NGO-Bericht für 2012 Täglich sterben weltweit 18.000 Kinder unter fünf Jahren

Fast drei Millionen Neugeborene weltweit überleben nicht die ersten vier Wochen nach der Geburt. Laut der Organisation Save the Children gibt es dafür einen wesentlichen Grund: Millionen Mütter müssen ihre Kinder ohne jegliche Hilfe zur Welt bringen.

Gewichtskontrolle in Mao, einer Stadt in Tschad: In Afrika ist die Sterblichkeit von Neugeborenen besonders hoch
AP

Gewichtskontrolle in Mao, einer Stadt in Tschad: In Afrika ist die Sterblichkeit von Neugeborenen besonders hoch


London - Weltweit stirbt eine Million Neugeborene in den ersten 24 Stunden nach der Geburt. 1,2 Millionen Babys kommen tot zur Welt. 2,9 Millionen Säuglinge überleben keine 28 Tage. 6,6 Millionen Kinder erleben nicht ihren fünften Geburtstag.

Das sind die "Ergebnisse in Zahlen" für das Jahr 2012, die aktuell von der Nichtregierungsorganisation (NGO) Save the Children in London vorgestellt wurden. Die Organisation rief in einem dringenden Appell dazu auf, Maßnahmen gegen das Babysterben zu ergreifen.

Dem Report "Stoppt das Sterben" von Save the Children zufolge sind die Hauptursachen für die Kindersterblichkeit Frühgeburten, Komplikationen bei der Geburt und Infektionen. Die NGO geht davon aus, dass etwa die Hälfte der Fälle durch eine ausreichende Versorgung der Neugeborenen und ihrer Mütter vermieden werden könnte.

Gleichwohl beginnt der Bericht mit einer positiven Nachricht: Seit 1990 hätten Länder weltweit bemerkenswerte Fortschritte im Kampf gegen die Kindersterblichkeit gemacht, heißt es darin. Demzufolge konnte die Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren von 12,6 Millionen auf 6,6 Millionen fast halbiert werden - und das, obwohl in manchen Ländern während dieser Zeitspanne die Bevölkerung um bis zu 70 Prozent gewachsen ist.

"Eine der größten Schanden unserer modernen Welt"

Positive Auswirkungen hatten laut Angaben der NGO vor allem Maßnahmen zur Impfung von Kindern, Familienplanung, Ernährung und Behandlung von Kindererkrankungen sowie ökonomische Maßnahmen.

Dennoch bleibe, so schreiben die Autoren, die Kindersterblichkeit weiterhin "eine der größten Schanden unserer modernen Welt." Jeden Tag sterben demnach 18.000 Kinder unter fünf Jahren - in den meisten Fällen seien die Ursachen für den Tod vermeidbar. Im Vergleich zum vergangenen Jahr hat sich in der Statistik und in den Aussagen des Berichts von Save the Children kaum etwas geändert. "In zahlreichen Fällen können kleinere, aber wesentliche Eingriffe bedrohte Leben retten", heißt es in dem Bericht. So müssten rund 40 Millionen Frauen jährlich ohne die Unterstützung einer Hebamme oder einen anderen medizinischen Beistand gebären, der in der Lage und ausgebildet wäre, Kind und Mutter lebensrettend zu helfen.

"Der erste Lebenstag eines Kindes ist auch der gefährlichste, und zu viele Mütter gebären allein auf dem Fußboden ihrer Häuser oder im Busch ohne jede Hilfe", sagt der NGO-Chef Justin Forsyth. Die Organisation fordert daher von den Regierungen weltweit, unter anderem bis zum Jahr 2025 zu gewährleisten, dass möglichst bei jeder Geburt fachkundige Hilfe zugegen ist. Dafür sollten Regierungen die Pro-Kopf-Ausgaben auf das von der WHO geforderte Minimum von 60 US Dollar erhöhen, um die Ausbildung, die Ausstattungen und Unterstützung von Helfern im Gesundheitsbereich zu finanzieren.

Auf diese Weise, so die Einschätzung der Kinderhilfsorganisation, ließe sich das Leben von zwei Millionen Neugeborenen retten.

cib/AFP



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täufer 25.02.2014
1. erschreckend
Die Statistik ist wirklich schrecklich. Doch während in anderen Ländern anscheinend Fortschritte bei der Kindersterblichkeit erzielt werden, wird hierzulande das erreichte hohe Niveau bei der Versorgung von Neugeborenen schon torpediert, indem an Krankenhauspersonal und insbesondere den eh schon hoffnungslos unterbezahlten Hebammen gespart wird.
hajipe 25.02.2014
2. Retten?
Was würde man retten? Die Kinder hätten doch ohnehin kaum Chancen im Leben. Zudem ist die Übervölkerung gerade in diesen Lndern ein Riesenproblem. Dort kommen Kinder doch nicht gewollt auf die Welt sondern weil es ein Ergebnis des Sex ist. Diese Leute haben in der Regel auch kein Geld und keine Umgebung für ihre "Erzeugnisse" zu sorgen. Gebt ihnen lieber die Mglichkeit Sex zu haben ohne "Folgen".
chris7516 25.02.2014
3. Unglaublich
Zitat von hajipeWas würde man retten? Die Kinder hätten doch ohnehin kaum Chancen im Leben. Zudem ist die Übervölkerung gerade in diesen Lndern ein Riesenproblem. Dort kommen Kinder doch nicht gewollt auf die Welt sondern weil es ein Ergebnis des Sex ist. Diese Leute haben in der Regel auch kein Geld und keine Umgebung für ihre "Erzeugnisse" zu sorgen. Gebt ihnen lieber die Mglichkeit Sex zu haben ohne "Folgen".
Ich kann es kaum glauben, dass Sie diesen menschenverachtenden Kommentar Ernst meinen.
andre_22 25.02.2014
4.
Wenn man mal vollkommen Emotionslos an das Thema herangeht muss man Objektiv feststellen das die Weltweite reale Kindersterblichkeit bei grade mal 5% liegt! Sicher ist es schrecklich wenn ein Kind stirbt aber das war immer so! Auch in Deutschland sterben Kinder! So und jett stellt mich auf den Scheiterhaufen!
KarloFilipovic 25.02.2014
5. hajipe's kommentar
Ist Menschenverachtend, ja. Dennoch nicht ganz falsch. Die Überbevölkerung der Erde ist ein akutes Problem. Im Jahr 1800 gab es 1 Milliarde Menschen. 200 Jahre später sind es 7 Milliarden. Welchen "vorteil" hat die Verfolgung der massenreproduktion der Menschen für die Erde? Ich finde es irgendwie "mensch-faschistisch" in so einer Situation nicht "Menschenverachtend" zu sein. Ressourcen sind begrenzt. Lebensräume für Tiere sind eigentlich nur noch abgesteckte Parzellen. Ein Wachstum ist nicht vereibar mit dem Status, den wir lieb gewonnen haben. Elektrizität, Auswahl, Raum. Darauf MUSS man verzichten können, wenn man aus welchem Grund auch immer die 10 milliarden Menschen Marke unbedingt knacken will. Wenn der Mensch zur Plage wird und seine eigene Existenz und die des Rests der Welt gefährdet, ist die angesprochene "Menschenverachtung" (leider) moralisch nicht einfach nur abzuwiegeln. Das klingt jetzt alles ganz böse, ich weiß, aber ich kann das Gutmenschentum langsam nicht mehr aushalten. Selbst sitzen die in einer drei Zimmer Wohnung, Heizung auf volle pulle, heiße Schoki neben der Tastatur und sich fragen, was falsch läuft in der Welt und warum Menschen denn sterben müssen. Jo. Super. Keiner will, dass Menschen sterben. Ich auch nicht. Aber das ist nunmal die Realität und es ist das vorgelebte Problem des Mangels, der uns alle noch ereilen kann. Dann möchte ich die Gutmenschen sehen. Die werden die ersten sein, die einen neuen Imperialismus mit Sklaverei einführen, wenns an deren Existenz gehen sollte und sie keine "netten" Kommentare mehr in ihre iPads kloppen können.
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