Großbritannien: Patient stirbt nach Coronavirus-Infektion

In Großbritannien ist ein weiterer Patient an einem neuartigen Coronavirus gestorben. Es ist der sechste Fall einer Infektion mit dem gefährlichen Erreger, die tödlich endete. Offenbar umgeht das Virus die Immunabwehr ähnlich wie Erkältungsviren.

Coronavirus: Erreger vermehrt sich im Labor zunächst schneller als Sars-Virus Zur Großansicht
REUTERS/ HPA

Coronavirus: Erreger vermehrt sich im Labor zunächst schneller als Sars-Virus

London/Washington - Das neuartige Coronavirus hat in Großbritannien ein weiteres Opfer gefordert. Nach wie vor ist unklar, ob das Virus von Mensch zu Mensch übertragbar ist, doch die Sorgen der Gesundheitsbehörden werden größer. Der Patient sei bereits am Sonntag im britischen Birmingham gestorben, teilte das Queen Elizabeth Hospital mit. Damit sind sechs der zwölf Menschen tot, die sich laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) bisher weltweit mit dem Erreger infiziert haben.

Der Tote war der Sohn eines Patienten, der sich nach Angaben der Ärzte bei einer Reise in den Nahen Osten und nach Pakistan angesteckt hatte. Ein weiteres Familienmitglied sei ebenfalls mit dem Virus infiziert, das Immunsystem des jetzt Verstorbenen sei geschwächt gewesen. Fast alle bisher betroffenen Patienten hatten sich im Nahen oder Mittleren Osten angesteckt.

Erst kürzlich hatte die WHO die Länder zu Wachsamkeit aufgerufen. In allen Staaten sollten Gesundheitseinrichtungen Patienten mit schweren Atemwegserkrankungen und ungewöhnlichen Symptomen auf den neuen Erreger testen. Das Virus gehört zur selben Gruppe wie der Erreger der schweren Lungenerkrankung Sars (Schweres Akutes Respiratorisches Syndrom). Die Ausbreitung dieser Atemnot hatte vor zehn Jahren für Schrecken gesorgt, damals waren weltweit etwa 800 Menschen gestorben.

Das neue Virus war erstmals im vergangenen Juni bei einem Mann aus Saudi-Arabien festgestellt worden, auch in Deutschland wurde bereits ein Patient mit Sars-ähnlichen Symptomen behandelt.

Übertragungsweg noch unklar

Die Mediziner wissen nicht, wie das neue Virus auf den Menschen übertragen wird. "Die jüngsten Erfahrungen in Großbritannien lassen stark darauf schließen, dass zumindest unter bestimmten Umständen die Übertragung von Mensch zu Mensch stattfindet", sagte John Watson, Abteilungsleiter beim staatlichen britischen Gesundheitsamt. Die Gefahr für die Allgemeinbevölkerung sei aber "sehr gering".

Der neue Erreger kann offenbar die Immunabwehr in den Atemwegen des Menschen ähnlich leicht umgehen wie bestimmte Erkältungs- oder die Sars-Viren. Zu diesem Schluss kommen Wissenschaftler um ein Team des Schweizer Kantonspitals in St. Gallen nach Laborversuchen. Die Experten berichten im Online-Fachmagazin mBio, dass Patienten womöglich mit einer Immuntherapie behandelt werden könnten.

Die Studienautoren Volker Thiel und Ronald Dijkman vermuten, dass die Erreger von Tieren auf den Menschen übergegangen sind. "Wir wissen nicht, ob die Fälle, die wir beobachten, die Spitze des Eisbergs sind oder ob viel mehr Menschen infiziert sind, ohne schwere Krankheitssymptome zu zeigen", sagt Thiel.

Im Labor Ähnlichkeiten zu Sars-Viren

Thiels Team hat mit Gewebekulturen menschlicher Zellen aus den Atemwegen experimentiert. Dort sitzen unter anderem Abwehrzellen. Diese dienen dazu, Krankheitserreger zu erkennen, zu bekämpfen und eine umfassende Reaktion des Immunsystems in Gang zu setzen.

Für die Studie infizierten die Wissenschaftler Zellkulturen von drei Menschen. Die neuartigen Coronaviren vermehrten sich in diesen Zellen überraschend wirkungsvoll und anfangs schneller als Sars-Viren. Sie umgingen die angeborene Immunabwehr ähnlich gut wie verschiedene Erkältungsviren. Die neuen Erreger seien damit gut an den Menschen angepasst.

Um die schwache Immunreaktion zu verbessern, behandelten die Forscher die Gewebezellen mit die Abwehr stimulierenden körpereigenen Eiweißen (Interferonen), bevor sie die Zellen mit Viren infizierten. Den Angaben zufolge befielen die Erreger daraufhin weniger Zellen. Patienten mit Viruserkrankungen wie Hepatitis C oder eben Sars werden mit Interferonen behandelt.

Die Ergebnisse seien ermutigend, meinen die Wissenschaftler. Sie halten die Interferone für eine mögliche Therapie bei Patienten mit dem neuen Coronavirus. Weitere Studien seien jedoch dringend notwendig - denn ob die Laborversuche ohne weiteres auf den Menschen übertragen werden können, ist noch unklar.

dba/dpa

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1. Gibt es eine saisonale Komponente
brainbox 19.02.2013
beim Auftreten von Grippe-, SARS-, Corona- und Noroviren? http://www.weather.gov.hk/publica/reprint/r611.pdf Ist die Schwäche im Immunsystem auf niedrige Vitamin-D-Spiegel im Blut im Winter zurück zu führen? Dann könnte eine allgemeine Erhöhung der Vitamin-D-Versorgung eine preisgünstige Vorsorgemaßnahme sein.
2.
banjodido 19.02.2013
Zitat von brainboxbeim Auftreten von Grippe-, SARS-, Corona- und Noroviren? http://www.weather.gov.hk/publica/reprint/r611.pdf Ist die Schwäche im Immunsystem auf niedrige Vitamin-D-Spiegel im Blut im Winter zurück zu führen? Dann könnte eine allgemeine Erhöhung der Vitamin-D-Versorgung eine preisgünstige Vorsorgemaßnahme sein.
Es muss nicht unbedingt mit einem niedrigeren Vitamin D Spiegel zu tun haben, oder nicht ausschliesslich. Viele Erkaeltungserreger koennen leichter im Winter ueber die ausgetrockneten Schleimhaeute in den Wirten eindringen. Aehnlich der rissigen Haut auf den Haende. Es koennen aber auch ganz andere Faktoren dafuer zustaendig sein. Andere Infektionskrankheiten treten auch nur saisonal bedingt im Sommer, Fruehjaht, etc. auf.
3. Seit wann umgehen Erkältungsviren die Immunabwehr?
diskantus 19.02.2013
"Der neue Erreger kann offenbar die Immunabwehr in den Atemwegen des Menschen ähnlich leicht umgehen wie bestimmte Erkältungs- ...-Viren" Erkältungsviren werden doch nicht von der Immunabwehr umgangen - so ein Unsinn. Wer ein starkes Immunsystem hat, erkrankt nicht. Der Sinn eines Immuntrainings - etwa durch Qi-Gong - ist es ja gerade, nicht jede Erkältung einzufangen. Der Sinn dieses Artikels ist es offenbar, zu suggerieren, dass das Immunsystem mit Erkältungen nicht fertig wird - und dass diese neu er-ge-fundenen Corona-Viren eine Immuntherapie (Impfen???) notwendig machen. Also - wer ist es wohl, der diese hier so schillernd beschriebene Immuntherapie produzieren - und verkaufen! - will? Und wer benötigt sie?
4.
diskantus 19.02.2013
Zitat von banjodidoEs muss nicht unbedingt mit einem niedrigeren Vitamin D Spiegel zu tun haben, oder nicht ausschliesslich. Viele Erkaeltungserreger koennen leichter im Winter ueber die ausgetrockneten Schleimhaeute in den Wirten eindringen. Aehnlich der rissigen Haut auf den Haende. Es koennen aber auch ganz andere Faktoren dafuer zustaendig sein. Andere Infektionskrankheiten treten auch nur saisonal bedingt im Sommer, Fruehjaht, etc. auf.
Man braucht keine Vitamin-D-Substitution - außer die Pharma- und Vitamin-Industrie, die ordentlich daran verdient. Auch nicht im Winter. Die armen Einwohner der nordischen Länder wären sonst längst an "Vitamin"-D-Mangel zugrunde gegangen. :D Entscheidend ist tägliche Bewegung im Freien (weniger Auto fahren) und möglichst häufiges Tiefatmen in frischer Luft (offenes Fenster): dabei handelt es sich um vollständige Ausatmung (Abatmen abgestandener Luft) und anschließendes Einatmen "in den Bauch". Reichlich Wasser trinken zur Befeuchtung des Organismus sowie Cistrose-Tee und -Tabletten, wenn man sich in geschlossenen öffentlichen Räumen aufhält, reichen aus, um die Schleimhäute gegen das Eindringen von Viren zu schützen. (Hygiene wie Händewaschen vorausgesetzt.)
5. Oh je
LDaniel 19.02.2013
Zitat von brainboxbeim Auftreten von Grippe-, SARS-, Corona- und Noroviren? http://www.weather.gov.hk/publica/reprint/r611.pdf Ist die Schwäche im Immunsystem auf niedrige Vitamin-D-Spiegel im Blut im Winter zurück zu führen? Dann könnte eine allgemeine Erhöhung der Vitamin-D-Versorgung eine preisgünstige Vorsorgemaßnahme sein.
Eins nach dem Anderen: - "Grippe" ist im Winter aus verschiedenen Ursachen häufiger. Hauptgründe sind trockene Heizungsluft und häufiges Zusammensein von Menschen in Räumen. Mit Vit-D hat das nichts zu tun. - Noroviren sind saisonal, weil der Errerger zu dieser Zeit an bestimmten Stellen im (Grund-)wasserspiegel "auftaucht" - Die Coronafälle kommen aus dem Nahen Osten - das hat mit Winter nichts zu tun. Es gibt 2 Arten von Immunabwehr. Angeboren und Erworben. Die Angeborene kann durchaus von vielen Viren (und auch anderen Erregern) umgangen werden. Bis die Erworbene "anspringt" dauert es einige Tage - bis dahin kann es schon zu spät sein, bzw. der Erreger hat sich "versteckt". Wie "anfällig" sie für eine Erkrankung sind hängt vorrangig von der Anzahl der Erreger ab und ob ihr Körper die schon kennt. Ein Erreger auf den die angeborene Abwehr nicht anspringt kann auch von einem "trainierten" Immunsystem nicht erkannt werden, wenn er erstmalig auftritt. Da können sie Qi-Gong bis zum umfallen machen.
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