Rückruf von Hüftgelenksprothesen: DePuy-Patienten sollten zum Arzt
Der US-Hersteller DePuy hat künstliche Hüftgelenke seiner Marke Adept zurückgerufen. Für Patienten bedeutet das: Wer eine solche Prothese erhalten hat, sollte sich von seinem Arzt untersuchen lassen. Doch nicht jeder Patient muss operiert werden.
Schmerzen am Hüftgelenk, Probleme beim Gehen: Menschen mit künstlichen Hüftgelenksprothesen sollten auf solche Symptome besonders achten, denn sie könnten auf ein schadhaftes Implantat hinweisen. Der Hersteller DePuy Synthes - eine Tochterfirma des US-Pharmakonzerns Johnson & Johnson - hat deshalb Bestandteile von Hüftgelenksprothesen zurückgerufen. Betroffen ist der sogenannte Modularkopf der Marke Adept 14/12. Das Produkt wurde von 2004 bis September 2011 vertrieben und soll nicht weiter verkauft oder verwendet werden.
Dem Unternehmen zufolge musste es öfter als erwartet ausgetauscht werden. Das heißt, mehr Patienten als üblich mussten erneut operiert werden, weil es Probleme mit dem Implantat gab. Patienten mit einer künstlichen Hüfte sollten daher in ihrem Prothesenpass nachsehen, ob sie Träger dieses Teils sind, empfiehlt die unabhängige Patientenberatung in Bielefeld.
Wer keinen Pass hat, wendet sich am besten an seinen Orthopäden und klärt diese Frage ab. In jedem Fall sollten sich betroffene Patienten vom Arzt untersuchen lassen - auch wenn sie noch keine Beschwerden haben. Der Orthopäde könne feststellen, ob das Gelenk noch einwandfrei funktioniert. "Nicht jeder muss die Prothese entfernen lassen", sagt Judith Storf von der Patientenberatung. Patienten sollten ihr künstliches Gelenk aber auch nach der Untersuchung gut beobachten.
DePuy nennt neben Schmerzen und Reaktionen im Gewebe als Hauptgrund für einen Austausch, dass sich der Hüftschaft gelockert hat. Dabei handelt es sich um das Stück der Prothese, das im Oberschenkelknochen verankert ist. Dem Unternehmen zufolge sind etwa 7700 Stück des Adept-14/12-Modularkopfs in 21 Ländern verkauft worden. Nach Angaben des AOK-Bundesverbandes sind es in Deutschland 1800 Stück.
Wer Beschwerden hat und das künstliche Gelenk deswegen nun erneuern lassen muss, sollte sich nach Meinung der Patientenberatung anschließend Gedanken über Schmerzensgeldforderungen machen. "Die Firma hat ein klares Zugeständnis gemacht, dass es mit dem Implantat Probleme gibt", sagte Storf. Wichtig sei, den Austausch gut dokumentieren zu lassen. Das geschehe in der Regel durch die OP-Unterlagen des Krankenhauses: Damit könne der Patient beweisen, dass er Träger des zurückgerufenen Modells war.
"Mit diesen Unterlagen sollte er sich dann an die Herstellerfirma wenden", erläuterte die Patientenberaterin. Ein Anwalt sei bei diesem Schritt nicht nötig. Unterstützung könne sich ein Betroffener aber bei einer Selbsthilfegruppe für Menschen mit schadhaften Hüftprothesen holen. Zu erwarten sei, dass die Firma ein Schmerzensgeld anbiete. Der Patient müsse dann entscheiden, ob er es für angemessen hält.
DePuy war schon 2011 wegen schadhafter Implantate in die Schlagzeilen geraten. Damals ging es um das ASR-Hüftsystem, das im Juli 2003 auf den Markt gekommen war. Auch mit diesem Gelenk mussten Patienten öfter als erwartbar erneut operiert werden.
Nina Zimmermann, dpa
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
- alles aus der Rubrik Gesundheit
- Twitter | RSS
- alles aus der Rubrik Diagnose & Therapie
- RSS
- alles zum Thema Chirurgie
- RSS
© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
- Montag, 18.02.2013 – 18:14 Uhr
- Drucken Versenden
- Nutzungsrechte Feedback
- Kommentieren | 8 Kommentare
Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel:
Follow @SPIEGEL_GesundWeitere wichtige Ansprechpartner sind laut Bundesgesundheitsministerium die Krankenkassen: Viele können eine außergerichtliche Rechtsberatung vermitteln oder ein Gutachten durch den medizinischen Dienst der Krankenversicherung einholen. Dieses ist für Ärzte und Krankenhäuser zwar nicht bindend, kann aber bei einem Gerichtsverfahren nützlich sein.
Ebenfalls Hilfe bieten Verbraucherzentralen, Selbsthilfegruppen oder Patientenberatungsstellen. Die Unabhängige Patientenberatung Deutschland betreibt unter der Rufnummer 0800-0117722 ein bundesweites kostenloses Beratungstelefon.
Die Kommissionen haben für Patienten den Vorteil, dass ihre Arbeit für sie kostenlos ist, allerdings wird ihnen vorgeworfen, dass sie nicht komplett unabhängig sind, da sie zu den Ärztekammern gehören. Vorsitzender der Gutachterkommission ist ein Jurist, der die Befähigung zum Richteramt haben muss, hinzu kommen zwei ärztliche Mitglieder, von denen mindestens einer im gleichen Fachgebiet arbeiten muss wie der betroffene Arzt.
Das Einschalten der Schlichtungsstellen und Gutachterkommissionen ist freiwillig, die Fälle sollten noch nicht Gegenstand eines gerichtlichen Verfahrens sein und dürfen in der Regel nicht länger als fünf Jahre zurückliegen. Sind Patient oder Arzt mit dem Ergebnis nicht einverstanden, können sie anschließend noch vor Gericht ziehen.
Zieht der Patient vor Gericht, muss grundsätzlich er beweisen, dass er durch eine fehlerhafte Behandlung einen Gesundheitsschaden davongetragen hat. Das Gericht unterstützt ihn jedoch bei der Aufklärung und geht den Vorwürfen nach.
Broschüre "Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen bei den Ärztekammern - ein Wegweiser der Bundesärztekammer": http://www.aktionsbuendnis-patientensicherheit.de
Broschüre "Patientenrechte in Deutschland" des Bundesgesundheitsministeriums: http://www.bmg.bund.de
- Marke Adept: Rückruf von künstlichen Hüftgelenken (15.02.2013)
- Sprechstunde: Gesund leben von A bis Z
- Behandlungsfehler: Tausende Patienten beschweren sich bei der Ärztekammer (19.06.2012)
- Künstliche Hüftgelenke: Britische Ärzte wollen Metall-Prothesen verbieten (13.03.2012)
- Künstliche Hüftgelenke: Bessere Überwachung für Metallprothesen (18.06.2012)
- Herstellungsfehler: Klinik muss 125 defekte Hüftprothesen austauschen (01.03.2010)
- Internetseite des Endoprothesenregisters Deutschland
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: Rückruf von Hüftkopfprothesen
- Selbsthilfegruppe: Patienten mit schadhaften Hüftprothesen
für die Inhalte externer Internetseiten.
MEHR AUS DEM RESSORT GESUNDHEIT
-
Sprechstunde
Gesundheit von A bis Z: Alles über Krankheiten, Wirkstoffe und mehr -
Gesund geraten
Quiz-Arena: Testen Sie Ihr Wissen über Ernährung, Fitness und Medizin! -
Organspende
Herz, Lunge, Leber und Co.: Welche Organe kann man spenden? -
Seniorenportal
Suche: Betreutes Wohnen, Senioren- und Pflegeheime -
Tools
Service: Berechnen Sie Ihren BMI, Kalorienbedarf und mehr!
