Achilles' Ferse: Warum das Schlüsselbein so leicht bricht

Es tut verdammt weh und ist schnell passiert: Schlüsselbeinbruch. Jetzt hat es auch Wunderläufer Achim Achilles erwischt. Aber er ist nicht allein. Die Klavikulafraktur gehört zu den häufigsten Knochenbrüchen. Vor allem Fahrrad- und Skifahrer sind bei Stürzen gefährdet.

Achims Schlüsselbein nach der OP: Bei Mehrfachbruch muss der Arzt operieren Zur Großansicht
Kowalski / DRK-Klinikum Westend

Achims Schlüsselbein nach der OP: Bei Mehrfachbruch muss der Arzt operieren

Ziemlich unvernünftig, beim Cross Duathlon im Grunewald teilzunehmen, muss sich Achim Achilles später im Krankenhaus gedacht haben. Ein paar Stunden zuvor war er noch mit dem Mountainbike durch den Wald geheizt - bis zu jener verhängnisvollen Eisplatte. Keine Chance mehr, sich zu fangen. Das Rad suchte den Kontakt zum Boden, und noch im Aufprall hörte Achim ein Knirschen, das von der Schulter herrührte. Das Ergebnis: ein vierfach gebrochenes Schlüsselbein. Operation unausweichlich.

Aber wieso hat es ausgerechnet das Schlüsselbein erwischt? Und was tun, wenn der Knochen gebrochen ist? Achim-Achilles.de gibt die wichtigsten Antworten.

Was und wo ist das Schlüsselbein?

Die Mediziner sprechen von einer Klavikulafraktur, wenn sie einen Schlüsselbeinbruch meinen. Der lateinische Begriff Clavicula bedeutet Ranke. Passt auch viel besser, denn durch die s-förmige Windung erinnert der Knochen eher an eine Ranke als an einen Schlüssel. Angenommen wird, dass der Begriff durch eine falsche Übersetzung des lateinischen Begriffs "Clavis" (Schlüssel) herrührt. Das Schlüsselbein ist etwa zwölf bis 15 Zentimeter lang und reicht innen vom Brustbein bis außen zum Schultereckgelenk. Unter dem Schlüsselbein verlaufen wichtige Nerven und Blutgefäße für den Arm.

Warum bricht das Schlüsselbein so schnell?

Das Schlüsselbein zählt zu den Knochen, die sich Menschen am häufigsten brechen. Laut dem "Deutschen Ärzteblatt" machen Klavikulafrakturen drei bis fünf Prozent aller Brüche aus. Da das Schultergelenk beweglich sein muss, ist es sehr empfindlich. Oberarm und Schulterblatt sind locker miteinander verbunden. Wenn man fällt, stützt man sich automatisch mit den Händen ab. Bei einem starken Sturz ist die Belastung für das Schlüsselbein sehr hoch. Die meisten Schlüsselbeinbrüche passieren im mittleren Schaftbereich. Dort ist die dünnste und empfindlichste Stelle der Klavikula.

Wie erkennt man, ob das Schlüsselbein gebrochen ist?

Das erkennt man meistens an den Schmerzen. Der Betroffene leidet höllische Qualen, wenn er versucht, seinen Arm zu bewegen. Außerdem tritt eine Schwellung entlang des Schlüsselbeins auf. Manchmal sind sogar unangenehme Reibegeräusche des gebrochenen Knochens zu hören. Für eine genaue Diagnose muss der Arzt röntgen.

Welche Behandlungsmethoden gibt es?

Früher galt die Klavikulafraktur als Bagatellverletzung. Es hieß: "Der Schlüsselbeinbruch heilt ohne Arzt, mit Arzt und trotz Arzt." Bei unkomplizierten Klavikulafrakturen, also wenn das Schlüsselbein nur einmal gebrochen ist oder sich kaum verschoben hat, war man lange der Meinung, dass eine konservative Therapie mit einem Rucksackverband ausreiche. Durch diese speziellen Schlauchverbände wird die Schulter nach hinten gezogen und der zur Körpermitte gerichtete Teil der Klavikula nach unten gedrückt. So soll das Schlüsselbein möglichst gerade zusammenwachsen. Der Heilungsprozess betrage zwischen vier und sechs Wochen.

Seit einigen Jahren ist diese Therapiemethode aber etwas umstritten. Dabei wird kritisiert, dass nicht ausreichend gewährleistet werden kann, dass die Knochen in der ursprünglichen Verfassung zusammenwachsen, beziehungsweise sich die Heilung auch ohne Verband in ähnlichem Maße einstellt. Wenn sich das Schlüsselbein verschoben hat oder wie bei Achim Achilles mehrmals gebrochen ist, muss operiert werden. Zwei operative Eingriffe sind hierfür notwendig. Zuerst wird das Schlüsselbein mit einer Platte stabilisiert. Rund ein Jahr später entfernt der Operateur die Platte wieder.

Wieso bricht das Schlüsselbein vor allem bei Kindern?

Die Klavikulafraktur gilt im Volksmund als Kinderverletzung. Bei Babys und Kleinkindern tritt die Schulterverletzung tatsächlich häufig auf. Kinder fallen aus dem Bett, von der Schaukel, spielen Fußball oder raufen miteinander. Babys brechen sich mitunter das Schlüsselbein während ihrer Geburt. Erst im Alter von zwanzig Jahren erreicht das Schlüsselbein seine endgültige Härte. Grundsätzlich ist bei jungen Menschen von einer Operation abzuraten, da der Bruch viel schneller verheilt als bei Älteren.

Bei welchen Sportarten treten Schlüsselbeinbrüche besonders oft auf?

Radfahren ist eine typische Sportart. Beim Sturz nach vorne über den Lenker kann das Schlüsselbein in Mitleidenschaft gezogen werden. Ski-, Snowboardfahren und Reiten liegen auf der Liste ebenfalls weit vorne. Beim Motorradfahren kann bei einem Sturz das Schlüsselbein vom unteren Helmrand gebrochen werden. Laut dem "Deutschen Ärzteblatt" verletzen sich Männer im Übrigen mehr als doppelt so häufig die Klavikula wie Frauen.

Welche Promis hat es schon mal erwischt?

Schauspieler Matthew McConaughey, ehemaliger "Sexiest Man Alive", erlitt einen Schlüsselbeinbruch beim Wellenreiten, als ihn Wassermassen vom Brett spülten. Fußballspieler Bastian Schweinsteiger zog sich im November 2011 im Champions-League-Vorrundenspiel einen Schlüsselbeinbruch zu und wurde operiert. Vier Wochen später trainierte er wieder. Radprofi Tyler Hamilton - auch bekannt als "King of Pain" - kam trotz gebrochenem Schulterblatt auf Platz zwei des Giro d'Italia 2002. Ein Jahr später gelang ihm trotz Haarriss im Schlüsselbein ein Etappensieg bei der Tour de France. Welche schmerzstillenden Mittel Hamilton eingenommen hat, ist nicht überliefert.

Julia Schweinberger

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insgesamt 10 Beiträge
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1. Schmerzhaft
dulefan 28.02.2013
Ich habe großen Respekt vor dieser Verletzung, seit ich einmal mithelfen wollte, einem Fußballer zu helfen, der sich soeben BEIDE (!) Schlüsselbeine bei einem Zusammenprall gebrochen hatte. Da saß dann ein Bär von einem Kerl auf dem Boden in sich zusammengesunken und hat Mitleid erregend gejammert. Und anfassen lassen wollte er sich schon gar nicht. Von Herzen also gute Besserung an Achim Achilles, mein Mitleid ist Ihnen sicher ;-).
2. Boah,
gekreuzigt 28.02.2013
[QUOTE=sysop;12132133]Es tut verdammt weh und ist schnell passiert: Schlüsselbeinbruch. Jetzt hat es auch Wunderläufer Achim Achilles erwischt. Aber er ist nicht alleine. Die Klavikula-Fraktur gehört zu den häufigsten Knochenbrüchen. Vor allem Fahrrad- und Skifahrer sind bei Stürzen gefährdet. wer hätte das gedacht. Selten einen so informativen Artikel gelesen. Und morgen: Kleinkinder und Greise können schnell Zähne verlieren.
3.
patina 28.02.2013
Zitat von sysop...Die Klavikula-Fraktur gehört zu den häufigsten Knochenbrüchen. Vor allem Fahrrad- und Skifahrer sind bei Stürzen gefährdet...
Nachdem ich mir mit 14 mal beim Skifahren das eine und mit 37 beim Radfahren das andere gebrochen hab, hab ich den Eindruck, dass das wohl so ist. Eigentlich wäre es bald mal wieder Zeit. Aber wobei diesmal, und vor allem, welches???
4.
Joerg 28.02.2013
Oftmals kommt es auch bei schweren Auffahrunfällen zum Bruch des linken Schlüsselbeins beim Fahrer/in. Verursacht durch den Aufprall in den über die linke Schulter verlaufenden Sicherheitsgurt. Den Beifahrer/in trifft es dann auf der rechten Schulterseite.
5. Schmerzen?
mayazi 28.02.2013
Bin ich irgendwie anders als die Anderen? Mein Schlüsselbein ging letzten Herbst nochmal kaputt, 6 Wochen nach der Metallentfernung. An einem der Löcher der Schrauben brach der eh schon sehr dünne Knochen. Der Bruch selber tat ziemlich weh, aber danach war es nicht mehr schlimm. Der OP-Termin war eine Woche später, und in der Zeit habe ich halt aufs Yoga verzichtet und nicht auf der betroffenen Seite geschlafen, das war alles.
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ZUR PERSON
  • Beatrice Behrens
    Achim Achilles

    Jahrgang 1964. Lebt verheiratet mit einer verständnisvollen Frau in Berlin, läuft aber überall, wo es wehtut. Motto des Wunderathleten und Kolumnisten: "Qualität kommt von Qual." Dabei ist es dem Vater eines lauffaulen Jungen egal, dass er trotz intensiven Trainings kaum von der Stelle kommt. Für ihn ist der Weg das Ziel. Seine Lieblingsfeinde auf dem Weg zum Ziel sind Walker und andere Pseudosportler.