenen Rippen kann es länger dauern. Ähnlich wie eine geprellte oder angeknackste Rippe, macht sich ein Rippenbruch durch heftige Schmerzen beim Husten, Niesen, Atmen und Liegen auf der betroffenen Seite bemerkbar.

3D-Aufnahme einer angebrochenen Rippe eines Leistungsruderers
Universitätsklinikum Ulm

3D-Aufnahme einer angebrochenen Rippe eines Leistungsruderers

Der Brustkorb schützt wichtige Organe

Sind gleich mehrere Rippen gebrochen, ist der Brustkorb unter Umständen nicht mehr stabil. "Dadurch kann die Belüftung des darunter liegenden Lungenflügels erheblich eingeschränkt sein", erklärt Erika Baum. Sie ist Fachärztin für Allgemeinmedizin in Biebertal und Professorin im Ruhestand an der Universität Marburg.

Es kann auch passieren, dass eine gebrochene Rippe verkantet und die Lunge verletzt. Dann drohen ein Lungenkollaps oder Entzündungen. Bei einem Kollaps fällt die Lunge in sich zusammen, weil sie nicht mehr an der Brustwand haftet. Die Ärzte müssen dann operativ einen Drainageschlauch in den Brustkorb legen.

Manche Patienten müssen zeitweise künstlich beatmet werden - zum Beispiel, wenn die Atmung aufgrund des Bruchs mehrerer Rippen sehr stark eingeschränkt ist. Im Krankenhaus zeigen Therapeuten dem Betroffenen die richtige Atemtechnik und spezielle Übungen. Solch extreme Fälle von Rippenbrüchen sind aber selten.

Bewegung in Maßen ist erlaubt

Während des Heilungsprozesses gilt: Solange es wehtut, sollte der Betroffene größere körperliche Anstrengungen vermeiden. Im Bett bleiben muss man aber nicht. Bewegung ist sogar ratsam, allerdings in Maßen. Sportler müssen, vor allem bei Schmerzen, eine Trainingspause einlegen. Sie sollten erst nach Rücksprache mit dem Arzt wieder trainieren.

"Während des Heilungsprozesses kann es zu neu auftretender Luftnot oder Kreislaufproblemen kommen", erklärt Baum, die auch Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin ist. Ein Arzt sollte die Ursache der Komplikationen abklären. Manchmal muss die Lunge erneut geröntgt werden, um ein Kollabieren des Organs auszuschließen.

"Rechtzeitig erkannt sind solche Komplikationen gut in den Griff zu bekommen", betont Gebhard. Und: In der überwiegenden Zahl der Fälle heilen Rippenbrüche ohne unangenehme Folgen.

Sabine Meuter, dpa/jme

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