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Senioren: Wenn die Alkoholsucht im Alter kommt

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Noch ein Glas Wein: Viele Senioren trinken zu viel Alkohol

Alkoholabhängigkeit ist in allen Altersgruppen ein Problem - auch bei Senioren. Doch bei ihnen bleibt die Sucht oft unbemerkt und auf Ältere zugeschnittene Therapieangebote sind selten.

Der Tag begann für die Rentnerin um sieben Uhr morgens. Mit Wodka. Dann ein Spaziergang zum nächsten Laden - für den nächsten Flachmann. Im selben Geschäft zu kaufen wäre ihr peinlich gewesen. Scham gehört zum Alkoholismus. Einen Monat nach dem Tod ihres Mannes rutschte die 72-Jährige tief in die Sucht. "Ich habe damals gesagt: Ich bin der Welt abhandengekommen. Ich hatte keine Freude mehr am Leben und keinen Sinn." Heute ist sie trocken.

Alkoholismus und Senioren: Das Thema ist in Arztpraxen und beim Pflegepersonal oft nicht präsent. Die ältere Dame, die torkelt und stürzt, der Senior, der undeutlich spricht, die Rollstuhlfahrerin, die vergesslich geworden ist - wer kommt schon auf die Idee, dass sie zu viel getrunken haben könnten?

Doppelherz, Klosterfrau Melissengeist, Buerlecithin: Einiges, was als Stärkungsmittel für ältere Menschen angeboten wird, enthält Alkohol, sagt Christa Merfert-Diete von der Hauptstelle für Suchtfragen. Gepaart mit bestimmten Medikamenten und insbesondere Schlafmitteln brächten solche Geriatrika neue Suchtgefahren. "Das kann zu einer Abhängigkeitspotenzierung führen", warnt sie. Und: "Ein alter Körper verträgt weniger." Immerhin nehmen viele Senioren eine Vielzahl an Arzneien ein.

Es gebe eine Reihe von Menschen, die mit dem übersteigerten Alkoholkonsum erst im späteren Leben anfangen, sagt Merfert-Diete. Häufige Gründe: der Verlust des Partners, Einsamkeit, der Umbruch mit Beginn des Rentenalters. "Es gibt persönliche Schicksalserlebnisse, die auch dazu führen können, dass jemand verstärkt anfängt zu trinken", sagt sie. Senioren könnten ihr Leben besser als Jüngere dem Alkohol anpassen. Etwa: "Ich muss jetzt nicht aufpassen - ich fahre nicht mehr Auto."

Eine Kurzzeittherapie könnte helfen

27 Prozent der Männer und 19 Prozent der Frauen im Alter ab 65 Jahren konsumieren einer Studie des Robert Koch-Instituts zufolge in riskantem Umfang Alkohol - also mehr als der Gesundheit gut tut. Bei Frauen liegt die Grenze bei 10 bis 12 Gramm reinem Alkohol pro Tag. Das entspricht etwa 0,1 Liter Wein oder 0,25 Liter Bier. Bei Männern gilt etwa die doppelte Menge.

Trotz der alarmierenden Zahlen fehlen Experten zufolge ausreichende und passende Behandlungsangebote. Oft gebe es mit Blick auf Senioren die Meinung: "Dann soll man ihnen doch den Alkohol lassen bis zum Tod", sagt der Suchtforscher Gerhard Bühringer, der an der Technischen Universität Dresden lehrt und das private Münchner Institut für Therapieforschung leitet.

Die Wissenschaftler wollen zusammen mit Kollegen in Dänemark und den USA älteren Patienten helfen. Bei dem Projekt "Elderly" sollen Betroffene in vier bis zwölf Terminen den Sprung zu einem abstinenten Leben schaffen. Damit solle auch gezeigt werden, dass nicht unbedingt eine jahrelange Therapie oder ein stationäres "Wegschließen" nötig sei, heißt es.

"Da werde ich gebraucht"

Der Suchthilfeverein Prop und die Caritas setzten das Konzept in ihren Beratungsstellen in Oberbayern um. "Wir wünschen uns, dass mehr ältere Menschen zu uns finden", sagt Prop-Geschäftsführer Andreas Czerny. "Die Scham ist gerade bei dieser Gruppe ein schwierig kalkulierbares Moment." Eine Studie mit 1200 Betroffenen soll die neue Kurzzeitbehandlung begleiten. Je 200 Menschen in München und Dresden und 400 Menschen in Dänemark sowie den USA werden den Angaben zufolge teilnehmen.

Die Abkehr vom Alkohol gelingt vor unterschiedlichen Hintergründen. Es sei unter anderem das Verhältnis zu ihrem Sohn gewesen, sagt die 72-jährige Ex-Lehrerin, die anonym bleiben möchte. Aber: "In erster Linie war ich physisch am Ende." Sie ist sicher: "Wäre ich im Berufsleben gestanden, wäre mir das nicht widerfahren." Reinhard Pribyl stand hingegen mitten im Berufsleben. Vor 22 Jahren hörte er auf zu trinken, bei ihm war der Druck des Arbeitgebers entscheidend. "Das war der Knackpunkt - da bin ich aufgewacht", sagt der 61-Jährige, der sich heute im Kreuzbund Diözesanverband für andere Alkoholkranke einsetzt.

Auch die ehemalige Lehrerin engagiert sich für andere, in der Kinderbetreuung und Hausaufgabenhilfe. "Das ist wichtig, da werde ich noch gebraucht." Konzepte gegen Einsamkeit und Sinnentleerung: Alkoholmissbrauch bei Senioren hat oft andere Auslöser als bei Jüngeren, und der Weg heraus ist oft ein etwas anderer.

wbr/dpa

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1. 0,1
Spiegelleserin57 17.07.2014
na das ist ja wirklich nicht der Rede wert. Unter 0,25 wird in den meisten Weinlokalen in D gar nicht ausgeschenkt, so etwas bekommt man in der Schweiz. Außerdem : solange in unserer Gesellschaft und auch in der Politik literweise der Alkohol getrunken wird sei dies alten Menschen zugestanden. Die Droge Alkohol wurde bis heute noch nicht als Drogen anerkannt und ist in allen Schichten gesellschaftsfähig, leider. Ich möchte gar nicht wissen wieviele Liter noch letzte Woche zur WM getrunken wurden. Daher gibt es keinen Grund dies den alten Menschen auch noch zu nehmen. Man kann über alles Studien machen, ob sie sinnvoll sind steht auf einem anderen Blatt!
2.
inci2 17.07.2014
Dagegen hilft nur eine umfassende Prohibition. Da wird dann zwar auch gesoffen, wie die Geschichte gezeigt hat, aber wenigstens haben sich die Leute dabei wohl gefühlt.
3. Erfahrungen anderer Länder nutzen !
ecbert 17.07.2014
Der Zugang zu Alkohol ist in Deutschland zu leicht ! In Neuseeland gibt es selbst Bier nur in separaten Liquor-Stores. In Norwegen ist Alkohol zwar im Supermarkt erhältlich aber kaum zu bezahlen. Das währe auch in Deutschland möglich ! Wenn wir so weitermachen werden wir ein Volk von Alkoholikern. Ich sehe das in der Nachbarschaft. Wir haben hier schon geschätzte min. 20 % Alkoholiker/innen.
4. @ecbert
soulseeker 17.07.2014
du hast 100% Recht ... hier laufen 14 Jährige mit irgendwelchen süßen Schnapsgetränken durch die Gegend, die sie bei REWE und K&K kaufen. Unfassbar, dass sowas möglich ist. Separate Liquor-Stores und Bier/Schnapps stärker besteuern. Hohe Strafen bei Ausschank an Minderjährigen. Kann doch nicht so schwer sein ...
5. Na ja...
günterjoachim 17.07.2014
In diesem Artikel werden mal wieder ganz dünne Bretter gebohrt. Aufgrund der Zahlen im Artikel ist davon auszugehen daß es sich hier kaum um ein wirkliches Seniorenproblem handelt. Hier wird nur irgendwas aufgebauscht, wahrscheinlich um beim Staat für irgendwelche Suchthilfevereine Geld abzugreifen.
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