Jugendschutz: Koalitionspartner gegen Schönheits-OPs bei Minderjährigen

Brust-OP: Einige jugendliche Frauen wollen sich die Brust vergrößern lassen Zur Großansicht
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Brust-OP: Einige jugendliche Frauen wollen sich die Brust vergrößern lassen

Die Koalitionspartner wollen ästhetische Operationen ohne medizinische Begründung bei Kindern und Jugendlichen verbieten. Das gehöre zum Jugendschutz, so der gesundheitspolitische Sprecher der CDU. Vermutlich würden dann auch gängige Eingriffe wie das Ohrenanlegen bei Kleinkindern wegfallen.

Berlin - Die Idee gab es schon mehrmals, umgesetzt wurde sie bislang nicht: CDU und SPD wollen Schönheitsoperationen bei Minderjährigen ohne medizinischen Grund verbieten. Wie die "Frankfurter Rundschau" in ihrer Montagsausgabe berichtet, einigten sich beide Seiten bei ihren Koalitionsverhandlungen darauf, ein entsprechendes Verbot in dem für 2014 geplanten Präventionsgesetz zu verankern. Das Vorhaben tauche zwar nicht explizit im Koalitionsvertrag auf. Es sei jedoch von den Gesundheitspolitikern informell vereinbart worden, als es um die Inhalte des Präventionsgesetzes ging.

Jens Spahn, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU, teilte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE mit: "Zum Jugendschutz gehört es auch, Jugendliche vor den Folgen eines falschen Schönheitswahns zu bewahren. Einen jungen Körper im Wachstum unnötig einem solchen massiven Eingriff auszusetzen, kann körperlich und geistig fatale Folgen haben. Eine Brustvergrößerung als Geschenk für eine 15-Jährige zu Weihnachten finde ich jedenfalls völlig inakzeptabel. Medizinisch nicht notwendige Schönheitsoperationen bei Minderjährigen zu verbieten ist einfach, transparent und unbürokratisch. Es steht zwar nicht im Koalitionsvertrag, aber wenn die SPD da mitmacht, können wir es bald regeln."

Ohrenanlegen bei Kindern

Nach früheren Angaben der Union würden rund zehn Prozent aller kosmetischen Eingriffe an unter 20-Jährigen durchgeführt. Die Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC) wies aber bereits 2012 darauf hin: "Die angeführten zehn Prozent Eingriffe bei Minderjährigen bezogen sich seinerzeit auf sämtliche plastisch-chirurgischen Operationen wie etwa Fehlbildungen der Hand oder die Behandlung von Verbrennungsfolgen." Eine Umfrage aus dem Jahr 2011 habe aber laut DGPRÄC gezeigt, dass lediglich 1,3 Prozent der ästhetischen Eingriffe durch Plastische und Ästhetische Chirurgen an Minderjährigen durchgeführt worden seien.

"Bei diesen ästhetischen Eingriffen handelt es sich in den meisten Fällen um Ohrenanlegen bei Kindern", sagt Sven von Saldern, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgen (DGPÄC). "Diese Operation ist gesellschaftlich mittlerweile so akzeptiert, dass man Eltern fast schon einen Vorwurf machen würde, wenn sie ihre Kinder nicht operieren lassen."

Dass ein junges Mädchen mit dem Einverständnis der Eltern und dem Wunsch komme, sich die Brüste vergrößern zu lassen, habe er in seiner 30-jährigen Laufbahn noch nicht erlebt. "Ein verantwortungsvoller Chirurg würde das ablehnen", so von Saldern zu SPIEGEL ONLINE. Der politische Vorstoß regele somit aber ein Problem, das es gar nicht gebe. Es komme hingegen vor, dass einem jungen Mädchen schon relativ früh die Brust verkleinert werde, wenn es ansonsten orthopädische Probleme bekomme. Auch eine Nasenscheidewand müsse mitunter operiert werden, wenn die Atmung behindert sei. "Dürften wir bei dem Eingriff dann keine äußere Veränderung der Nase mehr vornehmen? Wie weit will der Gesetzgeber hier gehen?" fragt von Saldern.

Ein boomender Markt

Ein medizinischer Grund für eine Schönheitsoperation liegt beispielsweise vor, wenn die Betroffenen auf Grund ihres Aussehens massive seelische Probleme haben. Begründet sind plastisch-chirurgische Eingriffe auch zur Korrektur von Fehlbildungen der Hand oder bei der Behandlung von Verbrennungsfolgen. Piercings oder Tätowierungen bei Minderjährigen sollen dem Bericht zufolge auch nach einem Verbot von Schönheits-OPs erlaubt bleiben.

Beide Parteien wollen demnach zudem alle Patienten im Bereich der Schönheitschirurgie besser vor einer unqualifizierten Behandlung bewahren. Dazu soll der Begriff der kosmetischen Chirurgie und die dafür notwendige fachärztliche Ausbildung genau definiert und die Berufsbezeichnung geschützt werden. Bisher kann in Deutschland jeder zugelassene Arzt Schönheitsoperationen auch ohne eine entsprechende Weiterbildung anbieten. Und die Nachfrage in dem Fachgebiet boomt: In Deutschland legten sich 2011 rund eine halbe Million Menschen zwecks Schönheits-OP unters Messer.

hei/dpa/AFP

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insgesamt 73 Beiträge
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1. optional
Hirnblaehung 02.12.2013
Ablenkung von ihrer verkurksten koalition ! OP darf man sowieso erst ab 18 !
2. Nicht ganz dicht
fuenfringe 02.12.2013
Zitat von sysopDie Koalitionspartner wollen ästhetische Operationen ohne medizinische Begründung bei Kindern und Jugendlichen verbieten. Das gehöre zum Jugendschutz, so der gesundheitspolitische Sprecher der CDU. Vermutlich würden dann auch gängige Eingriffe wie das Ohrenanlegen bei Kleinkindern wegfallen. Schönheits-OP: CDU und SPD wollen OPs bei Minderjährigen verbieten - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/schoenheits-op-cdu-und-spd-wollen-ops-bei-minderjaehrigen-verbieten-a-936680.html)
Als nächstes wird die Koalition vermutlich Markenkleidung für Minderjährige verbieten. Denn das dürfte genauso zum Jugendschutz gehören. Und Zahnspangen natürlich, insofern sie der Kieferchirurg nicht zwingend vorschreibt. Ich dachte, Nahles hätte sich irgendwann beschwert, es hätte bei den Verhandlungen nichts zu trinken gegeben. Das klingt aber nun ganz anders.
3. Wohin nur mit der ganzen Zeit?
mike_litoris 02.12.2013
Schön, dass auch mal ein Problem gelöst wird, das es überhaupt nicht gibt. Welche konkreten Fälle kennt denn dieser Herr Spahn?
4. bullshit!
natriumarm 02.12.2013
wer soll denn die medizinische notwendig bescheinigen? der medizinische Dienst der Krankenkassen? der vertritt sowieso die interessen der Krankenkassen! es geht nicht nur um brustvergrößerungen, sondern vielleicht auch um brustverkleinerungen, und wenn vllt die Möglichkeit besteht, dass in 20 jahren ein kind geboren wird, wird keine medizinische notwendigkeit bescheinigt. man kann ja dann nicht mehr stillen, auch wenn man das vielleicht gar nicht möchte. das ist zu sehr eingegriffen. ist furchtbar individuell!!!
5. Bitte das Kind nicht mit dem Bade ausschütten.
swandue 02.12.2013
Wenn ein Kind unter Sgelohren leidet und die Möglichkeit besteht, ihm zu helfen . . . PS: Manche leiden unter den Folgen von medizinisch nicht notwendigen Beschneidungen!
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