Häufige Beschwerden Was steckt dahinter, wenn die Hand schmerzt?

Karpaltunnelsyndrom, Sehnenscheidenentzündung, Ganglien: Ganz verschiedene Beschwerden können dazu führen, dass die Hände weh tun. Ein Spezialist erklärt, wie man die häufigsten Leiden erkennt - und wann es zu Fehldiagnosen kommt.

Zeigt her eure Hände: Geste bei einer Modenschau in Madrid
AP/dpa

Zeigt her eure Hände: Geste bei einer Modenschau in Madrid


Verschlüsse von Flaschen aufdrehen, Gemüse schnippeln, Brot schneiden - geht alles nicht. Wenn die Hand bei vielen sonst selbstverständlichen Bewegungen schmerzt, geht wohl jeder zum Arzt. Doch bis die richtige Diagnose steht, vergeht mitunter viel Zeit.

Was Sie zu typischen Handbeschwerden wissen sollten und wie es zu Fehldiagnosen kommen kann:


Schnellender Daumen und Schnappfinger (Ringbandstenose)

Längs der Finger verlaufen Sehnen in Sehnenscheiden, pro Finger gehalten von fünf Ringbändern. Wenn sich die Sehnen verdicken, passen sie nicht mehr reibungslos durch die Ringbänder hindurch. Der Finger lässt sich nicht strecken. Durch die Reizung entsteht ein Knötchen auf der Sehne, was den Durchtritt durch die Ringbänder zusätzlich erschwert. Versucht man den Finger zu strecken oder zu beugen, schnellt er plötzlich nach vorne oder hinten. Ist das Knötchen irgendwann zu groß, geht gar nichts mehr.

"Die Ursachen sind noch immer unklar, obgleich die Erkrankung sehr oft auftritt. Häufig strahlt der Schmerz in das mittlere Fingergelenk aus", sagt der Hamburger Handchirurg Stefan Peters. Bei Patienten ab 50 Jahren wird oft die Verdachtsdiagnose Arthrose gestellt, weil auch da eine Streckhemmung im Finger auftreten kann. "Liegt aber Arthrose vor, müsste das Gelenk auch bei passiver Bewegung weh tun."

Die Diagnose lässt sich laut Peters durch Abtasten des Fingers stellen: "Wenn man direkt am Ringband drückt, schmerzt es wegen des Reizzustands. Dem ist nicht so, wenn man knapp ober- und unterhalb des Ringbandes drückt." Häufig tritt auch eine leichte Schwellung des Fingers auf, weil das Gewebswasser nicht mehr ausreichend abfließt.


Die echte Sehnenscheidenentzündung

Bei übermäßiger Belastung des Handgelenks reibt die Sehne zu stark an der Innenseite der sie umhüllenden Sehnenscheide, so dass sich diese entzünden kann. Drehbewegungen sind dann problematisch, bei Bewegungen ist oft ein Knirschen im Verlauf der Sehne wahrnehmbar. In sehr ausgeprägten Fällen kann eine parallel zur Sehne verlaufende Rötung zu sehen sein. Oberhalb des Handgelenks tritt eine Verdickung auf.

"Die echte Sehnenscheidenentzündung wird oftmals nicht sofort erkannt, weil viele Menschen ab 40 bis 50 Jahren eine Arthrose im benachbarten Daumen-Sattel-Gelenk haben", sagt Peters. "Die im Röntgenbild sichtbare Arthrose verleitet zur Annahme, dies sei die Ursache, zumal der auftretende Schmerz oft ähnlich ist zu jenem der echten Sehnenscheidenentzündung", sagt Peters.

Nach der Diagnose heißt es: Eine Schiene tragen, wobei es sein kann, dass die Schiene zusätzlich auf die Umhüllung der Sehne, das sogenannte Strecksehnenfach, drückt. Außerdem gibt es entzündungshemmende Medikamente. Dann wird drei bis vier Wochen gewartet.

Sind die Beschwerden dann weiter vorhanden, wird operiert. "Ist das Strecksehnenfach erst einmal verdickt, bekommt man das nicht mehr ohne Eingriff weg", sagt Peters. Daher sei es so wichtig, die richtige Diagnose schnell zu stellen. Bei exakter Diagnose könne laut Peters mit großem Erfolg ambulant operiert werden.

Mit einem einfachen Test lässt sich laut Peters die Diagnose absichern: Der Daumen der betroffenen Hand wird in die Finger eingeschlagen und die Hand im Gelenk zur Elle hin abgespreizt. Bei einer Sehnenscheidenentzündung schmerzt es im Bereich des Sehnenfaches.

Karpaltunnelsyndrom

Im Karpaltunnel verläuft neben den Fingerbeugesehnen der Nervus medianus, der bestimmte Handmuskeln, einige Finger und einen Teil der Handfläche versorgt. Wird dieser Nerv ständig von seiner Umgebung gedrückt oder eingeklemmt, können die Finger kribbeln oder sich taub anfühlen, zusätzlich kann der Daumen nur noch verminderte Kraft haben.

"Mitunter werden die Beschwerden zunächst als Folge einer Polyneuropathie durch Diabeteserkrankung, als Schulter-Arm-Syndrom oder bedingt durch Verschleiß an der Halswirbelsäule gedeutet", warnt Peters. Diese Ursachen könnten durch eine handchirurgische, neurologische Untersuchung und bildgebende Verfahren ausgeschlossen werden. Bei einem schweren Karpaltunnelsyndrom ziehen die Schmerzen typischerweise von der Hand ausgehend Richtung Ellenbogen, die Finger kribbeln nachts ständig. Die Beschwerden werden durch Ausschütteln im Handgelenk besser.

Für die Diagnose hilfreich sei ein Zwei-Punkte-Diskriminations-Test. Mit einer zurechtgebogenen Büroklammer wird an den Fingerkuppen überprüft, bei welchem Abstand zwischen den beiden Klammerenden im Bereich der Fingerkuppen der Patient zwei getrennte Punkte wahrnehmen kann. Der Normalwert beträgt etwa vier bis sechs Millimeter. Bei einer Sensibilitätsstörung ergeben sich höhere Werte um die zehn Millimeter oder mehr.

Ganglion

Ganglien, auch Überbeine genannt, entstehen aus flüssigkeitsgefüllten Ausstülpungen der weichen Gelenkhäute und schmerzen belastungsabhängig. Zumeist hat die Kapsel des Gelenkes eine Schwachstelle, weil eine allgemeine Bindegewebsschwäche vorliegt. "Aber auch frühere Verletzungen oder Verstauchungen, die eine Überdehnung und dadurch eine Schwäche des Kapsel-Band-Apparates bewirkt haben, können ein Ganglion verursachen", sagt Peters.

Vor allem betroffen sind Frauen zwischen dem 15. und 30. Lebensjahr. Drückt das Ganglion auf Nerven oder Blutgefäße können Taubheitsgefühle, Kribbeln oder ein Schwächegefühl auftreten. Die Schmerzen können bis zum Ellenbogen oder nach vorne bis in die Fingerspitzen ausstrahlen. Drehungen der Hand seien meist nicht schmerzhaft, Überstreckungen des Handgelenks schon, sagt Peters.

Ein Ganglion wird mithilfe der Untersuchung der Hand, Ultraschall und gegebenenfalls einem Kernspin festgestellt. Zumeist wird operiert. "Das Ganglion kann von außen als verschiebbare Kugel deutlich erkennbar sein, es ist vielfach aber nach innen gerichtet und deshalb mit den Augen nicht zu sehen. Das macht die Diagnose dann aufwändig", sagt Peters.

Zur Autorin
  • Gerlinde Gukelberger-Felix ist Diplom-Physikerin und studierte eine Zeit lang Medizin, bis sie sich ganz dem Journalismus verschrieb. Besonders interessant findet sie alle Überschneidungen zwischen Medizin, Physik, Biologie und Psychologie. Sie arbeitet als freie Medizin- und Wissenschaftsjournalistin.



insgesamt 8 Beiträge
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nijesh 20.02.2015
1. Therapiemöglichkeiten
In vielen Fällen lassen sich die genannten Beschwerden (ausser bei akuter Entzündung) nach meiner Erfahrung als Physiotherapeut mit manueller Faszientherapie sehr gut behandeln, wenn der Patient von mir geeignete einfache Alltagsübungen an die Hand bekommt und - soweit möglich - die betroffenen Strukturen (Handgelenk, Daumengelenk, Ellenbogengelenk) für einige Zeit schont. Ausserdem hat eine fundierte Ernährungsberatung und - umstellung einen positiven Effekt bei Arthrose. Dies sind meine Erfahrungen jahrelanger Faszientherapie in der täglichen Praxis
fatherted98 20.02.2015
2. Meine Haende...
...sind schon seit zwei Jahren taub....Ringfinger und kleiner Finger....Kommentar vom Neurologen....kann nix feststellen. Tja...da hilft nur Zaehne zusammenbeissen....immerhin hab ich keine Schmerzen...
struwwelpeter2 20.02.2015
3. Ihre Hände
Lieber fatherted98, gestatten Sie mir einen Rat: Bei Ihren Beschwerden handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um ein sog. Engpasssyndrom des Nervus ulnaris. Dieser Nerv überträgt u.a. das Gefühl aus dem Kleinfinger und der zum Kleinfinger zeigenden Seite des Ringfingers. Der Nerv kann an bestimmten Stellen des Armes eingeengt sein, z.B am Ellenbogen (Sulcus ulnaris Syndrom) oder am Handgelenk ( Loge de Guyon Syndrom). Üblicherweise kann eine solche Engstelle von einem Neurolgen meßtechnisch bestimmt werden. Sie sollten evtl. einmal einen weiteren Neurologen zu Rate ziehen oder einen Handchirurgen. Eine operative Therapie dieser Engpasssyndrome ist dringend anzuraten, da der Nerv sonst bleibenden Schaden nimmt.
nijesh 20.02.2015
4.
Zitat von struwwelpeter2Lieber fatherted98, gestatten Sie mir einen Rat: Bei Ihren Beschwerden handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um ein sog. Engpasssyndrom des Nervus ulnaris. Dieser Nerv überträgt u.a. das Gefühl aus dem Kleinfinger und der zum Kleinfinger zeigenden Seite des Ringfingers. Der Nerv kann an bestimmten Stellen des Armes eingeengt sein, z.B am Ellenbogen (Sulcus ulnaris Syndrom) oder am Handgelenk ( Loge de Guyon Syndrom). Üblicherweise kann eine solche Engstelle von einem Neurolgen meßtechnisch bestimmt werden. Sie sollten evtl. einmal einen weiteren Neurologen zu Rate ziehen oder einen Handchirurgen. Eine operative Therapie dieser Engpasssyndrome ist dringend anzuraten, da der Nerv sonst bleibenden Schaden nimmt.
Genau! Angst machen und dann operieren. Warum nicht erst einmal beim Physiotherapeuten mit Faszientherapie und effektiven Dehnungen versuchen. Wäre halt schlecht für s Geschäft. Gell?
Anny 20.02.2015
5.
Kann auch von der Schulter oder dem Halswirbel kommen - so bei mir. Ein ganzheitlich ausgerichteter Physio- oder Chiropraktiker kriegt das auch ohne OP hin. Würde ich immer um eine zweite Meinung fragen ins probieren bevor operieren.
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