Nebenwirkungen: Behörde fordert kleinere Packungen für Schmerzmittel
Für alle Fälle gewappnet: Viele Menschen kaufen Schmerzmittel in der Apotheke gerne auf Vorrat. Damit soll jetzt Schluss sein. Wegen möglichen Nebenwirkungen sollen ASS, Ibuprofen und Co. künftig nur noch in kleineren Packungen rezeptfrei verkauft werden.
Wer immer gerne einen Schmerzmittelvorrat in der Hausapotheke hat, dürfte bald auf kleine Packungen vertröstet werden: Wegen der Risiken soll der freie Verkauf eingeschränkt werden. Apotheken sollen einige der gängigsten Schmerzmittel nur noch in kleineren Packungen ohne Rezept verkaufen. Grund sind die mitunter gefährlichen Nebenwirkungen der Wirkstoffe, die beim sorglosen Umgang der Medikamente auftreten können.
Begrenzt werden sollen die Packungsgrößen der freiverkäuflichen Schmerzmittel mit den Wirkstoffen Acetylsalicylsäure (ASS), Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen. Das empfahl ein maßgeblicher Ausschuss beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn am Dienstag.
Die letzte Entscheidung liegt beim Bundesgesundheitsministerium. "Wir werden die Empfehlung gründlich prüfen", sagte ein Ministeriumssprecher in Berlin.
Verschreibungsfreie Packungen der Mittel sollen laut der Empfehlung auf eine maximale Therapiedauer von vier Tagen begrenzt werden. Größere Packungen sollen verschreibungspflichtig werden. Auf Dauer können die Schmerzmittel die Magenschleimhaut schädigen und zu Magen-Darm-Blutungen führen. Doch viele Menschen sind sich dieser möglichen Nebenwirkungen kaum bewusst. Hobbysportler beispielsweise greifen gerne zur Schmerztablette - als Prophylaxe.
Die Meinungen der Experten zu den genauen Größen der Packungen, die man ohne Rezept bekommen soll, gehen auseinander. Doch die Empfehlung des Sachverständigenausschusses für Verschreibungspflicht gilt als wichtige Etappe im monatelangen Ringen um diese Frage. In dem Ausschuss sitzen unabhängige Experten genauso wie Ärzte- und Industrievertreter.
Der in seinen Empfehlungen eigenständige Ausschuss folgte nun einem BfArM-Antrag. Institutspräsident Walter Schwerdtfeger begrüßte das Votum: "Für uns als Überwachungsbehörde steht außer Frage, dass eine übermäßige Anwendung von Schmerzmitteln im Einzelfall schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben kann." Vielen Patienten seien diese Risiken nicht ausreichend bewusst. "Eine Begrenzung der Packungsgrößen ist deshalb ein wichtiger Schritt für mehr Information und Sicherheit der Patienten."
Über einen weiteren Antrag, demzufolge Paracetamol verschreibungspflichtig werden soll, war zunächst noch nicht entschieden worden.
cib/dpa
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