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Schlaf-Apnoe: Schrittmacher hilft gegen schädliches Schnarchen

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Schnarchen: Hilft der Schrittmacher für die Zunge? Zur Großansicht
Corbis

Schnarchen: Hilft der Schrittmacher für die Zunge?

Die Folgen von Schlaf-Apnoe können dramatisch sein: Müdigkeit am Tag, Bluthochdruck, sogar Herzinfarkt. Mediziner haben jetzt einen Zungenschrittmacher getestet. Er könnte das Leben von ausgewählten Schnarch-Patienten deutlich verbessern.

Dauerhaftes Schnarchen nervt nicht nur. Es kann für die Betroffenen auch gefährlich werden. Etwa fünf Prozent der Bevölkerung leiden unter Schlaf-Apnoe, schätzen Experten. Dabei verengen sich die Luftwege im Schlaf so stark, dass der Atem aussetzt. Die Folgen spüren die Betroffenen auch tagsüber: Der Blutdruck steigt, die Aufmerksamkeit nimmt ab, Unfälle werden häufiger, Erfolge im Beruf seltener.

Oft liegt die Ursache in den oberen Atemwegen. Im Schlaf erschlafft die Muskulatur, die Zunge fällt zurück und verschließt den Luftweg. 80 Prozent der Betroffenen, vermuten Ärzte, wissen nichts von ihrem Problem. Bereits seit längerem testen Wissenschaftler Systeme, die den Zungennerv stimulieren, damit in der Nacht ein Grundtonus erhalten bleibt. Jetzt hat ein internationales Team von Schlafforschern neue Ergebnisse im renommierten "New England Journal of Medicine" vorgelegt: Demnach sind solche Zungenschrittmacher für ausgewählte Patienten äußerst wirksam und sicher.

Schrittmacher unter dem Schlüsselbein

So funktioniert der Neurostimulator: Von dem Gerät, das unter Vollnarkose knapp unter dem Schlüsselbein platziert wird, führt das grüne Kabel zum Brustkorb und misst die Atembewegungen. Das braune Kabel liegt auf dem Zungennerv (Nervus hypoglossus) und stimuliert diesen bei jedem Atemzyklus, so dass die Zunge nicht erschlafft. Das Gerät wird am Abend an- und am Morgen ausgeschaltet. Zur Großansicht
Inspire Medical Systems

So funktioniert der Neurostimulator: Von dem Gerät, das unter Vollnarkose knapp unter dem Schlüsselbein platziert wird, führt das grüne Kabel zum Brustkorb und misst die Atembewegungen. Das braune Kabel liegt auf dem Zungennerv (Nervus hypoglossus) und stimuliert diesen bei jedem Atemzyklus, so dass die Zunge nicht erschlafft. Das Gerät wird am Abend an- und am Morgen ausgeschaltet.

Für ihre aktuelle, vom Hersteller finanzierte Untersuchung hatten die Wissenschaftler aus den USA, Deutschland, den Niederlanden, Belgien und Russland 126 Männer und Frauen mit mittlerer bis ausgeprägter Schlaf-Apnoe ausgewählt. Alle Patienten hatten gemeinsam, dass für sie die Standardtherapie nicht in Frage kam, die sogenannte CPAP-Beatmung. Dabei setzen sich die Betroffenen vor dem Einschlafen eine Maske auf, die über Schläuche mit einem Gerät verbunden ist. Darin wird ein Druck erzeugt, der über dem atmosphärischen liegt; das erleichtert die Atmung. Die Schläuche und die Geräusche des Geräts hindern aber viele an einer ungestörten Nachtruhe.

Die Teilnehmer waren mit einem durchschnittlichen Body-Mass-Index (BMI) von 28,4 übergewichtig (Normalgewicht bei BMI von 18,5-24,9), sie durften aber nicht fettleibig sein (BMI >30). Vier Fünftel von ihnen waren Männer. Wichtige Risikofaktoren für eine Schlaf-Apnoe sind neben Alkohol- oder Drogenkonsum vor allem Übergewicht, zu wenig körperliche Aktivität und vermutlich auch Rauchen.

Weniger müde am Tag, mehr Lebensqualität

Zwei, sechs und zwölf Monate nach der Implantation des Neurostimulators wurden die Patienten erneut im Schlaflabor untersucht und zu ihrer Tagesmüdigkeit befragt. Sowohl subjektiv als auch objektiv hatte sich der Zustand der Operierten durch den Schrittmacher verbessert: "Die Patienten erlebten (…) eine deutliche Verbesserung in Bezug auf Tagesmüdigkeit, Schnarchen und Lebensqualität", sagt Kingman Strohl, Lungenspezialist an der Case Western Reserve University in Cleveland (USA) und Mitautor der Studie. Allerdings klagten sie direkt nach der OP über Schmerzen und Muskelkater, bei zweien musste der Schrittmacher erneut fixiert werden. 40 Prozent der Operierten empfanden die Stimulationen zunächst als unangenehm.

Zwei Indizes gaben Auskunft über die nächtlichen Atemaussetzer. Der sogenannte Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) zählt die Atemstopps. Von durchschnittlich 29 Aussetzern pro Stunde vor der Operation verringerte sich die Frequenz um 68 Prozent auf durchschnittlich neun pro Stunde. Ebenso nahm der ODI (Oxygen-Desaturation-Index) deutlich ab, mit dem gemessen wird, wie häufig die Sauerstoffkonzentration im Blut um mehr als vier Prozent abfällt. Der ODI verminderte sich von 25-mal pro Stunde vor dem Eingriff auf siebenmal stündlich nach der OP.

"Die Ergebnisse sind erstaunlich gut", sagt Ingo Fietze, Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums der Charité in Berlin. Er ist nicht an der Studie beteiligt, in seinem Zentrum wurden aber bereits Patienten mit einem Zungenschrittmacher versorgt. Andere Alternativen wie etwa Schlafen in Seitenlage, eine Gaumenspange oder Hilfsmittel, die den Druck im Nasen-Rachen-Raum erhöhen oder die Zunge am Abrutschen hindern, seien bereits untersucht worden. "Diese mechanischen Therapiemöglichkeiten haben im Durchschnitt eine Minderung des AHI um 50 Prozent gezeigt", so Fietze.

Nischentherapie mit großer Wirkung

"Trotzdem bleibt der Stimulator eine Nischentherapie für ausgewählte Patienten", betont Fietze. Denn die Studie hat eine wichtige Beschränkung: Aufgrund der Vorauswahl der Probanden liefert sie keine Auskunft darüber, für wen der Schrittmacher eventuell noch in Frage kommen könnte, und wem er nicht hilft.

Allerdings haben die Autoren in einer kleinen Anschlussuntersuchung überprüft, was passiert, wenn die Patienten nach einem Jahr ihren Stimulator nicht mehr benutzen. Dafür teilten sie 46 der Probanden in zwei Gruppen ein, von denen 23 den Schrittmacher nachts anschalteten, die anderen 23 hingegen nicht. In der ersten Gruppe blieben die nächtlichen Atemaussetzer auf ähnlich niedrigem Niveau. Bei der zweiten Gruppe gab es ohne den Stimulator wieder 26 Atemstopps pro Stunde - ein ähnlich schlechter Befund wie vor der Therapie.

Die Autoren der Studie erhoffen sich nun, dass die US-Gesundheitsbehörde FDA das System positiv bewertet. In der EU gibt es bereits eine vorläufige Zulassung. "Ob eine Kasse die Kosten übernimmt, ist immer eine Einzelfallentscheidung", sagt Fietze. Das Gerät und die Operation kosten nach Expertenangaben mehr als 10.000 Euro. Zum Vergleich: CPAP-Geräte gibt es schon für mehrere hundert Euro.

Was gegen Schnarchen hilft

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insgesamt 5 Beiträge
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1.
c.PAF 10.01.2014
Zitat von sysopCorbisDie Folgen von Schlaf-Apnoe können dramatisch sein: Müdigkeit am Tag, Bluthochdruck, sogar Herzinfarkt. Mediziner haben jetzt einen Zungenschrittmacher getestet. Er könnte das Leben von ausgewählten Schnarch-Patienten deutlich verbessern. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/schlaf-apnoe-zungenschrittmacher-hilft-bei-atemaussetzern-a-942457.html
(Hervorhebung im Zitat durch mich.) Irgendwie logisch. Wer nicht ausgewählt wird, bekommt ja auch keinen Schrittmacher. Somit kann sich bei den nicht ausgewählten auch nichts durch einen (nicht eingesetzten) Schrittmacher verbessern.
2. Irreführendeds Bild
patriziat 12.01.2014
Das Titelbild mit der schnarchenden Dame und dem Ehepartner, der sich seine Ohren zuhält, geht an der Realität vorbei. Ca. 3% der Schlafpapnoe-Patienten sind Frauen. Tatsächlich ist der durchschnittliche Patient männlich, über 50 Jahre alt und furchtbar dick, was in über 80% aller Fälle die Apnoe begünstigt. Darüber könnte man einen tollen Bericht schreiben. Aber das gäbe wahrscheinlich nicht so ein schönes Titelbild.
3. Hoch
joppop 13.01.2014
Zitat von patriziatDas Titelbild mit der schnarchenden Dame und dem Ehepartner, der sich seine Ohren zuhält, geht an der Realität vorbei. Ca. 3% der Schlafpapnoe-Patienten sind Frauen. Tatsächlich ist der durchschnittliche Patient männlich, über 50 Jahre alt und furchtbar dick, was in über 80% aller Fälle die Apnoe begünstigt. Darüber könnte man einen tollen Bericht schreiben. Aber das gäbe wahrscheinlich nicht so ein schönes Titelbild.
Habe extrem apnoe gehabt, nicht half. Jetzt habe ich mein matrazze am kopf hoher gestelt ... und... 90%weinger probleme!
4. Kosten CPAP
trespesos 13.01.2014
.. leider liegt der Author des Artikels ein wenig falsch, da ich selbst jahrelang mit dem CPAP Gerät nicht einschlafen konnte, weiss ich, dass die Krankenkasse alle zwei Jahre ca. 1200 EUR an den Hersteller überweist... Rausgechmissenes Geld. Jetzt habe ich eine Schnarchschiene für ca. 300 EUR und Ruhe ist. Allerdings konnte die Kasse die Kosten nicht übernehmen - keine Wirksamkeitsstudie vorhanden. wunder sich jemand, dass das Gesundheitssystem zu teuer ist?
5. Schrittmacher hilft nicht allen
Schlafapnoiker 26.02.2014
Der Zungenschrittmacher hilft nur jenen, wo die Zungenmasse den Kollaps verursacht. Davor ist eine Schlaf-Endoskopie anzuraten, welche dem HNO Arzt zeigt wo der Kollaps wirklich passiert. Bei mir war es das Gaumensegel und der Kehldeckel, damit ist der Zungenschrittmacher für mich kein Thema. Auch sind die Kosten bei dieser neuen Methode noch recht hoch. Alternetiv kann eine Zahnschiene, Rückenlage-Verhinderuns-Weste oder auch Logopädie einen Erfolg bringen. Unsere Selbsthilfegruppe in Österreich hat auf der Homepage einige Alternativen angeführt.
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Zur Autorin
  • Heike Le Ker ist Ärztin, hat in der Neurologie gearbeitet und über Geburtsstress bei Kindern promoviert. Sie leitet das Ressort Wissenschaft/Gesundheit bei SPIEGEL ONLINE.
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