Nebenwirkungen: Behörde fordert kleinere Packungen für Schmerzmittel

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Regal mit Medikamenten-Packungen: Schmerzmittelverkauf soll eingeschränkt werden

Für alle Fälle gewappnet: Viele Menschen kaufen Schmerzmittel in der Apotheke gerne auf Vorrat. Damit soll jetzt Schluss sein. Wegen möglichen Nebenwirkungen sollen ASS, Ibuprofen und Co. künftig nur noch in kleineren Packungen rezeptfrei verkauft werden.

Wer immer gerne einen Schmerzmittelvorrat in der Hausapotheke hat, dürfte bald auf kleine Packungen vertröstet werden: Wegen der Risiken soll der freie Verkauf eingeschränkt werden. Apotheken sollen einige der gängigsten Schmerzmittel nur noch in kleineren Packungen ohne Rezept verkaufen. Grund sind die mitunter gefährlichen Nebenwirkungen der Wirkstoffe, die beim sorglosen Umgang der Medikamente auftreten können.

Begrenzt werden sollen die Packungsgrößen der freiverkäuflichen Schmerzmittel mit den Wirkstoffen Acetylsalicylsäure (ASS), Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen. Das empfahl ein maßgeblicher Ausschuss beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) in Bonn am Dienstag.

Die letzte Entscheidung liegt beim Bundesgesundheitsministerium. "Wir werden die Empfehlung gründlich prüfen", sagte ein Ministeriumssprecher in Berlin.

Statistik: So viele rezeptfreie Schmerzmittel wurden 2011 in Deutschland verkauft Zur Großansicht
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Statistik: So viele rezeptfreie Schmerzmittel wurden 2011 in Deutschland verkauft

Verschreibungsfreie Packungen der Mittel sollen laut der Empfehlung auf eine maximale Therapiedauer von vier Tagen begrenzt werden. Größere Packungen sollen verschreibungspflichtig werden. Auf Dauer können die Schmerzmittel die Magenschleimhaut schädigen und zu Magen-Darm-Blutungen führen. Doch viele Menschen sind sich dieser möglichen Nebenwirkungen kaum bewusst. Hobbysportler beispielsweise greifen gerne zur Schmerztablette - als Prophylaxe.

Die Meinungen der Experten zu den genauen Größen der Packungen, die man ohne Rezept bekommen soll, gehen auseinander. Doch die Empfehlung des Sachverständigenausschusses für Verschreibungspflicht gilt als wichtige Etappe im monatelangen Ringen um diese Frage. In dem Ausschuss sitzen unabhängige Experten genauso wie Ärzte- und Industrievertreter.

Der in seinen Empfehlungen eigenständige Ausschuss folgte nun einem BfArM-Antrag. Institutspräsident Walter Schwerdtfeger begrüßte das Votum: "Für uns als Überwachungsbehörde steht außer Frage, dass eine übermäßige Anwendung von Schmerzmitteln im Einzelfall schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben kann." Vielen Patienten seien diese Risiken nicht ausreichend bewusst. "Eine Begrenzung der Packungsgrößen ist deshalb ein wichtiger Schritt für mehr Information und Sicherheit der Patienten."

Über einen weiteren Antrag, demzufolge Paracetamol verschreibungspflichtig werden soll, war zunächst noch nicht entschieden worden.

cib/dpa

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insgesamt 107 Beiträge
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1. aktien kaufen
tom 26.06.2012
packung wird kleiner und der preis bleibt gleich! leute, kauft pharma-aktien, mit der dummheit und krankheit der leute kann man auch noch geld verdienen, wenn der euro nicht mehr euro heißt!
2. Prima,
Michael KaiRo 26.06.2012
Zitat von sysopFür alle Fälle gewappnet: Viele Menschen kaufen Schmerzmittel in der Apotheke gerne auf Vorrat. Damit soll jetzt Schluss sein. Wegen möglichen Nebenwirkungen sollen ASS, Ibuprofen und Co. künftig nur noch in kleineren Packungen rezeptfrei verkauft werden. Schmerzmittel sollen in kleinen Packungsgrößen verkauft werden - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/0,1518,841074,00.html)
wieder mehr Reibach für Pharamindustrie und Apotheken - das ist wirklich eine unsägliche Frechheit!
3. Leistungserschleichung
liebergast 26.06.2012
Zum Arzt rennen kostet 10 €. Früher war es nur bei eine Arzt in Quartal. Dann wurde es auch auf Zahnarzt erweitert. Viele Mittel wurden Gestrichen. Bei Erkältungen zahlen die Kassen aucn nichts mehr. Hatte früher die meisten Kosten verursacht. Von den 20 Milliarden Gewinn habe auch auch nichts gesehen und sind ohne was zu sagen verschwunden.
4.
loeweneule 26.06.2012
Was hindert mich daran, mehrere kleine Packungen zu kaufen, wenn ich Mißbrauch mit dem Zeug treiben will? Selbst wenn die Apotheke nur ein Päckchen pro Person verkaufen dürfte, wäre das ja kein Problem, da es genug Apotheken gibt. Auch online. Das ganze riecht, nein, stinkt geradezu nach einem Geschenk für die Pharmaindustrie.
5. kleiner aber teurer - Lobbyistencoup der Pharmaindustrie
sanne2201 26.06.2012
... es ist mal wieder eine neue Variante den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen! Wer Medikamente schlucken will wird sich durch kleinere Abgabemengen nicht abhalten lassen. Eine neue Unverschämtheit der Pharmaindustrie sich weiter per Lobbyistentum zu bereichern. Wenn der Kunde sich per Vitamintablette (die in manchen Bereichen ebenso schädlich sein können) nicht weiter schröpfen läßt, probiert man die Schmerzschraube. Es ist unerträglich wie die Politik sich instrumentalisieren läßt, und die Bürger wehren sich immer noch nicht spürbar...
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