Rückenschmerzen Yoga wirkt so gut wie Physiotherapie

Mit Rückenschmerzen besser zur Krankengymnastik oder ab auf die Yogamatte? US-Forschern zufolge hilft beides gleich gut. Und wer sich so bewegt, braucht weniger Schmerzmittel.

Rückenstärkung beim Yoga
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Rückenstärkung beim Yoga


Der herabschauende Hund, die Katze, der Baum, der Halbmond - beim Yoga wird der Rücken in zahlreichen Posen gestärkt. Dass die Sportart gegen Rückenschmerzen hilft und vorbeugen kann, ist bekannt. Aber hilft Yoga ebenso gut wie Physiotherapie, deren Kosten in den meisten Fällen immerhin von Krankenkassen erstattet werden?

Ja, sagt ein Team von Forscherinnen und Forschern aus den USA. Die Wissenschaftler hatten 320 Menschen mit chronischen Schmerzen im unteren Rücken zufällig drei Gruppen zugeordnet: Die erste besuchte drei Monate lang einmal in der Woche Yogakurse, im Anschluss machten die Probanden damit neun Monate lang weiter oder praktizierten zu Hause auf der Matte.

Die zweite Gruppe ging innerhalb von drei Monaten 15 mal zur Physiotherapie und führte die gelernten Übungen zu Hause fort. Die dritte Gruppe bekam lediglich ein Ratgeberbuch mit Informationen zu Rückenschmerzen mit Selbsthilfetipps überreicht, außerdem wurde den Teilnehmern regelmäßig ein Newsletter zu dem Thema gemailt.

Weniger Beschwerden, weniger Schmerzmittel

Zu Beginn und nach drei Monaten gaben die Probanden in zwei standardisierten Fragenbögen an, wie stark ihre Schmerzen waren und unter welchen Einschränkungen sie litten. Außerdem dokumentierten die Teilnehmer, ob und wie viele Schmerzmittel sie einnahmen, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift "Annals of Internal Medicine".

Das Ergebnis: In der Yogagruppe nahmen die Rückenbeschwerden ebenso stark ab wie in der Physiotherapie-Gruppe. Auch ein Jahr später hatten diese Teilnehmer noch messbar weniger Schmerzen und körperliche Einschränkungen als zu Beginn der Studie. Aber auch jene Probanden, die lediglich Informationsmaterial zum Rücken bekommen hatte, litten am Ende der Untersuchung weniger unter Schmerzen.

Ein deutlicher Unterschied zeigte sich bei der Einnahme von Schmerzmitteln: Die Yoga- und Krankengymnastik-Probanden brauchten messbar weniger solche Arzneien als die Informationsgruppe. "Yoga scheint eine vernünftige Alternative zu sein, um chronische Schmerzen im unteren Rücken zu behandeln", schlussfolgern die Autoren.

In Deutschland bekommen im Schnitt acht von zehn Menschen mindestens einmal im Leben Rückenschmerzen. Das Volksleiden gehört zu den häufigsten Ursachen von Berufsunfähigkeit, es verursacht jährlich rund 40 Millionen Fehltage und kostet jährlich mehrere Milliarden Euro. Immer häufiger werden die Betroffenen im Krankenhaus behandelt und auch immer häufiger operiert - mit regionalen Unterschieden. Das ist längst nicht in jedem Fall sinnvoll, denn bei dem weitaus größten Teil (zwischen 75 und 90 Prozent) verschwinden die Beschwerden von alleine wieder.

Beweglichkeit trainieren mit Yogaposen
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Beweglichkeit trainieren mit Yogaposen

Der Schmerz entsteht dem Robert Koch-Institut (RKI) zufolge bei einem Großteil der Rückengeplagten (etwa 85 Prozent) nicht durch einen Schaden an der Wirbelsäule. Experten sehen als eine der wichtigsten Ursachen, dass viele Menschen hauptsächlich sitzen und zu wenig gehen, laufen, Rad fahren, schwimmen oder anderen Sport treiben.

Neben dem Bewegungsmangel haben auch psychische Belastungen einen großen Einfluss auf die Rückengesundheit. Hier könnte Yoga einen zusätzlichen Nutzen haben. Denn neben mehr Kraft und Flexibilität sollen die Übungen Körper, Geist und Seele in Einklang bringen - fast ausnahmslos gehört zu einer Yogastunde auch eine Meditation.

hei

insgesamt 24 Beiträge
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dioogenes 20.06.2017
1. Qigong
Erstens, Yoga ist keine "Sportart". Wer das schreibt, hat keine Ahnung. Zweitens, mindestens so gut wie Yoga ist die chinesische Variante Qigong. Sanfter als Yoga, aber genauso kräftigend, weshalb immer mehr Yogis Qigong für sich entdecken.
abyssmares1961 20.06.2017
2. Physiotherapie?
Ist ja wieder ein interessanter Vergleich. Physiotherapie ist ein vielfältiger und umfassender Bereich. Physiotherapie (inkl. Manualtherapie etc.) besteht nicht nur aus Übungen vorzeigen, in der Hoffnung, der Patient macht sie dann zu Hause regelmässig. Gute Physiotherapeuten/innen machen eine exakte Funktionsdiagnose und auf Grund dieser Diagnostik wird dann die entsprechende Therapie initiiert. Vielleicht wäre es ja interessant, die Anwendungen (Mobilisieren, Manipulieren, neurodynamische Übungen, Stabilisieren etc.) zu vergleichen? Solche Studien gibt es zuhauf und sagen mehr aus, als einfach einen schlecht bezahlt Beruf schlecht zu machen.
der_unbekannte 20.06.2017
3. Auweia...
...Yoga eine Sportart? Dass mag der Westen so sehen, aber Yoga ist viel mehr. Yoga ist vor allem eine philosophische/spirituelle Lehre, die auch aus geistigen Übungen besteht. Im Westen kennt man vor allem die Richtung des Hatha Yoga, der körperbetont ist. Falsch ausgeführt kann er sogar mehr schaden als nutzen. Für den Anfang unbedingt einen qualifizierten Yoga-Lehrer aufsuchen! Wenn man sicher genug ist, kann man alleine zu Hause üben. Wie mein Vorredner #1 bereits sagte, Qigong sollte hier nicht unerwähnt bleiben. Die Übungen sind sehr sanft und langsam in den Bewegungen und bringen zudem den Geist durch die achtsamen Bewegungen zur Ruhe. Also ideal um gegen Stress anzukämpfen. Gilt auch für Tai-Chi.
analysix 20.06.2017
4. richtig liegen ist wichtig
ich habe meine Rückenschmerzen / Skoliose mit einem Mix aus Bewegung und der richtigen Matratze gelindert - besser gesagt mit einem Luft-Schlafsystem (hatte ich von der Website des Deutschen Skoliose Netzwerkes erfahren). Konnte sozusagen im Schlaf meinen Rücken wieder herstellen ;-)
der_unbekannte 20.06.2017
5. Faszienrolle
Zur klassischen Krankengymnastik als Ergänzung kann ich auch Übungen mit einer Faszienrolle sehr empfehlen. Etwas besseres zur Selbstmassage, Lockerung der Muskeln und Faszien habe ich noch nicht erlebt.
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