Zigarettenpackungen Schockbilder ab Mai 2016 auch in Deutschland

Die Lust am Rauchen soll den Deutschen vergehen - mit großen Gruselfotos auf Zigarettenschachteln. Das erhofft sich die EU von den neuen Vorgaben, die auch Deutschland bis Mai 2016 umsetzen muss.

AP/ U.S. Food and Drug Administration

Raucher in Deutschland müssen sich vom kommenden Frühjahr an auf Schockfotos und größere Warnhinweise auf Zigarettenschachteln einstellen. Von Mai 2016 an sollen zwei Drittel der Vorder- und Rückseite von Zigaretten- und Drehtabak-Verpackungen für kombinierte Warnbilder und aufklärende Texte reserviert sein - weit mehr als bisher schon.

Einen entsprechenden Gesetzentwurf von Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hat das Bundeskabinett an diesem Mittwoch in Berlin beschlossen. Nun muss noch der Bundestag zustimmen, damit das Gesetz in Kraft tritt. Erzeugnisse, die nach den alten Regelungen bis Mai 2016 hergestellt wurden, können noch ein Jahr lang weiter abverkauft werden.

Damit wird die nach langem Streit 2014 ausgehandelte EU-Richtlinie für Tabakprodukte auch in deutsches Recht umgesetzt. Dies muss bis 20. Mai 2016 der Fall sein. Die Vorgaben: Ob krebsbefallene Lungen, faulende Raucherbeine oder geschwärzte Zahnstümpfe - Gruselbilder und abschreckende Warnungen auf einem Großteil der Packungen sollen die Lust am Glimmstängel dämpfen.

Ziel der Gesetzespläne ist es, die Raucherquote von Jugendlichen und die Zahl vorzeitiger Todesfälle zu senken. Etwa 110.000 Todesfälle pro Jahr seien in Deutschland unmittelbar auf das Rauchen zurückzuführen, heißt es in einer Kabinettvorlage.

Erfolge der Zigarettenlobby

Die Zigarettenindustrie pocht auf eine längere Frist zur Umstellung ihrer Produktion von Verpackungen mit kombinierten Warnhinweisen und -bildern. Sie argumentiert, dies sei bis Mai nicht mehr zu schaffen. Um Schockbilder wurde in Deutschland lange gestritten, ihre Einführung immer wieder verschoben, obwohl ihre Einführung beispielsweisefür 2010 angekündigt worden war. Dass die Fotos erst 2016 kommen, gilt auch als Erfolg der Tabaklobby.

Die Grünen warfen der Regierung vor, keine Gesamtstrategie zur Reduzierung des Tabakkonsums zu verfolgen. Der Sprecher für Drogen- und Suchtpolitik der Grünen-Fraktion, Harald Terpe, sagte: "Werbebeschränkungen für Tabakprodukte sind längst überfällig." Deutschland sei neben Bulgarien das einzige Land in der EU, das Außen- und Kinowerbung für Tabakprodukte immer noch erlaube. "Die Bundesregierung muss sich endlich von den Interessen der Industrie freimachen. Arbeitsplätze und Steuereinnahmen sind keine Argumente, wenn es um Menschenleben geht."

hda/dpa

Forum - Diskussion über diesen Artikel
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Seite 1
karlsiegfried 16.12.2015
1. Wird Herrn Schäuble nicht gefallen
Oder werden dann die fehlenden Milliarden Tabak- und Umsatzsteuer als neue Kredite aufgenommen? Und was ist mit den wegfallenden Arbeitsplätzen?
muxonarization 16.12.2015
2. Bestimmt sehr effektiv
Die Neunichtraucher sind von den bisherigen Maßnahmen schon schwer beeindruckt. Diese Aktion wird den Unbelehrbaren nun den Rest geben. Ganz bestimmt :)
Lügenimperium 16.12.2015
3. Endlich Nichtraucher
Kostet gebraucht 1 Euro. Beste Investitionen in euer Leben! Ich frage mich wieviel die Verhandlungen, Meetings und die Druckkosten für neue Verpackungen betragen. Sinnvoller wäre es gewesen davon gebrauchte Bücher zu kaufen und zu verteilen. Auch sollte jeder Arzt dem rauchenden Patient so ein Buch in die Hand drücken, aber damit würde Staat und Pharmazeuten nichts mehr verdienen...
kratzdistel 16.12.2015
4. unverhältnismäßig und wohl wirkungslos
wir leben doch angeblich in einer freien Gesellschaft, wo jeder sein leben gestalten kann wie er will, solange er nicht dritte belästigt.rauchen ist sehr gefährlich für die Gesundheit, aber auch autofahren, bergsteigen, zu viel essen, feinstaubbelastungen usw. haben Risiken.stellen wir uns vor, überall müssten schockbilder warnen. da ist doch eine Gängelung, mehr nicht. ich will als streitbarer Nichtraucher nicht diese bilder täglich sehen. es gibt andere mittel der auflärung.
khid 16.12.2015
5. Volkswirtschaflticher Blödsinn!
Nein, ich bin kein Lobbyist der Tabakindustrie. Ja, ich bin Raucher. Das nur vorweg. Die Schockbilder sind häßlich - was man jederzeit auf Zigarettenschachteln anderer Staaten nachschauen kann - seit gut 10 Jahren (z.B. Thailand); aber: Sie halten allenfalls Jugendliche davon ab mit dem Rauchen erst anzufangen. Bestehende Raucher wohl kaum. Jeder kennt das Risiko - und raucht trotzdem. Wenn die EU wirklich etwas hätte tun wollen, dann mehr Geld in die Hand zu nehmen zur aktiven Raucher-Entwöhnung (etwa durch Subventionierung von Entwöhnungsprogrammen, Entwöhnungshilfsprodukten, etc.). Tut sie aber nicht - denn es würde mehr Geld kosten, als weiterhin über die (sehr hohen) Tabaksteuereinnahmen direkt eingenommen wird - und indirekt durch das statistisch frühere Ableben der meisten Raucher an Renten- und Sozialausgaben eingespart wird! Volkswirtschaftlich wurde der Mythos vom "teuren Raucher" längst widerlegt. Das Gegenteil ist der Fall! Deshalb ist diese "Schmuddelkampagne" in meinen Augen auch nicht mehr und nicht weniger als "seelische Grausamkeit" gegen Raucher. Sie ist, wie so vieles, Janusköpfig, zynisch. Ich habe inzwischen diverse Blechschachteln für Zigaretten - und ein "gutes" altmodisches Zigarettenetui ;o) Packung kaufen, aufreißen, umpacken, fertig. Die Gruselbilder schocken dann vermutlich nur noch kleine Kinder, die in den Mülleimer schauen... So, ich zünde mir jetzt erst mal eine an - ne Kerze, ist ja bald Weihnachten... ROFL
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