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Kopfhautpflege: So verschwinden die Schuppen wieder

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Corbis

Haare waschen: Zu viel Stress für trockene Kopfhaut kann zu Schuppen führen

Weiße Flöckchen auf dunklem Haar: Schuppen sind meist kein schöner Anblick - und sie können hartnäckig sein. Wer die richtigen Maßnahmen ergreift, kann sie aber wieder loswerden.

Jeder Mensch verliert tagtäglich Hautschuppen. Es sind alte, abgestorbene Zellen, die den neuen weichen müssen. Alle vier Wochen erneuert sich so die Kopfhaut. Wenn dieser Vorgang zu schnell abläuft und die Hautzellen sichtbar verklumpen, ist das zwar meist harmlos - aber unschön. Wie wird man solche Kopfschuppen wieder los? Das hängt zunächst davon ab, ob es sich um fettige oder trockene Schuppen handelt.

Menschen, die zu trockener Haut neigen, haben oft auch eine trockene Kopfhaut. "Kommen dann austrocknende Maßnahmen wie tägliches Haarewaschen, Waschen mit heißem statt lauwarmem Wasser, Föhnen auf höchster Hitzestufe, alkoholische Haartinkturen oder sonstige austrocknende Kosmetika wie Haarschaum und -spray hinzu, kann dies zu trockenen Kopfschuppen führen", sagt die Dermatologin Natalie Garcia Bartels, stellvertretende Leiterin des Kompetenzzentrum für Haare und Haarerkrankungen an der Klinik für Dermatologie der Berliner Charité. "Jede einzelne Maßnahme für sich muss nicht schlecht sein." Doch kommt zu viel zusammen, schwinden die hauteigenen Fette (Lipide) und die Haut trocknet schnell aus.

Die Fettschicht nicht entfernen

Frauen scheinen mehr zu trockener Haut zu tendieren als Männer, vor allem in den Wechseljahren. Betroffene sollten möglichst viele austrocknende Maßnahmen weglassen, also die Haare nicht täglich waschen sowie sie möglichst an der Luft trocknen lassen, statt zu föhnen. Harnstoffhaltige und damit feuchtigkeitsspendende Shampoos sind bei trockener Haut besser als normale Shampoos, die oft entfettend wirken.

Garcia Bartels empfiehlt, ab und zu eine feuchtigkeitsspendende Lotion auf die Kopfhaut aufzutragen und diese über Nacht einwirken zu lassen. Alternativ helfen einige Tropfen Sonnenblumenöl, die abends per Pipette auf die Kopfhaut geträufelt werden. Morgens einfach mit einem milden Shampoo auswaschen. Insbesondere im Winter, wenn man viel Zeit in beheizten Räumen verbringt, ist das eine Wohltat für die Haut.

Fettsäuren reizen die Kopfhaut

Fettige Kopfschuppen haben andere Ursachen. "Betroffen sind zumeist Menschen mit einer Neigung zu einer gesteigerten Lipidproduktion durch die Talgdrüsen der Kopfhaut." Hormonelle Umstellungen insbesondere während der Pubertät, eine erblich bedingte Neigung zu vermehrter Talgproduktion, aber auch eine Erkrankung wie das polyzystische Ovarialsyndrom steigern die Talgproduktion. "Das vermehrt gebildete Fett dient als Nahrung für den Kleiepilz Malassezia furfur, der bei fast allen Menschen zu finden und harmlos ist, sich aber bei üppigem Nahrungsangebot und einem verringerten Säureschutzmantel der Haut stark vermehren kann." Dieser Pilz wandelt nun das Fett in aggressive Fettsäuren um, die die Kopfhaut reizen. "Je mehr Pilze da sind, desto größere Mengen an diesen Reizstoffen werden gebildet. Die Haut reagiert dann mit Rötung und Schuppung", so die Berliner Expertin.

Hohe Luftfeuchtigkeit begünstigt die Talgbildung. Weniger Schuppen entstehen dagegen beim Aufenthalt am Meer, weil die Kombination von Sonne und salzhaltiger Luft der Fettproduktion entgegenwirkt.

Achtung: Shampoos gegen fettiges Haar können zu einem Teufelskreis führen, weil sie die Kopfhaut stark austrocknen können und dadurch die Talgdrüsen zu vermehrter Fettproduktion zwingen. Man sollte sich bei der Auswahl des Pflegeproduktes vom Dermatologen beraten lassen.

"Spezielle Anti-Schuppen-Shampoos bekämpfen den Kleiepilz. Dann werden auch weniger Reizstoffe gebildet", sagt Dermatologin Garcia Bartels. Das häufig darin enthaltene Zink-Pyrithion bekämpft nicht nur Malassezia furfur, sondern soll auch die Teilung der Hautzellen verlangsamen. Betroffene verwenden das Shampoo am besten dreimal pro Woche. Vor dem Auswaschen sollte es ein paar Minuten einwirken. Hat sich die Schuppenbildung deutlich verringert, reicht es aus, das Shampoo alle ein bis zwei Wochen und später sogar nur einmal im Monat zu verwenden. "Wer nichts gegen seine fettigen Kopfschuppen unternimmt, hat das Risiko, dass sich allmählich ein so genanntes seborrhoisches Ekzem mit großen, gelblichen Schuppen und extremer Talgproduktion bildet", warnt Garcia Bartels.

Nicht alle Kopfschuppen sind - wie die eben beschriebenen - harmlos. Sie können auch auf eine Erkrankung der Kopfhaut deuten (siehe Infokasten). Wenn starker Juckreiz, Rötung, Schwellungen der Kopfhaut, Krusten oder auch festklebende Stellen und Haarausfall auftreten, ist ein Arztbesuch angeraten.



SCHUPPIGE ERKRANKUNGEN DER KOPFHAUT

  • Kontaktallergien: Inhaltsstoffe von Shampoos oder Therapeutika für die Haare können zu Kontaktallergien führen. Diese reizen die Kopfhaut so sehr, dass dadurch vermehrt Schuppen gebildet werden. Die Kopfhaut ist gerötet, juckt zumeist stark, ist mitunter geschwollen, und es bilden sich Ekzeme.
  • Kopfpilze: Insbesondere bei Kindern entstehen Schuppen häufig infolge einer Kopfpilzerkrankung. Kopfpilze werden von Mensch zu Mensch und vom Tier auf den Menschen übertragen. Es bilden sich knotige Entzündungen oder eine oberflächliche Reizung der Haut. "Das kann dann so weit gehen, dass die Haarstruktur so angegriffen ist, dass die Haare abbrechen. Die Infektion ist sehr ansteckend und muss innerlich und äußerlich für sechs bis acht Wochen mit einem Anti-Pilz-Mittel behandelt werden."
  • Schuppenflechte oder Neurodermitis: Diese Hauterkrankungen können auch zu Kopfschuppen führen. Die Größe und Farbe der Schuppen liefern einen Hinweis darauf, um welche Erkrankung es sich handelt. Typisch für die Schuppenflechte sind rötliche erhabene Plaques, die mit dicker Schuppung belegt sind. Die Neurodermitis-Patienten haben häufig zugleich einen Heuschnupfen und Nahrungsmittelunverträglichkeiten. "Der Arzt muss unbedingt eine körperliche Untersuchung durchführen, wenn er den Verdacht hat, dass eine Hauterkrankung hinter der vermehrten Schuppenbildung steckt."
  • Vernarbender Haarausfall (Lichen planopilaris): Juckreiz oder Missempfindungen (z.B. Schmerzen oder Berührungsempfindlichkeit der Kopfhaut) sind möglich. Unter der Lupe ist eine feine Kopfschuppung um die Haare zu sehen. "Es ist wichtig, diesen vernarbenden Haarausfall frühzeitig zu erkennen. Die Krankheit lässt sich nur stoppen, die Vernarbung und der Haarausfall aber nicht mehr rückgängig machen."

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 20 Beiträge
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1. Schuppen-Schande
ziggysonnenstern 12.05.2014
Vielen Dank, Frau Gerlinde, das polyzystische Ovarialsyndrom hatte ich schon länger im Verdacht, wusste aber weder, dass es so heisst noch, dass es es überhaupt gibt.
2. Head & Shoulders wirkt
deranaluest 12.05.2014
Hatte schon so ziemlich jedes Schuppenshampoo durch, selbst das teure Zeugs aus der Apotheke und das Resultat war sehr übersichtlich. Seitdem ich das böse Zeugs aus der Werbung nehm ist alles fein.
3.
latimer 12.05.2014
Nicht unwichtige Gründe für die Schuppenentwicklung sind Stress und Schlafmangel. Daran etwas zu ändern, erleichtert auch die Regeneration der Kopfhaut.
4. Humbug ...
ratem 12.05.2014
Die meisten Mittelchen sind ziemlicher Humbug ... was dagegen erstaunlich gut wirkt ist die Kombination aus Olivenöl und Babyshampoo (PH-neutral) ... vor dem Waschen der Haare die Kopfhaut mit Olivenöl einreiben und einige Minuten einwirken lassen ... dann mit dem PH-neutralen Shampoo waschen ... nach einer Woche ist die Schuppenbildung sichtbar verringert, nach 2-3 Wochen sind sie weg. Danach braucht man das Olivenöl nur wenn sich wieder Schuppen bemerkbar machen.
5. mal ohne Milch versuchen...
Burghard E 12.05.2014
...das hat bei mir nach langen Jahren, in denen ich mich mit Schuppen rumgequält habe, Wunder gewirkt. Ich bin zufällig drauf gekommen - kein Arzt hat mich darauf hingewiesen. Dabei daran denken, das Milcheiweiß auch in vielen anderen Lebensmitteln enthalten ist.
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Zur Autorin
  • Gerlinde Gukelberger-Felix ist Diplom-Physikerin und studierte eine Zeit lang Medizin, bis sie sich ganz dem Journalismus verschrieb. Besonders interessant findet sie alle Überschneidungen zwischen Medizin, Physik, Biologie und Psychologie. Sie arbeitet als freie Medizin- und Wissenschaftsjournalistin.

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Neurodermitis im Überlick
Kurz erklärt
Neurodermitis (atopische Dermatitis) ist eine der häufigsten Erkrankungen der Haut. Laut dem Deutschen Neurodermitis Bund (DNB) sind in Deutschland rund fünf Millionen Menschen betroffen. Oft tritt die Krankheit schon im Kleinkindalter auf. Sie äußert sich durch sehr trockene, empfindliche Haut, entzündliche Ekzeme und starken Juckreiz.

Neurodermitisschübe werden durch verschiedene Faktoren ausgelöst: Ungeeignete Hautreinigungs- und Pflegepräparate oder raue Kleidung reizen die empfindliche Haut ebenso wie Hitze oder Kälte. Auch Infekte oder emotionale Belastungen können einen Schub der Erkrankung auslösen.

Früh gezeichnet
Menschen mit Hauterkrankungen wie Neurodermitis leiden schon im Kindesalter häufiger unter psychischen Problemen. Das stellten Forscher fest, als sie rund 3000 Kinder über einen Zeitraum von zehn Jahren beobachteten. Wer schon als Kleinkind von Hautekzemen geplagt worden war, wies mit zehn Jahren vermehrt Verhaltensauffälligkeiten auf.

Quelle: Schmitt, J. et al.: Infant Eczema, Infant Sleeping Problems, and Mental Health at 10 Years of Age: The Prospective Birth Cohort Study LISAplus. In: Allergy 66, S. 404 - 411, 2011

Haut im Stress

Psychische Belastungen können Hauterkrankungen verschlimmern. Das wirkt sich wiederum negativ auf das Wohlbefinden aus.

Über ein kompliziertes Wechselspiel von Nerven- und Immunsystem begünstigt chronischer Stress die Entstehung von Entzündungen in der Haut.

Psychosomatische Behandlungsansätze können den Teufelskreis aus seelischer Belastung und Hautbeschwerden durchbrechen.

Entspannung für gestresste Haut

In speziellen Schulungsprogrammen lernen Neurodermitispatienten, wie sie ihre Haut schonen und den Juckreiz reduzieren können.

Reinigen und pflegen Sie die Haut besonders sanft.

Meiden Sie gerade in psychischen Belastungssituationen Reizungen durch Sonne, Hitze, Kälte und Schadstoffe.

Heftiges Kratzen schädigt die Haut zusätzlich. Versuchen Sie, quälenden Juckreiz durch Pusten oder mit einer kühlenden Lotion zu lindern. Massieren oder kneten Sie juckende Haut, statt zu kratzen.

Sport und Spaziergänge an der frischen Luft helfen, Spannungen abzubauen.

Versuchen Sie, überhöhten Leistungsdruck zu reduzieren, und entwickeln Sie Bewältigungsstrategien für psychische Belastungen.

Auch Entspannungsverfahren wie autogenes Training, Meditation oder Joga können sich günstig auswirken.



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