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Feinstaub und Abgase: Schlechte Luft erhöht das Schlaganfall-Risiko

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Smog in Shanghai (Archivbild): Wie gefährlich ist schlechte Luft? Zur Großansicht
Getty Images

Smog in Shanghai (Archivbild): Wie gefährlich ist schlechte Luft?

Fünf Millionen Menschen sterben pro Jahr an einem Schlaganfall, auch in Deutschland zählt er zu den häufigsten Todesursachen. Eine Auswertung von knapp hundert Studien zeigt jetzt: Bei verschmutzter Luft steigt das Risiko sofort an.

Wer sein Risiko für einen Schlaganfall senken will, hat es zum Teil selbst in der Hand: Nicht rauchen, ein normales Gewicht sowie ein Blutdruck im normalen Bereich tragen dazu bei, die Gefahr gering zu halten. Allerdings gibt es auch Faktoren, die der Einzelne nicht beeinflussen kann, wie etwa die Luftverschmutzung.

Wer dauerhaft schlechte Luft atmen muss, hat ein erhöhtes Schlaganfall-Risiko, berichtet die Weltgesundheitsorganisation WHO. Doch nicht nur das: Wenn Feinstaub- und Abgaswerte steigen, steigt laut einer aktuellen Veröffentlichung im "British Medical Journal" (BMJ) über mehrere Tage lang die Zahl von Schlaganfall-Patienten.

Das Team um Anoop Shah von der University of Edinburgh wertete insgesamt 94 Studien aus 28 Ländern aus. Ermittelt wurden Tageswerte für Kohlenmonoxid, Stickstoffdioxid, Schwefeldioxid und Ozon sowie für Feinstaubpartikel in der Größe unter 2,5 Mikrometer beziehungsweise unter zehn Mikrometer. Insgesamt wurden in den Studien 6,2 Millionen Krankenhauseinweisungen mit der Diagnose Schlaganfall sowie Todesfälle durch Schlaganfall registriert. Weitere Risikofaktoren, wie etwa die Temperatur, wurden bei der Auswertung mitbedacht.

Die Ergebnisse:

Stieg die Kohlenmonoxid-Konzentration um 1,0 ppm ("parts per million" - Teile pro Million), nahm die Zahl der Schlaganfall-Krankenhauseinweisungen und -Todesfälle um rund 1,5 Prozent zu.

Eine um zehn ppb ("parts per billion" - Teile pro Milliarde) höhere Stickstoffdioxid-Belastung war mit 1,4 Prozent mehr Schlaganfällen verknüpft, eine gleichermaßen erhöhte Schwefeldioxid-Konzentration mit 1,9 Prozent. Der Zusammenhang mit den Ozon-Werten war deutlich schwächer.

Beim Feinstaub waren jene Partikel unter 2,5 Mikrometer (PM2.5) stärker mit einem Schlaganfall-Risiko verbunden als die Partikel unter zehn Mikrometern. Pro zehn Mikrogramm PM2.5 pro Kubikmeter Luft (µg/m3) gab es 1,1 Prozent mehr Schlaganfälle (zum Vergleich: beim Bundesumweltamt finden Sie die aktuellen Daten zu Feinstaub in Deutschland).

Wer hat's bezahlt?
Die Studie wurde von der British Heart Foundation finanziert.
Am stärksten ausgeprägt war der Zusammenhang laut der Analyse in Entwicklungs- und Schwellenländern. Allerdings stammte nur ein Fünftel der zusammengefassten Studien aus solchen Nationen - allen voran aus China.

Was passiert im Körper?

Auf welchem Weg Luftschadstoffe akut einen Schlaganfall begünstigen, wisse man noch nicht genau, schreiben Shah und Kollegen. Frühere Untersuchungen hätten allerdings gezeigt, dass verschmutzte Luft zu einer Verengung der Blutgefäße führen kann, was den Blutdruck erhöht und das Risiko für Blutgerinnsel steigert. Auch sei schon erwiesen, dass bereits niedrige Feinstaub-Konzentrationen den Blutfluss im Gehirn beeinflussen.

Analysiert wurden in der Studie zwei Formen des Schlaganfalls, die sich von ihren Symptomen her nicht unterscheiden, aber auf unterschiedliche Art entstehen und auch unterschiedlich behandelt werden. Beim ischämischen Schlaganfall (Hirninfarkt) ist ein Blutgefäß fast oder komplett verschlossen, weshalb Hirnregionen nicht mehr ausreichend Sauerstoff erhalten. Beim hämorrhagischen Schlaganfall (Hirnblutung) ist ein Blutgefäß im Gehirn gerissen. Das austretende Blut schädigt umliegendes Gewebe.

In Deutschland sind 78 Prozent der Schlaganfälle Hirninfarkte, 13 Prozent sind Hirnblutungen (Leitlinie-Schlaganfall, Seite 13). Laut der Analyse war der Zusammenhang von Luftverschmutzung und Hirninfarkt deutlicher ausgeprägt als der zur Hirnblutung.

Sogar kleine Erfolge im Kampf gegen die Luftverschmutzung könnten weitreichende Vorteile für die Menschen haben, schreibt Michael Brauer von der University of British Columbia im kanadischen Vancouver in einem Begleitartikel im "BMJ" .

Zur Autorin
  • Nina Weber ist Biochemikerin und Krimiautorin mit einem Faible für kuriose Studien. Sie ist Redakteurin im Ressort Gesundheit bei SPIEGEL ONLINE.

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insgesamt 19 Beiträge
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1. Der 'Einzelne' kann nichts tun ... ?
susiwolf 25.03.2015
Kann er doch ... Statt (z.B.) eingepfercht im Auto zu sitzen, dem Stress des Verkehrsgeschehens ausgeliefert zu sein, schlussendlich im 'Parkplatz-such-Modus' zu landen ... Na ? Ganz einfach 'mal (mehr) zu Fuss gehen, das 'bike' benutzen oder (seltener) 'car-sharing' ... ? D-a-s könnte der Einzelne tun, wenn allerdings nicht so 'unbequem' wäre ! Lebensqualtität geht uns alle an und beginnt bei jedem selber. So einfach ist das ...
2. Das heißt in der Konsequenz
Patriot75 25.03.2015
Rauchen in der Öffentlichkeit verbieten, egal ob normal, ob EZig, ob Joint. Das gehört alles in die eigenen vier Wände.
3.
Macinmuc 25.03.2015
Mich würde eine objektive Untersuchung interessieren, ob unsere Rußpartikelfilter wirklich so toll sind. Dadurch entstehen ultrafeine Partikel im kleinsten µm Bereich, die sich nun in die kleinsten Körperzellen festsetzen..
4. 1,4 % erhöht
ichsagwas 25.03.2015
Ein starker Zusammenhang ist das wirklich nicht. Könnte es nicht sein, dass in einem innerstädtischen Bereich mit hoher Luftverschmutzung zu einem erhöhten Anteil Menschen aus weniger begünstigten sozialen Schichten leben ? Und diese Personengruppe lebt erwiesenermaßen überdurchschnittlich ungesund leben (Rauchen, einseitige Ernährung etc.) ? Oder wie wärs mit Lärm und Stress ? Bereits ein schwacher Zusammenhang in diese Richtung würde genügen, um dieses Ergebnis zu erhalten. Die Schlussfolgerung dieser Studie könnte man dann in die Tonne treten. Die meisten dieser medizinisch-statistischen Studien sind nur heisse Luft, mit seriöser Wissenschaft hat das oft wenig zu tun.
5. Die Luftqualität ist
eisbaerchen 25.03.2015
besonders in grossen/Megastädten schlecht. Da ist aber auch generell der Stressfaktor für die Menschen höher (ebenfalls ein Faktor der das Schlaganfallrisiko erhöht) als auf dem Land (wo die Luft eben auch besser ist). Hat man diesen Co-Risikofaktor in der Studie berücksichtigt?
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