Hypothyreose Wenn die Schilddrüse schwächelt

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion mangelt es dem Körper an wichtigen Hormonen. Betroffene fühlen sich oft müde und niedergeschlagen. Die wichtigsten Fakten zu Ursachen, Diagnose und Therapie.

Frau tastet nach ihrer Schilddrüse (Symbolbild)
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Frau tastet nach ihrer Schilddrüse (Symbolbild)

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Deprimiert, antriebslos und die Waage zeigt immer mehr an, obwohl man nicht mehr isst? Das kann an einer Unterfunktion der Schilddrüse liegen - der sogenannten Hypothyreose. In der Regel ist sie nicht heilbar, lässt sich aber gut behandeln.

Die Schilddrüse sitzt im Hals unterhalb des Kehlkopfes. Mithilfe von Jod versorgt sie den Körper mit Hormonen und beeinflusst dadurch viele wichtige Prozesse: darunter die Verdauung, den Herzschlag, die Psyche und bei Frauen auch den Zyklus. Kann das Organ diese Aufgabe nicht mehr korrekt erfüllen, spricht man von einer Schilddrüsenunterfunktion.

Wie macht sich eine Unterfunktion bemerkbar?

Sie kann die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit vermindern. Vielen Betroffenen fällt es schwerer, sich zu konzentrieren. Sie sind ständig müde, fühlen sich niedergeschlagen und antriebslos. Auch die Verdauung ist mitunter verlangsamt, Verstopfungen können die Folge sein.

Durch den insgesamt zurückgefahrenen Stoffwechsel nehmen manche Betroffene zu, obwohl sich ihre Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten nicht verändert haben. Kälteempfindlichkeit, Wassereinlagerungen, brüchige Fingernägel und trockene Haut sind weitere Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion. Außerdem kann sie Haarausfall auslösen, die Haare struppig und glanzlos und die Stimme rau und heiser machen.

Bei Frauen führt die Erkrankung eventuell zu Zyklusstörungen und Unfruchtbarkeit, die durch eine Behandlung behoben werden können.

Weil die typischen Symptome aber auch andere Ursachen haben können als eine Schilddrüsenunterfunktion, ist zur Diagnose zusätzlich eine Blutuntersuchung nötig (siehe unten).

Wie entsteht eine Schilddrüsenunterfunktion?

Ungefähr ein bis zwei Prozent der Menschen in Westeuropa haben eine behandlungsbedürftige Schilddrüsenunterfunktion. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer. Zumeist wird die Krankheit zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr entdeckt. Die Erkrankungsrate steigt mit dem Alter. Nur selten ist eine Schilddrüsenunterfunktion angeboren.

Mögliche Ursachen einer angeborenen Hypothyreose:

  • eine veränderte, zu kleine oder nicht vorhandene Schilddrüse,
  • eine durch falsche Jodverwertung gestörte Hormonproduktion der Schilddrüse,
  • eine Schilddrüsenunterfunktion der Mutter oder
  • starker Jodmangel während der Schwangerschaft.

Entsteht die Unterfunktion im Erwachsenenalter, ist meist eine Autoimmunerkrankung die Ursache. Bei der sogenannten Hashimoto-Thyreoiditis (siehe unten) greifen Zellen der körpereigenen Immunabwehr die Schilddrüse an und lösen eine andauernde Entzündung aus.

Weitere Faktoren, die eine Unterfunktion verursachen können:

  • Störungen der Hirnanhangsdrüse. Das Organ schüttet Hormone aus, die die Schilddrüse anregen.
  • Die Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion mit zu großen Mengen hormonhemmender Medikamente.
  • Die Entfernung der Schilddrüse

Wie diagnostiziert der Arzt eine Schilddrüsenunterfunktion?

Zuständig ist der Hausarzt oder ein Hormonspezialist - ein sogenannter Endokrinologe. Schwangere oder Frauen mit Kinderwunsch können auch ihren Gynäkologen ansprechen. Der Arzt fragt zunächst nach den Beschwerden - etwa nach Müdigkeit oder Verdauungsbeschwerden - und nach Vorerkrankungen. Außerdem untersucht er das Blut.

Auch das Abtasten von Schilddrüse und Lymphknoten kann Hinweise auf den Zustand des Organs geben. Zusätzlich kann eine Ultraschalluntersuchung Aufschluss über die Größe und Struktur des Organs liefern.

Was bedeuten die Blutwerte?

Erste Hinweise auf eine Schilddrüsenunterfunktion gibt der sogenannte TSH-Wert. TSH ist ein Hormon, das die Schilddrüse anregt, verschiedene andere Botenstoffe auszuschütten. Diese ausgeschütteten Botenstoffe drosseln wiederum die TSH-Produktion. So bleibt das System im Gleichgewicht.

Bei gesunden Erwachsenen liegt der TSH-Wert in der Regel zwischen 0,4 und 4 Milliunits pro Liter (mU/L). Ist er erhöht, ist das ein Hinweis auf eine Unterfunktion, allein aber kein sicherer Beleg. Sicherheitshalber sollte laut Behandlungsleitlinie für Hausärzte das Ergebnis an einem anderen Tag zur gleichen Uhrzeit noch mal überprüft werden. Bei Menschen über 70 gelten höhere Normalwerte.

Zusätzlich zum TSH-Wert liefert eine Analyse des von der Schilddrüse abgegebenen Botenstoffs Thyroxin (fT4) ein genaueres Bild. Als normal gelten für Erwachsene hier Werte zwischen 0,8 und 1,8 Nanogramm pro Deziliter. Die genaue Spanne hängt bei allen Schilddrüsenwerten auch vom Labor ab und steht in der Regel auf dem Laborbericht, den sich Patienten bei Interesse von ihrem Arzt geben lassen können.

Wann spricht man von Hashimoto-Thyreoiditis?

Bei der Erkrankung richten sich körpereigene Antikörper gegen die Schilddrüse und lösen damit eine Entzündung aus. Die Folge: Das hormonbildende Drüsengewebe wird zerstört. Die Hashimoto-Thyreoiditis ist die häufigste Ursache für eine Schilddrüsenunterfunktion.

Wichtig für die Diagnose ist der Wert der sogenannten TPO-Antikörper. Er liegt in Blutuntersuchungen bei gesunden Erwachsenen meist unter 35 Units pro Milliliter. Exakte Angaben zum Normbereich stehen auf dem Laborbericht und können je nach Methode vom genannten Wert abweichen. Ist der Anteil erhöht, spricht das für eine Hashimoto-Thyreoiditis. An der Therapie der Unterfunktion ändert sich durch die Diagnose allerdings nichts.

Wann muss eine Unterfunktion behandelt werden?

Die Beschwerden einer Unterfunktion sind unspezifisch. Müdigkeit und Konzentrationsprobleme entstehen beispielsweise auch durch zu wenig Schlaf oder viel Stress. Eine Behandlung ergibt daher nur Sinn, wenn Symptome und Laborwerte zugleich für eine Schilddrüsenunterfunktion sprechen.

Auf jeden Fall behandelt werden sollte, wenn der TSH-Wert über 4 mU/L liegt und die Schilddrüse gleichzeitig zu wenig fT4 herstellt. Ist der TSH-Wert mit über 10 mU/L sehr hoch, kommt ebenfalls eine Behandlung infrage, weil unbehandelt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt.

Nicht behandelt werden muss eine Schilddrüsenunterfunktion, wenn der Wert für das schilddrüsenanregende Hormon TSH größer ist als 4 mU/L, die Schilddrüse aber gleichzeitig ausreichend fT4 herstellt (normaler fT4-Wert). Man spricht dann von einer latenten Hypothyreose. Betroffene sollten ihre Werte ungefähr einmal im Jahr kontrollieren lassen.

Ausgenommen von den Behandlungsregeln sind Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch. Hier kann eine Therapie auch bei latenter Hypothyreose sinnvoll sein.

Wie wird die Unterfunktion behandelt?

Der Mangel des Botenstoffs fT4 lässt sich durch Tabletten ausgleichen. Empfohlen wird dafür der Wirkstoff Levothyroxin, der mit fT4 identisch ist. Als Startdosis empfiehlt die Behandlungsleitlinie 1,6 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht. In Einzelfällen kann die Menge abweichen - etwa, wenn Patienten die Schilddrüse gänzlich entfernt wurde. Nach der ersten Anwendung muss die Levothyroxin-Dosis mit der Zeit angepasst werden, bis sich normale Schilddrüsenwerte einstellen und die Symptome zurückgehen.

Eingenommen werden sollten die Medikamente gemeinsam mit Wasser - am besten am Morgen 30 Minuten vor dem Frühstück oder am Abend vor dem Schlafengehen. Das verhindert, dass die Hormonaufnahme durch Nahrungsmittel gestört wird.

Eine wirksame Alternative zu Levothyroxin gibt es nicht. Nahrungsergänzungsmittel wie Jod, Selen oder Vitaminpräparate wirken einer Hypothyreose oder Hashimoto-Thyreoiditis ebenfalls nicht entgegen.

Mitarbeit: Gerlinde Gukelberger-Felix

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