Rosazea Fluch der Kelten

Sonne, ein Glas Wein, Stress: Das alles kann die Hautkrankheit Rosazea verstärken. Manche Betroffene haben stark gerötete Wangen, andere entwickeln eine Knollennase oder Augenbeschwerden. Inzwischen ist das Leiden relativ gut behandelbar.

"Alter Mann mit Enkel" von Domenico Ghirlandaio aus dem 15. Jahrhundert: Einige von Rosazea Betroffene entwickeln eine Knollennase
Corbis

"Alter Mann mit Enkel" von Domenico Ghirlandaio aus dem 15. Jahrhundert: Einige von Rosazea Betroffene entwickeln eine Knollennase


Die Wangen verfärben sich feuerrot, die Augen sind unangenehm trocken: Bei Menschen, die unter Rosazea leiden, können Alkohol, UV-Strahlen und der Wechsel von Hitze und Kälte solche Symptome hervorrufen. Die Betroffenen haben eine extrem empfindliche Haut, zum Teil bilden sich Pusteln im Gesicht und die Nase wird zur Knollennase. Auch Stress, Kosmetika, Sport oder scharfe Speisen können sich bei dieser chronischen, nicht-übertragbaren Krankheit stark aufs Hautbild auswirken.

Die für stärker Betroffene psychisch belastende Rosazea ist mittlerweile vergleichsweise gut behandelbar. Die Medikamente unterdrücken jene Entzündungsreaktionen, die die Hauterkrankung verursachen.

Etwa zwei bis 20 Prozent der Allgemeinbevölkerung im mittleren Alter sind betroffen - je nachdem wie eng der Begriff Rosazea gefasst wird und welches Land man betrachtet. Rosazea wird auch "Fluch der Kelten" bezeichnet, weil sie bei hellhäutigen und sonnenlichtempfindlicheren Nordeuropäern überdurchschnittlich oft auftritt. In Deutschland haben Schätzungen zufolge zwei bis fünf Prozent der Erwachsenen eine Rosazea.

Narben in der Hornhaut

Die Krankheit kann sich auch aufs Auge auswirken, Mediziner sprechen von okulärer Rosazea. "Diese Form kann auch allein ohne Hautbeteiligung auftreten. Da diese Rosazea-Form bei Kindern zu wenig bekannt ist, wird sie auch viel zu selten diagnostiziert", sagt der Dermatologe Martin Schaller, stellvertretender Direktor der Universitätshautklinik in Tübingen. Dabei kommt es bei Kindern viel schneller als bei Erwachsenen zu Hornhautschädigungen. Es bilden sich dann Narben in der Hornhaut, also Stellen, an denen man nichts mehr sehen kann. "Das kann bis zur Erblindung gehen", sagt Schaller. Typische Symptome für diese Form der Rosazea sind ein Fremdkörpergefühl, ein unzureichender Tränenfilm, Brennen, Lidrandentzündungen, Hagelkörner, Bindehautentzündungen - Symptome, die auch für das trockene Auge typisch sind. Für Schaller steht deshalb fest: "Das trockene Auge ist oftmals eine Rosazea."

Die Beschwerden am Auge treten bei etwa der Hälfte der von Rosazea Betroffenen auf. Wer die genannten Beschwerden hat, kann seinen Augenarzt auf Rosazea ansprechen. Manche Patienten haben Rötungen, die zunächst wieder weggehen, irgendwann aber permanent bestehen bleiben. Bei anderen Betroffenen macht sich Rosazea durch kleine Eiterpickelchen, sogenannte Pusteln, und kleine Knötchen, Papeln, bemerkbar. Bei einer weiteren Ausprägung vergrößern sich die Talgdrüsen, das Bindegewebe wuchert. Diese Patienten haben das Risiko, eine Knollennase zu bekommen. Rhinophym sagen die Mediziner dazu. Die Ausprägungen treten nach Aussage von Schaller zumeist kombiniert auf. "Aber nicht jeder Rosazea-Patient bekommt ein Rhinophym", beruhigt der Dermatologe.

Rosazea auf der Wange: Oft tritt die Krankheit erst im Erwachsenenalter auf
Corbis

Rosazea auf der Wange: Oft tritt die Krankheit erst im Erwachsenenalter auf

Kein ausgiebiges Sonnenbaden

Betroffenen wird empfohlen, reizarme Hautcremes zu verwenden und Rosazea-Trigger wie etwa ausgiebiges Sonnenbaden zu meiden. Daneben sei eine lokale Therapie mit entzündungshemmenden Medikamenten wichtig, sagt Schaller. Empfohlen werden in erster Linie die Wirkstoffe Metronidazol und Azelainsäure. Gegen Rötungen helfe der äußerlich anzuwendende, relativ neue Wirkstoff Brimonidin, sagt Schaller. Dieser wirke gefäßverengend und antientzündlich. Allerdings vertragen nach Aussage des Dermatologen 15 bis 20 Prozent der Patienten Brimonidin nicht.

Knollenartige Hautverdickungen lassen sich mit dem Laser oder einem Einmalrasierer unter lokaler Betäubung abtragen. Die Laserbehandlung bezahlt die gesetzliche Krankenversicherung nicht.

Tritt Rosazea am Auge auf, kann unter anderem das Antibiotikum Doxycyclin, in niedriger Dosierung über sechs Monate angewendet, helfen. Allerdings darf das Medikament nur bei Kindern über acht Jahren eingesetzt werden. Bei kleineren Kindern wird Erythromycin verwendet. In der aktuellen, in den Leitlinien festgeschriebenen niedrigen Dosierung von 40 mg täglich wirkt Doxycyclin nicht antibiotisch, sondern antientzündlich. Entsprechend weniger Nebenwirkungen treten auf. Es ist auch das Mittel der ersten Wahl, wenn bei einer schweren oder therapieresistenten Haut-Rosazea die lokale Therapie nicht mehr reicht und die Krankheit systemisch, also mit Tabletten behandelt werden muss. Nach viermonatiger systemischer Behandlung kann Doxycyclin abgesetzt werden. Ärzte empfehlen anschließend wieder direkt auf die Haut aufgetragene Wirkstoffe, die vor einem Rückfall schützen sollen.

Weitere Informationen zur Behandlung von Rosazea finden Sie auf gesundheitsinformation.de .

Die möglichen Ursachen von Rosazea
    Was Rosazea auslöst, ist noch nicht vollständig geklärt. Es gilt als sicher, dass eine Störung im angeborenen Immunsystem vorliegt. Bei Rosazea-Patienten liegt nach Angaben des Dermatologen Martin Schaller ein bestimmtes kleines Protein (Peptid) in falscher Form und in zu großen Mengen vor, das zur Es angeborenen unspezifischen Immunabwehr gehört. Weiterhin liegt eine Fehlregulation der Gefäßdurchblutung vor. Als Reaktion auf gewisse Trigger stellen sich die Blutgefäße dann weit. Daraufhin wandern Entzündungszellen aus dem Blut ins Gewebe, Bindegewebe wuchert.
Zusätzlich tummeln sich auf der Gesichtshaut von Rosazea-Patienten mehr Haarbalgmilben als bei anderen Menschen. Diese Demodex-Milben provozieren eine überschüssige Immunantwort und fördern offenbar die Peptidbildung. Alles zusammen heizt Entzündungsreaktionen in der Haut an. Da Rosazea familiär gehäuft auftritt, sind höchstwahrscheinlich genetische Faktoren beteiligt. Zwei Pilotstudien haben Hinweise darauf geliefert, dass auch die Darmflora eine Rolle spielen könnte. "Bei Patienten, bei denen der Dünndarm mit Dickdarm-Bakterien überwuchert ist, tritt Rosazea häufiger auf als bei Menschen ohne diese Überwucherung", sagt Schaller.
Zur Autorin
  • Gerlinde Gukelberger-Felix ist Diplom-Physikerin und studierte eine Zeit lang Medizin, bis sie sich ganz dem Journalismus verschrieb. Besonders interessant findet sie alle Überschneidungen zwischen Medizin, Physik, Biologie und Psychologie. Sie arbeitet als freie Medizin- und Wissenschaftsjournalistin.


insgesamt 13 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
nolabel 15.12.2014
1. Azelainsäure
Es freut mich, dass dieser Wirkstoff, der mich seit über 10 Jahren fast symptomfrei hält, endlich in den Focus der Spezialisten gerückt ist. Ich bin seinerzeit erfolglos (auch mit Metronidazol und Antibiotika) von 6 oder 7 verschiedenen Hautärzten behandelt worden, bis mir endlich einer Azelainsäure (die Creme heißt Skinoren) verschrieb, mit der Maßgabe, sie "lebenslang" dünn morgens und abends aufzutragen. Die 20-prozentige organische Säure hat null Nebenwirkungen, außer der angenehmen eines leichten Peelingeffekts. Wer noch unter Rosazea leidet und dieses Mittel noch nicht probiert hat, sollte es unbedingt baldigst tun!
nada33 15.12.2014
2.
Nach Behandlung einer Lungenentzündung mit Penicillin, auf das ich massiv allergisch reagierte, hatte ich ca. 10 Jahre lang mit Rosazea auf der Nase zu tun. Irgendwann wurde es so doll, dass ich vom Hautarzt eine Cortisonsalbe bekam mit der Folge, dass dort die Haut nur kaputt ging. Meine Hausärztin empfahl mir dann, die Leber zu stärken und zwar mit Hepatodoron von Weleda, parallel dazu natrium sulfuricum von den Schüssler Salzen. Wau! Nach ca 2 bis 3 Wochen wurde es deutlich besser und heute ist nix mehr zu sehen. Und das seit weiteren 10 Jahren. Allerdings nehme ich die Mittel immer noch ab und zu ein.
Antidarwinist 15.12.2014
3. Die Kelten waren keine Nordeuropäer
Die Kelten waren keine Nordeuropäer, sondern West- und Mitteleuropäer. Aber egal. Hauptsache, man kann im Namen der Wissenschaft Negatives über helle Haut verbreiten.
imme13 15.12.2014
4. andere Behandlungsmöglichkeit
Meine Rosazea habe ich seit 5 Jahren alleine durch den regelmässig alle 6 Wochen stattfindenden Besuch bei einer Kosmetikerin bestens im Griff. Die Röte kann ich dadurch nicht beeiflussen, an sie habe ich mich gewöhnt, aber ich habe inzwischen keinerlei Pusteln mehr und verzichte komplett auf Chemie.
imme13 15.12.2014
5. andere Behandlungsmöglichkeit
Meine Rosazea habe ich seit 5 Jahren alleine durch den regelmässig alle 6 Wochen stattfindenden Besuch bei einer Kosmetikerin bestens im Griff. Die Röte kann ich dadurch nicht beeiflussen, an sie habe ich mich gewöhnt, aber ich habe inzwischen keinerlei Pusteln mehr und verzichte komplett auf Chemie.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.