Vorstoß der FDP Ärzte lehnen Verkauf von Suizid-Mitteln für Schwerkranke ab

Unheilbar Kranke haben in Extremfällen das Recht, eine tödliche Dosis Betäubungsmittel zu erhalten. Bislang verwehrt ihnen das Gesundheitsministerium den Zugang, die FDP will das ändern. Doch Ärzte halten dagegen.

"Sterbehilfe-Set" in einer belgischen Apotheke (Archivbild)
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"Sterbehilfe-Set" in einer belgischen Apotheke (Archivbild)


Die Bundesärztekammer positioniert sich gegen Neuregelungen, die Schwerkranken den Kauf von Medikamenten zur Selbsttötung ermöglichen sollen. "Ärzte leisten Hilfe beim Sterben, aber nicht zum Sterben", heißt es in der Stellungnahme für eine Anhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestags an diesem Mittwoch.

Es dürfe keine Option für Ärzte sein, in schwierigen und hoffnungslosen Situationen eine aktive Tötung zu empfehlen oder daran mitzuwirken. Menschliche Extremnotlagen könnten auch nicht mit einem behördlichen Verwaltungsakt gelöst werden.

Das Bundesverwaltungsgericht hatte 2017 entschieden, dass Sterbewilligen in Extremfällen der Zugang zu einer tödlichen, schmerzfreien Dosis Betäubungsmittel nicht verwehrt werden dürfe. Schwer kranke Menschen hätten nach dem Grundgesetz das Recht zu entscheiden, wie und wann sie aus dem Leben scheiden wollen. Das Bundesgesundheitsministerium setzt sich jedoch über das Urteil hinweg.

Im vergangenen Jahr wies es das zuständige Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) an, entsprechende Anträge von Bürgern abzulehnen. Bis Oktober 2018 gingen dort 115 Anträge ein, 61-mal wurde eine Erlaubnis verweigert, 21 Antragsteller waren in der Zwischenzeit gestorben (mehr darüber lesen Sie hier).

FDP: Zustand für Schwerstkranke nicht haltbar

Die FDP fordert nun in einem Antrag eine gesetzliche Klarstellung. Demnach soll schwer und unheilbar Erkrankten in einer extremen Notlage der Erwerb eines Betäubungsmittels für eine Selbsttötung ermöglicht werden. Der jetzige Zustand sei für wartende Schwerstkranke nicht haltbar. Einige müssten Sterbehilfe im Ausland in Betracht ziehen.

Die Liberalen fordern, dass Anträge "binnen angemessener Zeit bearbeitet werden" müssen. Gegebenenfalls müsse eine Kommission auf Basis einer ärztlichen Beurteilung über die Anträge entscheiden. "Wir wollen für die Betroffenen Rechtssicherheit schaffen und ihnen mehr Selbstbestimmung am Lebensende ermöglichen", sagte die FDP-Abgeordnete und Medizinrechtlerin Katrin Helling-Plahr im Zusammenhang mit der Antragstellung im Oktober.

Die Bundesärztekammer hob dagegen die Palliativversorgung als Alternative hervor. Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin lehnt es ebenfalls ab, Betäubungsmittel für Suizide bereitzustellen. Es bestehe die Gefahr, dass eine Begrenzung auf extreme Ausnahmesituationen nicht möglich sei und eine "staatliche Pflicht zur Assistenz bei Suizid" geschaffen werden könnte.

Zwar zähle eine respektvolle Auseinandersetzung mit Todeswünschen von Patienten zu den ärztlichen Aufgaben. In erster Linie gelte es aber, Optionen zur Linderung von Leid zu erörtern und gemeinsame Wege dafür zu finden.

irb/dpa



insgesamt 109 Beiträge
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temp1 19.02.2019
1. Wenn Ärzte selbst in die Lage kommen, sehen die das anders
Interessant, was die Bundesärztekammer so entscheidet. Interessant auch, dass Ärzte nicht selten für sich selbst im Alter diese Medikamte bereit legen. Die Akteure der Bundesärztekammer sind offenbar noch zu sehr in ihrer politischen Laufbahn verhaftet, als dass sie das Leid mancher Sterbender ernsthaft in ihre Betrachtung einfließen lassen. Eine andere geäußerte Einstellung könnte ihrer Karriere evtl. Schaden zufügen. Das ist ihnen wichtiger, als Unterstützung für Sterbende zu äußern, eine Äußerung, die dann gegen diese Köpfe verwendet werden könnte.
Freidenker10 19.02.2019
2.
Mein Gott, es muss doch jeden selbst überlassen sein bei Schwersterkrankungen seinem Leben ein Ende zu setzen und nicht ewig Leiden zu müssen! Ich kommen aus dem Gesundheitsbereich und glaube mittlerweile dass es um Profite geht, denn Schwerstkranke bringen reichlich Geld. Allein schon die expodierende Zahl der Wachkomapatienten zeigt einen deutlichen Trend zur Lebenserhaltung von Menschen mit Null Lebensqualität, aber die bringen halt Geld ohne Ende! Meine eigene Mutter hat schon Geld zurückgelegt um im Notfall in die Schweiz gehen zu können, wo es Sterbehilfe gibt. Aber solange die Pseudochristen der Union an der Macht sind und die Pharmaindustrie profitiert solange wird sich da wohl auch nichts ändern... Ein echtes Armutszeugnis für unser Land!
isar56 19.02.2019
3. Woran liegts?
Ist das Ignoranz oder Größenwahn, Sterbenden mit extremen Schmerzen Hilfe zu verweigern? Ich habe einige Male Sterbende mehr oder weniger intensiv begleitet. Einige konnten einigermaßen friedlich und schmerzarm gehen. Zweimal erlebte ich ein unbeschreibliches Elend und Leid. Die Ärzte sagten, die schweren Schmerzen könnten nicht sein und ließen sich nicht mehr blicken. Ein qualvolles Verrecken war das und ganz nebenbei - ich bin bis heute, nach 24 Jahren, nicht darüber hinweg. Leider hatte ich nicht den Mut ein Kissen auf das Gesicht zu drücken oder anderweitig dem ausdrücklichen Wunsch des Sterbenden nachzukommen. Und dafür (Nebenbaustelle) bezahlen Krankenkassen tausende von Euro täglich. In Belgien und Holland wird Sterbehilfe praktiziert und es ist kein Fall von Missbrauch bekannt. Dagegen kann mit Vorsichtsmaßnahmen gut gegen gesteuert werden.
DrWimmer 19.02.2019
4. Doppelmoral von Dogmatikern
Wenn werdendes Leben nach geltendem Recht ungefragt abgebrochen wird, sollte es durchaus zu rechtfertigen sein, unter bestimmten Voraussetzungen einer bewussten Entscheidung eines mündigen Menschen zur Beendigung einer nicht mehr lebenswerten Qual zu entsprechen. Die Voraussetzungen sollten die Ärzte ethisch festlegen aber nicht alles dogmatisch ablehnen. Sonst wird es weiter illegal geschehen, mit allen Problemen und Schäden die das mit sich bringt. Ich lasse mich im Leben nicht von Ärzten bevormunden - auch wenn manche das Arzt-Patientenverhältnis genau so sehen - und werde auch beim Sterben ggf. meine Entscheidung treffen, solange ich es noch selbst kann. Mit dem Segen der Ärzte (den sie hier kategorisch ohne Einzelfallbetrachtung verweigern wollen) oder ohne. Es ist natürlich bequemer sich dieser Verantwortung zu entziehen. Aber so ist es in jedem Job. Es kommen ständig Veränderungen und neue Anforderungen die man nicht mag.
Gast2 19.02.2019
5. Mitden chronisch Kranken verdient dieMedizinwirtschaft das meiste Geld
weil die Medizinwirtschaft (Ärze, Palliativzentren) mit den unermesslich leidenden das meiste Geld verdienen wollen sie diese bedauernswerten Leute auch zum Weiterleiden zwingen obwohl diese ein allmeines Persönlichkeitsrecht haben. Wenn ein chronisch Kranker sterben will hilft ihm der Verweis auf die Palliativmedizin auch nicht. Ich hoffe daß die Machtbasis von diesen wirtschaftsliberalen CDU-Leuten von der Afd und anderen Parteien mehr als schleichend zersetzt wird.
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