Von Jens Lubbadeh
Wie entsteht Schnarchen?
Das Schnarchgeräusch entsteht, wenn Zäpfchen und Gaumengewebe flattern. Meist passiert das durch schlafbedingte Erschlaffung der Zungen- und Rachenmuskulatur. Ebenfalls möglich ist, dass anatomische Gegebenheiten eine freie Nasenatmung verhindern, etwa Polypen, eine erschlaffte Muskulatur im Nasen-Rachen-Bereich, eine Nasenscheidewandverkrümmung oder eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte. Auch eine Erkältung, ein Schnupfen oder eine Allergie können die Schleimhäute anschwellen lassen und so die Nasenatmung erschweren.
Die Schnarchhäufigkeit steigt mit dem Alter: Schätzungen zufolge schnarchen in Deutschland etwa 50 Prozent der Menschen über 65 Jahren. Aus jedem zunächst harmlosen Schnarchen kann sich im Verlauf der Zeit eine Schlaf-Apnoe entwickeln - ein vollständiger sekunden- bis minutenlanger Verschluss der Atemwege.
Schlaf-Apnoe
Ein Schlaf-Apnoe-Syndrom liegt vor, wenn mindestens zehn Atemstillstände von mindestens zehn Sekunden Dauer innerhalb einer Stunde auftreten. Aber auch schon fünf und mehr Atemaussetzer von mehr als zehn Sekunden Dauer pro Stunde Schlaf können ein sogenanntes obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom darstellen, wenn der Patient weitere diagnostische Kriterien erfüllt wie beispielsweise übermäßige Tagesschläfrigkeit. Etwa drei Prozent der Bevölkerung sind vom Schlaf-Apnoe-Syndrom betroffen, Männer weitaus häufiger als Frauen, überwiegend in der Altersgruppe der 40- bis 65-Jährigen.
Schnarchen und Apnoe
Sehr häufig sind Patienten mit Schlaf-Apnoe-Syndrom Schnarcher. Während des Schlafs entspannt sich beim Menschen die gesamte Muskulatur. Bei Personen mit einem obstruktiven Schlaf-Apnoe-Syndrom führt dies mitunter zu einer starken Erschlaffung der Gaumen- und Rachenmuskulatur, so dass die Zunge während des Schlafs in den Rachen fallen kann. Dadurch werden die Atemwege verengt (Obstruktion), der Betroffene bekommt keine Luft mehr. Die Folge: Der Sauerstoffgehalt im Blut sinkt ab. Das Gehirn registriert dies und löst eine Weckreaktion aus, zudem werden Stresshormone freigesetzt. Die Weckreaktion ist lebenswichtig, um nicht zu ersticken. Die sich immer wiederholende Weckreaktion verhindert aber, dass der Patient tiefe Schlafstadien erreichen kann. Der Schlaf bleibt oberflächlich. Durch die Weckreaktion wird die Muskulatur wieder angespannt, die Atemwege sind wieder frei, die normale Atmung setzt wieder ein.
Folgen der Apnoe
Apnoeiker haben Konzentrationsschwächen, zeigen Vergesslichkeit und Zerstreutheit, sind tagsüber müde, neigen zu Sekundenschlaf am Steuer. Patienten mit unbehandeltem Schlaf-Apnoe-Syndrom haben ein dreifach erhöhtes Risiko für Autounfälle. Die Schlaf-Apnoe bedingt Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen. Auch finden sich öfter Einlagerungen (Plaques) in den hirnversorgenden Arterien bei Patienten mit Schlaf-Apnoe als bei Nicht-Apnoeikern. Die Folge: Das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall steigt. Schlaf-Apnoeiker leben durchschnittlich etwa sieben Jahre kürzer als der Bevölkerungsdurchschnitt.
Risikofaktoren für ein Schlaf-Apnoe-Syndrom sind Übergewicht, Rauchen, Alkohol, Allergien, Nasenscheidewandverkrümmung, ein vergrößerter Halsumfang und Schilddrüsenunterfunktion.
Behandlung des Schnarchens
Gegen Schnarchen hat sich die Unterkiefer-Protrusionsschiene bewährt: eine Zahnschiene, die den Unterkiefer samt der mit ihm verbundenen Weichteile leicht nach vorne zieht, dadurch das Atmen erleichtert und das Zurückfallen der Zunge verhindert. Sie wird von Zahnärzten individuell angefertigt, die sich auf das Gebiet der Schlafmedizin spezialisiert haben. In den meisten Fällen ist dies die effektivste und zugleich komfortabelste Methode. Sie wird von der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin bei einfachem Schnarchen oder leichter Schlaf-Apnoe empfohlen. Die Schiene kostet rund tausend Euro. Um zuvor abzuklären, ob sie überhaupt wirksam ist, gibt es günstige Testschienen für rund 50 Euro.
Wenn keine diagnostiziert Schlaf-Apnoe besteht, werden die Kosten weder von den gesetzlichen noch von den meisten privaten Krankenversicherungen getragen. Anders ist es, wenn Schlaf-Apnoe vorliegt. Die Erstattung variiert dabei je nach Krankenkasse, Behandlungsmethode und Aufwand.
Derzeit werden auch Zungenschrittmacher entwickelt, die das Zurückfallen der Zunge in den Rachen verhindern sollen - bisher mit guten Erfolgen.
Behandlung der Schlaf-Apnoe
Bei mittelschwerer bis schwerer Schlaf-Apnoe zeigt eine Maskenbeatmung (Continuous Positive Airway Pressure, CPAP) sehr gute Wirkung.
Die Maske schnallt sich der Apnoeiker mit Gurten ums Gesicht. Über einen Schlauch wird sie an das Beatmungsgerät angeschlossen. Die Atmung wird mit leichtem Überdruck bei jedem Atemzug unterstützt. Die Kosten für die Geräte belaufen sich auf etwa 1500 bis 5000 Euro, die erforderlichen Masken kosten etwa 125 bis 300 Euro. Die Kosten werden zumindest teilweise von den Kassen übernommen.
Allerdings nimmt man Nachteile in Kauf. Die Geräte sind nicht leise, sie brummen mit etwa 30 Dezibel, was der Lautstärke eines Alltagsgesprächs entspricht. Dazu kommen gelegentliche Zischgeräusche. Außerdem sind sie dem Sexualleben abträglich. "30 Prozent unserer Patienten nutzen die Atemmasken nicht, die wir ihnen verschrieben haben", sagt Alexander Blau vom Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrum an der Berliner Charité.
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