Beim Haustier angesteckt Vorsicht, Kuschelkeime!

Wenn eine Epidemie wie die Vogelgrippe in den Schlagzeilen ist, fürchten Menschen plötzlich, sie könnten sich bei ihrem Haustier anstecken. Viel wahrscheinlicher ist aber eine Infektion mit ganz gewöhnlichen Krankheiten.

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Kuscheln mit dem Hund: Der Experte vom Landesgesundheitsamt empfiehlt, sich nicht vom Haustier das Gesicht ablecken zu lassen
Corbis

Kuscheln mit dem Hund: Der Experte vom Landesgesundheitsamt empfiehlt, sich nicht vom Haustier das Gesicht ablecken zu lassen


Es ist eine traurige Beobachtung: Wenn die Vogelgrippe ausbricht, setzten panische Tierhalter Kanarienvögel und Katzen aus - weil sie fürchten, sich bei ihnen anzustecken. Und in Spanien wurde der Hund einer Ebola-Infizierten sogar sicherheitshalber getötet. Solange es keinen Seuchenalarm gibt, sind viele Menschen hingegen völlig sorglos im Umgang mit ihren Haustieren.

Zwar ist das Risiko gering, sich beim tierischen Mitbewohner anzustecken, aber es ist vorhanden. "Tierhalter sollten wissen, dass ihre Haustiere Krankheitserreger in sich tragen können, ohne zwangsläufig selbst zu erkranken", sagt Peter Weidenfeller vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg.

So werden über den Kot von Hunden, Katzen und nahezu allen weiteren Haustieren Bakterien oder auch Würmer übertragen, die beim Menschen zum Beispiel Durchfallerkrankungen auslösen können. Nagetiere wie Hamster oder Meerschweinchen können Menschen mit Hautpilzen anstecken. Weil sie so weich und kuschelig sind, würden die Kleinnager häufig ans Gesicht gehalten, sagt Weidenfeller. Typischerweise treten dort dann juckende, schuppende Rötungen auf.

Katzen können Toxoplasmen übertragen

Beim Umgang mit Katzen sollten vor allem Schwangere vorsichtig sein. Sie können sich über Katzenkot mit Toxoplasmen infizieren, Parasiten, die dem ungeborenen Baby schaden können. Weidenfeller empfiehlt: "Wenn bereits eine Risikoschwangerschaft besteht, sollte man darüber nachdenken, Katzen vorübergehend in einem anderen Haushalt unterzubringen." Bei einer unproblematisch verlaufenden Schwangerschaft ist diese Vorsichtsmaßnahme nicht notwendig. Schwangere sollten aber nach Möglichkeit nicht selbst das Katzenklo säubern - und falls doch, dabei Einmalhandschuhe tragen.

Gefährlich sind Bisse von Katzen: Weil ihre Zähne so lang und spitz sind, dringen dabei Bakterien tief in die Bisswunde ein. So können schlimme Entzündungen und sogar Blutvergiftungen entstehen.

Äußerst unwahrscheinlich sei es hingegen, sich bei seiner Katze mit Vogelgrippe anzustecken. Zwar bestehe theoretisch die Möglichkeit, dass Katzen daran erkranken - wenn sie einen Vogel fressen, der das Virus in sich trägt. Daher sollten die Vierbeiner in Vogelgrippe-Sperrgebieten möglichst keinen Freigang bekommen. "Das Virus würde sich aber nicht auf den Halter der Katze weiter übertragen, wenn der einen normalen Umgang mit dem Tier hat", sagt Weidenfeller.

Was viele Haustierbesitzer nicht wüssten: Krankheiten können auch zwischen Mensch und Tier hin- und hergegeben werden. So können beispielsweise Hund und Katze als Reservoir für Bakterien wie den Methicillin-resistenten Staphylococcus aureus (MRSA) dienen. Eine MRSA-Infektion ruft Entzündungen und manchmal auch Blutvergiftungen hervor, die sich nur schwer behandeln lassen. Wenn ein befallener Mensch zu Hause den Keim auf sein Haustier überträgt, entsteht ein gefährlicher Kreislauf. "Selbst wenn der Tierhalter erfolgreich behandelt wurde, kann er sich bei seinem Haustier immer wieder erneut anstecken."

Riskantes Kuscheln mit der Bartagame

Noch zu wenig bekannt sei das besondere Risiko, das von der Haltung exotischer Haustiere ausgehe, sagt Wolfgang Rabsch vom Robert Koch-Institut (RKI) in Wernigerode. Das RKI warnte im Epidemiologischen Bulletin 2013 davor, dass Reptilien Träger exotischer Salmonellen-Stämme sind und sich immer häufiger Kleinkinder bei den Tieren infizieren.

Salmonellenerkrankungen führen zu Erbrechen, schweren Durchfällen und Fieber. Sie können bei kleinen Kindern, aber auch bei Erwachsenen mit abgeschwächter Immunreaktion oder älteren Menschen tödlich verlaufen. In Österreich starb vor drei Jahren ein Einjähriger, der sich bei einem Waran mit Salmonellen angesteckt hatte.

"Eltern halten die feder- und haarlosen Reptilien oft für besonders sauber - zu Unrecht", sagt Rabsch. Weil sich die Tiere kriechend bewegen, kommen sie ständig mit ihrem eigenen Kot in Berührung. Dadurch verteilen sich Salmonellen, die sonst vor allem den Darm besiedeln, auf der Körperoberfläche der Tiere. Sie bilden dort einen widerstandsfähigen Biofilm und können beim Streicheln übertragen werden.

Und kleine Echsen wie zum Beispiel Bartagamen sind oft niedlich. "Sie sehen aus wie kleine Drachen, deshalb spielen Kinder gerne mit ihnen, küssen sie", sagt Rabsch. Viele Halter wüssten nicht, welche Gesundheitsrisiken von den Exoten ausgehen. Darüber hinaus hätten sie oft auch keine Ahnung, wie die Tiere richtig zu halten sind - und hielten sie in Terrarien mit der falschen Größe oder Temperatur. "Bei den Tieren verursacht das Stress, und unter Stress scheiden sie besonders viele Salmonellen aus", sagt Rabsch.

Tipps für den Umgang mit Tieren
Um sich bei seinem Tier nicht mit Krankheiten anzustecken, empfiehlt Peter Weidenfeller vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg, sich an folgende Regeln zu halten:
  • - Nicht im Gesicht ablecken lassen und Wunden vor dem Kontakt mit Tieren schützen.
  • - Tiere nicht im Bett schlafen und nicht am Tisch mitessen lassen.
  • - Beim Reinigen von Katzenklos oder Tierkäfigen Handschuhe tragen und möglichst vermeiden, den Staub einzuatmen. Verunreinigtes Spreu oder Späne kann man gegebenenfalls etwas befeuchten, damit sie weniger stauben.
  • - Die Hände beim Kontakt zu Tieren regelmäßig und nach dem Kontakt mit Reptilien jedes Mal gründlich waschen.
  • - Exotische Reptilien sollten nicht in Haushalten mit Säuglingen gehalten werden. Kinder im Vorschulalter, immunsupprimierte und alte Menschen sollten möglichst keinen Kontakt zu Reptilien haben.
- Biss- und Kratzwunden, die von Haustieren stammen und anschwellen oder sich entzünden, sollte ein Arzt untersuchen.
Zur Autorin
  • Irene Habich
    Irene Habich studierte Tiermedizin und Journalistik. Sie arbeitet als freie Wissenschaftjournalistin in Berlin und Hamburg.



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insgesamt 52 Beiträge
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outsider-realist 15.12.2014
1. Sinn?
Da wird von einer traurigen Beobachtung zu Zeiten der Vogelgrippe gesprochen, wenn Tiere ausgesetzt werden. Sie können gleich weiter beobachten, wie einige Halter aufgrund dieses Berichtes nun sich ihrer Haustiere entledigen. Sie glauben das nicht? Ich wette dagegen.... War das die Absicht des Artikels Panik bei den Ängstlichen zu schüren? völlig überflüssig.....
EvenD 15.12.2014
2. Ich als Vogelhalterin...
...würde über solche Panikmache am liebsten lachen. WÜRDE...wären da nicht Menschen dumm genug zu denken, das meine Vögel, die nie in ihrem Leben Kontakt mit Wildtieren gehabt haben oder haben werden, krank sein könnten. Bisher ist das glücklicherweise nicht passiert...aber sobald die Sache mit der Vogelkrippe aufgebauscht wird, werde ich mich wohl vorsehen müssen. Natürlich gibt es Dinge bei der Vogelhaltung, vor denen niemand gefeit ist. ich selbst hatte schon Probleme mit Roten Vogelmilben, aber es ist noch so, das man gegen diese Schädlinge nichts machen könnte. Wenn man weiß wie, und dahinter bleibt, ist die Sache nicht so schwer zu beseitigen, wie gedacht...und so ist es wohl auch bei allen anderen Haustieren auch. Eine Anmerkung noch zu folgendem: "Biss- und Kratzwunden, die von Haustieren stammen und anschwellen oder sich entzünden, sollte ein Arzt untersuchen." Ich würde ja JEDE entzündete Wunde von einem Arzt untersuchen lassen ;)
thhans 15.12.2014
3. Toxoplasma und Katzen
Leider eher ein Mythos und was der Herr Weidenfeller empfiehlt ist nicht unbedingt korrekt. Es ist NICHT der Kontakt mit der Katze, der so gefaehrlich ist, sondern der Kot. Die Toxoplasma Parasiten brauchen 1-5 Tage AUSSERHALB des Katzenkoerpers, bevor sie fuer den Menschen ansteckend sind. Da sollten vielleicht der Herr Weidenfeller und die Frau Journalistin in sehr bekannten Seiten, wie dem CDC mal nachschauen bevor sie Rat geben...? (http://www.cdc.gov/parasites/toxoplasmosis/biology.html). Da steht sowas! "...Although oocysts are usually only shed for 1-2 weeks, large numbers may be shed. Oocysts take 1-5 days to sporulate in the environment and become infective..."
mfgkw 15.12.2014
4. Was der Experte wohl gar nicht ahnt...
... ist der Umstand, daß Kinder, die mit Tieren aufwachsen, auf Dauer und bis ins Alter hinein viel gesünder sind. Die Dauerkranken sind nach meiner Erfahrung eher die, denen von klein auf keine Erreger angeboten wurden, sondern die steril aufgewachsen sind.
altebanane 15.12.2014
5.
Guter Vorschlag : Die Hände beim Kontakt zu Tieren regelmäßig und nach dem Kontakt mit Reptilien jedes Mal gründlich waschen. Bullshit : - Exotische Reptilien sollten nicht in Haushalten mit Säuglingen gehalten werden. Kinder im Vorschulalter, immunsupprimierte und alte Menschen sollten möglichst keinen Kontakt zu Reptilien haben. Bei srtgerechter Haltung, sprich, das Reptil wohnt in seinem Terrarium und wird nicht dauernd durch die Gegend geschleift, was sehr schlecht für seine Gesundheit ist (Stress schadet dem Immunsystem) kommen Säuglinge da schon mal gar nicht dran; sofern sich die Eltern nach der Wartung der Anlage die Hände waschen + ggf-. desinfizieren, passiert nix. Immunsupprimiert war ich selbst schon, und habe überlebt - trotz diverser Viecher im Haus. Bevor man in einer Schwangerschaft di eKatze weggibt, kann man auch einfach einen Test auf Toxoplasmose-Antikörper machen, bezahlt bei bestehender SSW die Kasse und kostet sonst 20 Euro.
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