Schlafstudie Nachtarbeiter verbrauchen weniger Kalorien

Schichtarbeiter sind häufiger übergewichtig und haben ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Warum? Eine Antwort könnten nun US-Forscher gefunden haben: Ihr Energiebedarf ist kleiner als gedacht.

Nachts wach: Der Energieverbrauch sinkt
Corbis

Nachts wach: Der Energieverbrauch sinkt


Krankenschwestern, Ärzte, Polizisten oder Busfahrer: Sie alle arbeiten oft dann, wenn andere schlafen. Das kann Folgen für ihre Gesundheit haben. Schon länger ist bekannt, dass Schichtarbeiter ein höheres Risiko für Übergewicht und in der Folge für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. Erst kürzlich hat eine Studie einen Zusammenhang zwischen Schichtarbeit und Einbußen bei Gedächtnisleistung und Denkvermögen entdeckt.

Wissenschaftler von der Universität Colorado in Boulder haben nun einen weiteren Einfluss von Schichtarbeit auf die Gesundheit gefunden: Sie machten in ihrer Studie einen niedrigeren Energieverbrauch bei Nachtschichtarbeitern aus - möglicherweise ein Grund für die Gewichtszunahme. "Menschen, die im Schichtsystem arbeiten, haben einen niedrigeren Energiebedarf. Wenn sie ihr Essverhalten nicht anpassen, kann das zu Übergewicht führen", sagt Kenneth Wright, Direktor des Schlaflabors an der Uniklinik Colorado.

Für die Studie hatten die Forscher 14 gesunde Erwachsene betreut, die für die Dauer des sechstägigen Experiments im Krankenhaus lebten. Zunächst durften die Probanden zwei Tage lang ihrem normalen Rhythmus folgen und nachts schlafen. Dann mussten die Freiwilligen drei Tage lang in die Nachtschicht, schreiben die Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the National Academy of Sciences".

Während der gesamten Studiendauer wurden Ernährung, Hormonhaushalt und das Schlafverhalten der Probanden überwacht. Sie erhielten genauso viele Kalorien, wie sie normalerweise auch zu Hause zu sich nehmen würden. Und auch die Schlafdauer war identisch, egal ob am Tag oder in der Nacht. Kaffee, Alkohol und Nikotin waren verboten - das wurde über Urintests überwacht.

Überraschende Ergebnisse

Nach der ersten Nachtschicht benötigten die Probanden durchschnittlich vier Prozent mehr Energie. Aber entgegen den Erwartungen stellte sich ihr Körper dann auf den neuen Rhythmus ein und verbrauchte pro weiterer Nacht jeweils drei Prozent weniger Energie - insgesamt zwischen 52 und 59 Kilokalorien. Der Energiebedarf der Teilnehmer hat sich also über den gesamten Zeitraum insgesamt zwischen zwölf und 16 Prozent verringert.

Die Forscher vermuten, dass der Schlaf am Tag den Stoffwechsel stört. "Der Mensch hat sich daran gewöhnt, bei Tageslicht wach zu sein und dann auch zu essen. Die innere Uhr ist deshalb stark vom Sonnenlicht geprägt", so Wright. Nachts ruht der Körper dagegen und verbraucht weniger Kalorien. Zwar ließe sich die innere Uhr langfristig umprogrammieren. Aber Schichtarbeiter würden an ihren freien Tagen ihren Rhythmus wieder auf Tagesbetrieb umstellen - die innere Uhr könne aber nicht so schnell folgen. "Nachtschichten bedeuten einen fundamentalen Eingriff in den Körper des Menschen", so die Forscher.

Allerdings hatten sie für die Studie die Nachtschichten nur simuliert - über einen sehr kurzen Zeitraum und mit sehr wenigen Probanden. Dafür war eine recht gute Überwachung möglich: Die Probanden lebten im Schlaflabor, die Schlafzeiten konnten so sehr genau kontrolliert werden.

Wissenschaftler hatten bereits in früheren Studien einen Zusammenhang zwischen Schichtdiensten und Bluthochdruck, einem hohen Cholesterinspiegel sowie der Entstehung von Diabetes belegt. Auch ein erhöhtes Herzinfarktrisiko ist bewiesen.

joe



© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.