Eine rätselhafte Patientin Irrweg im Brustkorb

Die 20-Jährige ist heiser und leidet seit Wochen an einem trockenen Husten. Seit frühester Kindheit hat sie immer wieder Atemwegsbeschwerden. Gibt es eine tiefer liegende Ursache?

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Die Patientin, die eine Klinik im italienischen Pavia aufsucht, weil sie unter hartnäckigem Husten und Heiserkeit leidet, hat eine ungewöhnlich lange Krankengeschichte für eine 20-Jährige.

  • Als sie 16 Monate alt war, blieb ihr etwas Essen in den Atemwegen stecken. Ärzte versuchten, den Fremdkörper mithilfe eines Endoskopes zu entfernen, doch das misslang. Schließlich hustete sie den Brocken von selbst aus.
  • Seitdem litt sie immer wieder an Entzündungen der Bronchien.
  • Mit elf Jahren wurde bei ihr allergisches Asthma diagnostiziert. Sie reagiert unter anderem auf Katzen, Pferde und Gräserpollen.
  • Zudem hat sie eine Schilddrüsenunterfunktion.
  • Außerdem war sie wegen deutlichen Untergewichts in ärztlicher Behandlung und einige Monate in einer Klinik, wo sie sogar zeitweise über eine Magensonde ernährt wurde.

Aktuell ist die Frau seit etwa einem Monat heiser. Dazu kommt ein trockener Husten.

Was verengt die Atemwege?

Die Mediziner untersuchen Atmung und Lungenfunktion der Frau, wie das Team im Fachblatt "Multidisciplinary Respiratory Medicine" berichtet. Die Tests deuten darauf hin, dass die Atemwege verengt sind. Eine Röntgenaufnahme des Brustkorbs offenbart nichts Ungewöhnliches.

Es ist naheliegend, dass das allergische Asthma die Beschwerden auslöst. Die 20-Jährige erhält deshalb Asthmamedikamente. Doch einen Monat später ist der Husten immer noch da. Erneute Tests der Lungenfunktion lassen wieder auf eine Verengung der Atemwege schließen.

Die Mediziner schauen sich nun den Brustkorb der Frau mittels einer Computertomografie mit Kontrastmittel an. Jetzt wird sichtbar, was die Patientin belastet: Ihre Hauptschlagader, die Aorta, nimmt im Brustkorb eine Abzweigung. Ärzte sprechen von einem doppelten Aortenbogen. Durch diese Fehlbildung umschlingen die Blutgefäße Luft- und Speiseröhre - und nehmen ihnen dadurch den nötigen Raum.

Sehr seltene Diagnose bei Erwachsenen

Fast alle genannten Beschwerden der jungen Patientin lassen sich auf diese Fehlbildung zurückführen. Sowohl ihre Probleme beim Essen als auch die wiederkehrenden Entzündungen der Bronchien hängen damit zusammen.

Die Diagnose wird äußerst selten bei Erwachsenen gestellt. Denn meist wird der ohnehin seltene doppelte Aortenbogen wegen der damit einhergehenden Beschwerden schon in den ersten Lebensmonaten entdeckt.

Dass die Patientin zusätzlich an allergischem Asthma leidet, hat die Diagnose in späteren Jahren erschwert, weil sich ihre Atemwegsprobleme früher durch Asthmamedikamente etwas lindern ließen.

Nachdem die Fehlbildung diagnostiziert ist, wird die Frau in die Abteilung für Herz-Thorax-Chirurgie überwiesen. Nach einigen weiteren Tests korrigieren die Ärzte den Aortenbogen in einer OP. Die Beschwerden der Patientin klingen danach ab.

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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
palef 26.08.2018
1. Neues von der...
...Apothekenrundschau für Hypochonder...
flohzirkusdirektor 26.08.2018
2. Aha!
Zitat von palef...Apothekenrundschau für Hypochonder...
*Sie* hätten das natürlich *auf den ersten Blick* diagnostiziert, stimmts? Was mir persönlich fehlt, ist das Rx-Bild Thorax p.a. ...
joseferl 27.08.2018
3.
Zitat von flohzirkusdirektor*Sie* hätten das natürlich *auf den ersten Blick* diagnostiziert, stimmts? Was mir persönlich fehlt, ist das Rx-Bild Thorax p.a. ...
Stimmt. Das wäre wirklich spannend gewesen. Vor allem da die beteiligten Strukturen (Trachea und Aorta) im Röntgen ja tatsächlich zu sehen sind. Leider fehlt das auch in der Originalpublikation...
willibaldus 27.08.2018
4.
Kleine Mutationen sind ja gar nicht so selten. Vieles fällt nie auf. Das ist aber schon was schwerwiegendes. Ich bekam mal eine Desensibilisierung mit subkutanen Spritzen. Einmal hat der Arzt unter der Haut ein grösseres Gefäss erwischt und es gemerkt, deswegen auch noch kein Depot gesetzt, sondern die Spritze rausgezogen. Darauf lief hellrotes arterielles Blut den Arm runter und tropfte vom Ellenbogen auf die Erde. Eigentlich müsste die Arterie am Knochen entlanglaufen und nicht unter der Haut. Ich hatte Glück, dass kein Allergen in die Arterie gelangte, der Arzt wurde aber zu recht etwas blass und legte schon mal das Notbesteck raus.
hexenbesen.65 27.08.2018
5.
Zitat von willibaldusKleine Mutationen sind ja gar nicht so selten. Vieles fällt nie auf. Das ist aber schon was schwerwiegendes. Ich bekam mal eine Desensibilisierung mit subkutanen Spritzen. Einmal hat der Arzt unter der Haut ein grösseres Gefäss erwischt und es gemerkt, deswegen auch noch kein Depot gesetzt, sondern die Spritze rausgezogen. Darauf lief hellrotes arterielles Blut den Arm runter und tropfte vom Ellenbogen auf die Erde. Eigentlich müsste die Arterie am Knochen entlanglaufen und nicht unter der Haut. Ich hatte Glück, dass kein Allergen in die Arterie gelangte, der Arzt wurde aber zu recht etwas blass und legte schon mal das Notbesteck raus.
Kleine Mutationen sind nicht soooo selten....ich hab zwei Bekannte, bei denen der Blinddarm links sitzt...und bei meiner Nachbarin ist das Herz "verkehrt" herum, dh, die Herzspitze zeigt in die andere Richtung....was zu reichlich dummen Gesichtern bei manchen Ärzten sorgte...
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